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  1. #1
    Lemon_Meringue
    gelöscht

    Plattenbau und sein Image

    Angeregt durch den Strang der Plattenbau-Mieterin, die Probleme mit ihren Nachbarn hat, habe ich ein bischen nachgedacht und würde gerne von euch hören, warum es anscheinend viele(?) Vorurteile gegen das Wohnen in "Plattenbauten" gibt?
    Ich bin mir der genauen Definition von "Plattenbau" unsicher aber für mich geht es vornehmlich um große Häuser/Wohnanlagen mit vielen Etagen und einer relativ großen Wohnungsanzahl pro Etage?
    Was mich wundert ist, daß es in unseren Breiten wenig "schöne" Hochhäuser/Anlagen zu geben scheint.
    Ich habe (allerdings im Ausland) auch schon in solchen Häusern gewohnt und muß sagen, ich fand es toll.
    Sie waren tip top gepflegt, man hatte einen netten Hausmeister, den man bei Problemen ansprechen konnte, die dann ratz fatz behoben wurden, mußte sich um Reparaturen und Schneeschipperei keinen Kopf machen, z.T. gab es einen 24 h Concierge, die Atmösphäre war freundlich, man hatte eine gewisse (von mir durchaus als angenehm empfundene) "Anonymität", ein netter Plausch im Aufzug war aber mit meinen Nachbarn normal.
    Die Menschen, die dort wohnten waren ein guter Querschnitt der Bevölkerung,Familien, junge Paare und und und.
    Meiner Erfahrung nach leben in den mir bekannten Großstädten in den USA oder in UK auch durchaus sehr gebildete und finanziell gut gestellte Menschen in Hochhäusern. Es wird sogar der Komfort und der Sevice geschätzt, der daugehört und daß man sich mit bestimmten Dingen nicht selbt befassen muß.
    Also, ich fand es angenehm, allerdings hatte ich auch nie Probleme mit lauten Nachbarn.

    Gibt es eigentlich bei uns keine "schönen" Plattenbauten/Hochhausanlagen oder warum gibt es dagegen so viele Vorurteile? Seit ich hier lebe, habe ich erst einmal, in einer süddeutschen Großstadt eine auch entsprechend begehrte, wirklich schöne und kreativ gebaute große/hohe Wohnanlage gesehen. In die ist eine Freundin eingezogen und lebt dort bis heute sehr zufrieden.

    Allgemein ist das Image aber recht schlecht und ich frage mich, ob das im Umkehrschluß dazu führt, daß bei uns hier erst gar keine schönen Anlagen entstehen? Bzw. die Vorurteile über die Häuser und ihre Mieter zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden?
    Geändert von Lemon_Meringue (15.12.2012 um 06:58 Uhr)

  2. #2
    wrong_life
    gelöscht

    AW: Plattenbau und sein Image

    Tja, hier schreibt ja zum grössten Teil die gut verdienende Mittelschicht. Und für ist das frei stehende Einfamilienhaus das Mass aller Dinge. Bevor man das nicht hat, hat man quasi nicht gelebt.

    Zumal es ja meist nur die Plattenbauten im Osten sind, die so ein schlechtes Image haben. Ich hab das selbst erlebt, ich habe in Berlin in der Platte gewohnt. Bei den schlechten Wohnverhältnissen in den Altbauten (Ofenheizung, Aussenklo, keine Bäder) war man meist froh, wenn man dort eine Wohnung bekam.
    Und es war kein Problem, wenn die Journalistin mit der Putzfrau, der Ingenieur mit der Supermarktkassiererin Tür an Tür wohnte. Standesdünkel gab es nicht. Man machte auch viel miteinander. Klar, Idioten gabs immer, aber die soziale Kontrolle funktionierte recht gut. Wenn da ein Kind im Treppenhaus hockte, weil die Eltern nicht da waren, hat man es nicht da hocken lassen. man nahm es mit rein. Und kam das öfter vor, hat man sich gekümmert. Heute geht man vorbei und macht nur die Tür zu.
    Nach der Wende änderte sich das, viele verloren Ihren Job, die mussten da bleiben, wer es sich leisten konnte zog weg, die frei werdenden Wohnungen wurden mit Vietnamesen und Russlanddeutschen aufgefüllt. Oder standen halt leer und wurden dann abgerissen. Die Grünanlagen wurden nicht mehr gepflegt, die Spielplätze verkamen, die Jugendclubs, Schulen und Kindergärten machten zu, die Läden standen leer, Gaststätten sowieso. Das schon geplante Kino und die zwei Schwimmhallen wurden gar nicht erst gebaut. Stattdessen kamen Imbissbuden, Videotheken und Spielhallen.
    Wenn man heute durchs Viertel geht und die vielen blinden Fenster sieht, will man da nicht wirklich wohnen. Wenn man aber mal genauer hinguckt und zum Beispiel die vielen liebevoll gepflegten Balkone sieht, kann man schon mal davon ausgehen, dass da nicht nur ausschliesslich tumbe Asoziale wohnen. Den Leuten fehlt nur neben dem Existenzkampf die Zeit, sich um die Belange ausserhalb ihrer Wohnungstür zu kümmern.

  3. #3
    Moderation Avatar von skirbifax
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    AW: Plattenbau und sein Image

    Plattenbauten sind eigentlich die Häuser, die mit Betonplatten errichtet worden sind. Sie sind alle sehr uniform, es gab nur ein paar Wohnungsgrößen und -typen und die sahen alle gleich aus, waren alle gleich geschnitten. Und sie waren alle gleich hässlich grau - Beton eben.

    In letzter Zeit hat sich in den Städten allerdings viel getan. Man versucht die Plattenbauten zu individualisieren, streicht sie bunt an, saniert und renoviert sie. Und man versucht durch individuelle Zuschnitte der Wohnungen, den Wünschen der Mieter gerecht zu werden und so auch neue, gut verdienende Menschen für die Plattenbauwohnungen zu gewinnen. Was teilweise auch gelingt. Nur ist es jetzt wahrscheinlich wieder schwierig zu unterscheiden, was Luxussanierungen ist und was Erhaltung preiswerten Wohmraums.
    Und ich habe mich so gefreut! sagst du vorwurfsvoll, wenn dir eine Hoffnung zerstört wurde. Du hast dich gefreut – ist das nichts?
    Marie von Ebner-Eschenbach


    Moderatorin für:

    Was bringt Sie aus der Fassung?
    Beziehung im Alltag
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    Geändert von skirbifax (15.12.2012 um 13:26 Uhr) Grund: Tippfehler

  4. #4
    tomirke
    gelöscht

    AW: Plattenbau und sein Image

    Zitat Zitat von wrong_life Beitrag anzeigen
    Und es war kein Problem, wenn die Journalistin mit der Putzfrau, der Ingenieur mit der Supermarktkassiererin Tür an Tür wohnte. Standesdünkel gab es nicht. Man machte auch viel miteinander. Klar, Idioten gabs immer, aber die soziale Kontrolle funktionierte recht gut. Wenn da ein Kind im Treppenhaus hockte, weil die Eltern nicht da waren, hat man es nicht da hocken lassen. man nahm es mit rein. Und kam das öfter vor, hat man sich gekümmert. Heute geht man vorbei und macht nur die Tür zu..
    Ja, schoen wars .... Ein Freund von mir nannte die Platte an der Leipziger Str auch gern das "Sandwich-Hochhaus": eine Etage Journalisten, eine Lage Stasi-spitzel. Eine Etage Journalisten, eine Stasi-spitzel .... aber die soziale Waerme war ja so gegeben in der ex-DDR, vor Mauerfall ...

    Ich verbinde mit "Platte" nicht grundsaetzlich das Hochhaus, sondern eben die genormte Wohnung. Gropiusstadt in Berlin ist da ein sehr gutes Beispiel. Die Idee war billiger Wohnraum fuer die untere Mittelschicht.

    Hochhaus dagegen sind ja auch die Luxus-Appartments in den Potsdamer Platz-Hochhauesern. Nur ist das eben nicht Platte.

  5. #5

    Registriert seit
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    AW: Plattenbau und sein Image

    Zitat Zitat von wrong_life Beitrag anzeigen
    Zumal es ja meist nur die Plattenbauten im Osten sind, die so ein schlechtes Image haben. Ich hab das selbst erlebt, ich habe in Berlin in der Platte gewohnt. Bei den schlechten Wohnverhältnissen in den Altbauten (Ofenheizung, Aussenklo, keine Bäder) war man meist froh, wenn man dort eine Wohnung bekam.
    Interessante Frage - das mit dem Osten glaub ich allerdings 100% nicht. Auch z. b. in Hamburg gibt es solche Wohnsiedlungen "Mümmelmannsberg" oder "Steilshoop". Das Problem ist sicherlich nicht das Hochhaus an sich, siehe "Hafencity" Hamburg, sondern einerseits die mangelnde Qualität der Ausstattung und ganz bestimmt die "Ghettoisierung", die damit häufig einhergeht.
    Ich wohne hier in einer Kleinstadt und auch hier gibt es ein paar Hochhäuser, schon von außen hässlich und erkennbar vermutlich wenig Wohnkomfort. Allein schon die Fahrstühle! Schätzungsweise bieten die beliebten Hochhäuser in den USA da was ganz anderes.

    LG Capbreton

  6. #6
    wrong_life
    gelöscht

    AW: Plattenbau und sein Image

    Zitat Zitat von tomirke Beitrag anzeigen
    Ja, schoen wars .... Ein Freund von mir nannte die Platte an der Leipziger Str auch gern das "Sandwich-Hochhaus": eine Etage Journalisten, eine Lage Stasi-spitzel. Eine Etage Journalisten, eine Stasi-spitzel .... aber die soziale Waerme war ja so gegeben in der ex-DDR, vor Mauerfall ...
    Ja na klar, das musste ja kommen. Ostdeutschland einig Stasiland. Die gabs auch. die gehörten zur Mischung einfach dazu.

    Heut ist das nicht mehr so. Da wohnen die schichten wieder peinlich getrennt. Ein Ingenieur mit einer Zeitarbeiterin in einem Haus? Undenkbar. Da sorgt man schon mit der Preisgestaltung dafür, dass es nicht so weit kommt.

    Plattenbauten an sich waren und sind nicht schlecht. Wenn die natürlich schon mit der Prämisse gebaut werden, dass da nur das Prekariat drin wohnen soll spart man natürlich auch an der Ausstattung und am Umfeld. Und beschäftigt statt Hausmeistern und Reinigungspersonal lieber Sicherheitspersonal mit Knüppeln und Handschellen. Stimmt Gropiusstadt kenne ich auch. kam mir nur gerade nicht in den Sinn. da sind die Leute so arm, dass sogar der Aldi wegzieht, weil er keinen Umsatz macht.

  7. #7
    Avatar von Ullalla
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    2.685

    AW: Plattenbau und sein Image

    Zitat Zitat von wrong_life Beitrag anzeigen
    ... Stimmt Gropiusstadt kenne ich auch. kam mir nur gerade nicht in den Sinn. da sind die Leute so arm, dass sogar der Aldi wegzieht, weil er keinen Umsatz macht.
    Ich kenne die Gropiusstadt aus ihren Anfängen, da war das keine Arme-Leute-Gegend. Da wohnte eher der ganz normale Durchschnitt, Angestellte, Beamte, Facharbeiter. Meine Freundin wohnte dort, die Wohnung war richtig schön (toller Schnitt, gepflegtes Haus). Im Laufe der Jahrzehnte hat sich offenbar die Bevölkerungsstruktur total geändert.

    Auch das Märkische Viertel in Berlin hat einen eher negativen Ruf. Und auch in diesem Fall habe ich nur nette, durchschnittliche Leute kennengelernt, die dort wohnten. Und diese Wohnungen waren ebenfalls sehr schön geschnitten, ich war seinerzeit begeistert. Aber der Weg in die Wohnung... die Wohnanlage wirkte irgendwie trist, die Flure waren beinahe furchteinflößend. Um die Atmosphäre hatte sich da niemand gekümmert. Ab Wohnungstür war dann alles ganz wunderbar.

    Gute Bekannte wohnen auf der Fischerinsel. Die Wohnung ist zwar recht klein, aber trotzdem sehr nett. Und die beiden erzählen immer von der Etagengemeinschaft, die seit Jahrzehnten besteht, dort kümmert man sich, feiert zusammen usw.; von schlimmen Stasi-Sachen wurde mir aber nichts berichtet. Seit der Wende ändert sich im Hochhaus so nach und nach die Nachbarschaft, nicht zum Guten...
    I can only please one person per day. Today I choose ME.
    Beginne den Tag mit einem Lächeln, dann hast Du es hinter Dir.

  8. #8
    Avatar von Antje3
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    AW: Plattenbau und sein Image

    Hallo

    richtige "Platte" gibts glaub ich bei uns nicht - aber ich hab zum einen mal in einem größeren Wohnblock aus "Beton-Fertigteilen" gewohnt - allerdings gabs da von der 1-Zimmer-Wohnung bis zur 4-Zimmer-Wohnung alles. Das Wohnen empfand ich als mehr als angenehm, ich hatte nette Nachbarn, gemischte Struktur, das Gebäude war überhaupt nicht hellhörig, sehr warm bei geringen Heizkosten im Winter und angenehm im Sommer.

    Dann habe ich in einem neueren Wohnblock gewohnt - ganz sicher keine "Platte" - aber mit den Attributen, die Einfamilienhausbewohner gerne mit Wohnblöcken assoziieren "anonym" und "zu viele Leute". Insgesamt gab es da - auf ca. 10 Eingänge verteilt - wohl 200 Wohnungen. Das Ganze gruppiert um einen sehr schönen Innenhof.

    Tja - das war weder anonym noch sonstwas. Natürlich kennt man bei weiterem nicht alle Nachbarn - aber mit denen "nah" dran war das Verhältnis sehr sehr gut, hilfsbereit, man kannte sich, hat vom Pakete annehmen bis zum Einkauf tragen sich gegenseitig geholfen.

    Im Dorf kenne ich auch nicht die 200 nächsten Nachbarn...

    Ein Haus muß natürlich gepflegt werden - die in denen ich wohnte wurden das ausgesprochen sorgfältig - und dann wohnt es sich da auch sehr schön.

    Antje
    Wer glaubt, daß Abteilungsleiter Abteilungen leiten, glaubt auch, daß Zitronenfalter Zitronen falten..

  9. #9
    Avatar von Sugarnova
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    AW: Plattenbau und sein Image

    Ich kenne Platte nur "Second-Hand", zu meinen Studizeiten.

    Mir hat es gut gefallen, frisch renoviert - lieber als eine WG mit mir unbekannten Leuten. Es gab meist nur 2 oder 3 Roommates (eigenes Zimmer hatte übrigens nicht jede(r) - ab 4 bis 6 wird es wohl ziemlich ungemütlich.

    Was mich störte - die doch niedrigen Decken, und ein Hausmeister, der meinte, ohne Ankündigung einfach in die Wohnungen spazieren zu dürfen. Dann irgendwann ein Sportplatz im von Hochhäusern umzingelten Innenhof, was einen Höllenlärm verursachte (es gab draußen viele Sportparks).

    Anonym war es durchaus, aber die Leute hat man eh woanders kennen gelernt. Aber niemalsnie hätte ich mit jemandem mein Zimmer geteilt.

    In einem Problemviertel habe ich aber nie gewohnt - es gab ein Einkaufszentrum, Bibliothek, Parks - also es war schon schön gestaltet.

    Allerdings gibt es bei uns wirklich die Stereotyp-Platte weit draußen, zwar auch nett gebaut - aber wohnen würde ich dort nicht unbedingt wollen. Geht mal abends alleine zwischen Häuserschluchten nach Hause.

    Andererseits, würde ich eine renovierte Platte gegen eine heruntergekommene Neubau-Wohnung aus den 50ern tauschen?

  10. #10
    Moderation
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    AW: Plattenbau und sein Image

    In meiner Heimatstadt gibt es keine Plattenbauten, das Wort "Plattenbau" lernte ich überhaupt erst nach dem Mauerfall kennen (meistens in einem Atemzug mit dem Wort "Leerstand"). Insofern kann ich, ungebremst von der Realität, pure Vorurteile abgeben: schlechte Bauqualität (zb Hellhörigkeit), wenig Individualität, Massenproduktion von billigem Wohnraum. Der schäbige kleine Bruder des Fertighauses, sozusagen.

    Mit dem Wort Hochhaus dagegen verbinde ich ganz andere Dinge, Manhattan, La Défense und vielleicht noch Frankfurt, großartige Aussicht und stylische Kühle. Ist schon interessant, was sich da für Vorurteile gesammelt haben, wenn man mal in sich reinschaut ...

    Grüße, Cariad

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