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  1. #1
    Administrator Avatar von BRIGITTE Community-Team
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    Experten-Beratung: Mutter sein, Frau bleiben - wie geht das?

    Liebe Userinnen,

    Mütter sind Hochleistungssportler, wenn es darum geht, die Familie glücklich zu machen. Bis sie merken, dass sie selbst auf der Strecke bleiben.

    Coach Britt Bürgel gibt Tipps für den Alltag und beantwortet Ihre Fragen.

    Mehr Infos zu Britt Bürgel und ihrer Arbeit lesen Sie hier.

    Die kostenlose Beratung läuft vom 11. bis 24. Juni 2012.

    Freundliche Grüße
    Ihr BRIGITTE Community-Team
    Das BRIGITTE Community-Team ist Ihr Ansprechpartner bei Fragen, Wünschen oder Problemen rund um die Community. Schreiben Sie uns gerne eine PN oder eine E-Mail.

  2. #2

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    AW: Experten-Beratung: Mutter sein, Frau bleiben - wie geht das?

    Liebe Frau Bürgel,

    vielen Dank, dass Sie uns die Möglichkeit geben, hier Fragen zu stellen!

    Die Frage, wie sehr man sich durch ein Kind verändert, beschäftigt mich tatsächlich sehr. Besonders, was Freundschaften betrifft. Ich fand es früher als "Nicht-Mama" sehr schade, wenn Freundinnen Kinder bekamen und dann quasi aus meinem Leben verschwanden, entweder waren sie immer zu müde oder zu beschäftigt oder man hatte sich auch einfach nicht mehr so viel zu sagen, da sich ihr Leben doch stark um die Kinder drehte. "So werde ich auf keinen Fall!" habe ich mir immer gesagt. Nun, mein Kind ist jetzt knapp zwei, und ich fürchte, so ganz gelingt mir das auch nicht. Mir waren meine Freunde immer sehr wichtig, aber es fällt mir als arbeitende Mutter zunehmend schwer, diese Freundschaften zu pflegen. Wenn ich mich dann doch mal verabrede, erwische ich mich dabei, dass es mich schon fast belastet, zu diesem Termin zu müssen. Ich bin einfach oft zu kaputt. Gleichzeitig fehlt es mir aber, auch mal spontan mit Freundinnen um die Häuser zu ziehen, tanzen gehen etc.

    Mich würde interessieren, wie Sie als Coach und Mutter das sehen. Wird es irgendwann besser? Sollte ich mich einfach zwingen, regelmäßig Freunde zu treffen, auch wenn es manchmal stressig ist? Oder muss ich einfach akzeptieren, dass ich nun ein anderes Leben habe, inklusive weniger bzw. anderer Freunde (nämlich diejenigen, die selbst Kinder haben)? Hilft es, mit den Freunden darüber zu reden?

    Herzliche Grüße

    Miro

  3. #3
    VIP Avatar von xanidae
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    AW: Experten-Beratung: Mutter sein, Frau bleiben - wie geht das?

    Mich würde interessieren, welche Tipps Sie haben, Oasen im Alltag herzustellen. Sei es für sich oder für das Paar oder auch für die Familie.

    Ich habe zwei Kinder im Alter von 8 und 6 und bekomme das oft ganz gut hin. Aber ich erlebe im Freundes- und Bekanntenkreis, dass alle im Stress sind. Hauptsächlich im Organisationsstress. Waren die Arbeitgeber bei jüngeren Kindern in bestimmten Dingen nachsichtiger, wird nun erwartet, dass die Kinder mitlaufen.
    Ganz zu schweigen vom sozialen Terminstress bei mehreren Kindern: Das Schuljahr endet und die Festtermine explodieren. Ähnlich ist es an Weihnachten.

    Wie kann man die inneren Vorwürfe/das schlechte Muttergewissen abstellen? Ich bin am Sommerfest meines Sohnes nicht da, dafür mein Mann. Letztes Jahr war es umgekehrt. Trotzdem fragt mich jeder, warum ich denn nicht da bin. Das sei doch wichtig...
    If you can't keep your shit together
    When God is on your side
    What chance do you have when he's not around?


    Counting Crows "Cover up the sun"

  4. #4
    Avatar von Britt Buergel
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    AW: Experten-Beratung: Mutter sein, Frau bleiben - wie geht das?

    Liebe Miro,

    vielen Dank für Ihre Anfrage und für Ihr Vertrauen, das Sie mir damit entgegenbringen. Ich antworte Ihnen sehr gerne!

    Als Mutter kenne ich das Gefühl, das Sie beschreiben, sehr gut! Und aus meiner Coaching-Praxis weiß ich: Wir beide sind nicht die einzigen, die diese Frage beschäftigt

    Das Treffen wahrnehmen oder besser absagen? Auf dieses Entweder-Oder reduziert fällt die Entscheidung schwer – und im Zweifel ist Absagen dann die einfachere Lösung, weil sie nur einen Anruf kostet, das Aufraffen dagegen viel mehr Energie und Überwindung erfordern würde. Zurück bleibt aber häufig das ungute Gefühl, der Freundin gegenüber das falsche Signal gesendet zu haben. Und der innere Vorwurf, dass man der Frau, die man eigentlich nicht sein wollte, wieder ein Stück ähnlicher geworden ist…. Gleichzeitig erhöht sich der Druck fürs nächste Mal: Was ist, wenn ich da schon wieder zu müde bin? Ich kann doch jetzt nicht schon wieder absagen…

    Wie wäre es für Sie, das Gefühl „Ich bin zu erschöpft für das Treffen“ mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten? Jede Empfindung beinhaltet immer auch eine wertvolle Botschaft, und ein neugierig-interessierter Blick auf das eigene Innenleben ist schon mal ein guter Anfang: Es nimmt ein wenig von dem Druck, dieses störende Gefühl beseitigen zu müssen (Gefühle begleiten uns umso hartnäckiger, je mehr Mühe wir uns geben, sie zu verscheuchen!). Fürs nächste Mal könnte das Motto also lauten: Da ist es wieder, das Gefühl, zu müde für den Termin zu sein? Okay, dann schauen wir mal, was da in dieser besonderen Flaschenpost aus dem Unterbewusstsein so alles drinsteckt.

    Sie haben in der letzten Nacht nur vier Stunden Schlaf abbekommen? Das Gefühl der Müdigkeit wird vermutlich immer stärker werden, je näher das Treffen heranrückt. Ihr Körper braucht Schlaf! Wenn Sie sich zwingen und das Signal überhören, verankern Sie die Situation „Weggehen“ mit dem schlechten Körpergefühl. Dann besser zuhause bleiben und den verpassten Schlaf nachholen!

    Der Schlaf war an sich ausreichend, aber das Gefühl von Erschöpfung ist trotzdem groß? Dann kann es hilfreich sein, bevor Sie den Termin absagen, erst mal innezuhalten und eine bewusste Unterbrechung einzulegen: Lassen Sie den Papa oder Babysitter schon eine Stunde früher kommen und gönnen Sie sich das Vergnügen, Zeit zur freien Verfügung zu haben. Worauf hätten Sie jetzt Lust? Das herauszufinden fällt leichter, wenn Sie etwas tun, um bewusst vom Kopf in den Körper zu kommen: Fünf Minuten unter die Dusche stellen, zur Lieblingsmusik durch die Küche tanzen oder eine Runde um den Block gehen beleben und spenden neue Energie.

    Mit den Freunden über das belastende Gefühl zu sprechen ist eine sehr gute Idee! Damit schaffen Sie Nähe, weil Sie den anderen die Chance geben, an Ihrer Situation teilzuhaben. Vielleicht finden Sie im Gespräch sogar gemeinsam neue Ideen, wie die Treffen künftig aussehen könnten? Kinderlose Freundinnen mit flexiblen Arbeitszeiten kann man auch mal zum Frühstück im Café treffen. Nach einem langen Tag in Job und Kinderzimmer haben Sie abends keine Lust mehr auf lange Gespräche? Vielleicht passt ein Kinobesuch dann besser zu Ihrem Bedürfnis? Sie sehnen sich nach körperlicher Ruhe, weil Ihr Zweijähriges Sie so viel auf Trab hält? Wie wäre es mit einem gemeinsamen Faulenzer-Besuch in der Therme?

    Prüfen Sie schon in dem Moment der konkreten Verabredung, wie sich die Aussicht auf das Treffen für Sie anfühlt! Meistens meldet sich schon in diesem Augenblick eine (zunächst noch zaghafte) innere Stimme, die den Termin mit „Oh ja!“ oder „Och nee…“ kommentiert. Üben Sie, diesen inneren Kommentator bewusster wahrzunehmen und ihn nach seinen Einwänden zu befragen: Was müsste anders sein, damit ich mich auf den Termin freue? Wenn Sie an diesen Schrauben drehen, werden Sie seltener das Gefühl haben, dass Ihnen die Energie und der Antrieb fehlen. Bleibt die rechte Lust trotzdem aus, ist das durchaus ein Anlass, den Kontakt selbst mal auf den Prüfstand zu stellen. Vielleicht entlarven Sie bei dieser Gelegenheit aber auch zentrale „Energieräuber“ in Ihrem Alltag? Eine Arbeit, die zumindest größtenteils Spaß macht, ist eine wichtige Quelle der Energie und Motivation! Und noch ein sehr pragmatischer Tipp zum Schluss: Lassen Sie ruhig mal Ihre Blutwerte checken – ich habe in meiner Praxis viele Mütter beraten, bei denen sich das Gefühl ständiger Erschöpfung durch einen versteckten Eisenmangel zumindest mit begründen ließ.

    Wie passen diese Ideen zu Ihren Vorstellungen und Ihrem Alltag? Ich bin gespannt und sende Ihnen
    herzliche Grüße!

    Ihre Britt Bürgel

  5. #5
    Avatar von Britt Buergel
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    AW: Experten-Beratung: Mutter sein, Frau bleiben - wie geht das?

    Liebe xanidae,

    ich freue mich über Ihre Fragen!

    Sie schreiben, dass es Ihnen oft gut gelingt, für sich als Paar und als Familie Oasen im Alltag zu schaffen. Herzlichen Glückwunsch! Vielleicht ist das der Grund, weshalb die anderen im Freundes- und Bekanntenkreis mehr Stress haben als Sie? Das Gefühl, im Stress zu sein, tritt meist dann besonders stark auf, wenn wir den Eindruck haben, wie Getriebene durch den Alltag zu hetzen, fremdbestimmt zu sein, nur noch passiv reagieren zu können auf das, was um uns herum geschieht. Wenn Sie sich bewusst dafür entscheiden, nicht zum Sommerfest Ihres Sohnes zu gehen, nehmen Sie damit aktiv Einfluss und gestalten Ihre Zeit – eine gute Vorbeugung gegen Stress-Gefühle!

    Seien Sie sich bewusst, dass Sie mit diesem Verhalten bei dem einen oder anderen Menschen aus Ihrem Umfeld einen "sensiblen Knopf" drücken: Vielleicht würden andere Eltern genauso gern mal das Sommerfest sausen lassen? Wenn Ihnen die Äußerung „Wieso bist du denn nicht dabei? Das ist doch wichtig!“ das nächste Mal begegnet, überlegen Sie, ob Sie Ihrem Gegenüber tatsächlich eine Erklärung schuldig sind. Sie haben die Freiheit, auch nur knapp zu antworten! Vielleicht passt für Sie auch eine Entgegnung in diesem Stil: „Für MICH ist das die richtige Entscheidung!“.

    Wenn das schlechte Gewissen nicht weichen möchte, gehen Sie ihm neugierig auf den Grund: Da gibt es offenbar etwas in Ihnen, das sich von der Bemerkung der anderen Eltern angesprochen fühlt, das gewissermaßen in Resonanz zu diesem versteckten Vorwurf geht. Was könnte das sein? Kennen Sie dieses Gefühl aus anderen (evtl. nicht kinderbezogenen) Situationen?

    Ich bin davon überzeugt: Je mehr das, was Sie tun (oder eben auch nicht tun), zu Ihren persönlichen Werten passt, umso weniger anfällig werden Sie für die „Schuldgefühls-Angebote“ Ihrer Mitmenschen. Finden Sie also möglichst viel über Ihre eigenen inneren Werte heraus: Was ist Ihnen wirklich wichtig? Was tun Sie von Herzen gerne? In welchen Situationen, bei welchen konkreten Tätigkeiten sind Sie rundherum glücklich und zufrieden? Wenn Sie am Ende Ihres Lebens zurückblicken: Was werden die Dinge sein, die Sie bereuen würden, nicht getan zu haben? Nehmen Sie sich Zeit, diese Punkte für sich zu entdecken und mit Papier und Stift festzuhalten. Es werden Ihnen dabei vermutlich nicht nur Dinge einfallen, die mit Ihren Kindern oder Ihrer Paarbeziehung zu tun haben – und das ist auch gut so! Hier geht es nämlich um Sie als ganzer Mensch, und je mehr Facetten Sie an sich entdecken, umso solider werden die Entscheidungen sein, die Sie künftig treffen. Mindestens zwanzig Punkte sollten es schon sein!

    Diese Liste ist dann Ihre Grundlage, um daraus weitere „Oasen im Alltag“ zu entwickeln. Vernachlässigen Sie neben den Oasen für Sie als Paar und als Familie bitte nicht die „Exklusiv-nur- für-mich-selbst-Inseln“! Es gilt außerdem das Prinzip „Lieber klein und häufig, als groß und selten“: Also nicht einmal im Jahr das Wellness-Wochenende und dazwischen gar nichts, sondern jeden Tag mindestens (!) ein Mini-Highlight, auf das Sie sich freuen. Wählen Sie dazu aus Ihrer Liste aus, was Ihnen gut tut, was Sie inspiriert und wobei Sie auftanken können. Ob das die Tasse Kaffee am Morgen auf der Terrasse ist, während die anderen noch schlafen, eine Mini-Yoga-Einheit in der Mittagspause oder abendliches Abtauchen in der Badewanne, liegt ganz bei Ihnen. Mit Ihrem Partner können Sie einen „Listen-Abgleich“ machen: Was sind die Dinge, die Sie beide gern mal wieder zusammen erleben oder unternehmen würden? Und dann: Her mit dem Terminkalender und die Verabredung festmachen!

    Auch Ihre Kinder können bestimmt schon ganz gut benennen, an welchen Unternehmungen und Aktivitäten sie besonders viel Freude haben! Wenn Sie es sich zur Gewohnheit machen, regelmäßig den „Familienrat“ einzuberufen (zum Beispiel beim gemeinsamen Frühstück am Wochenende?), können Sie miteinander über Ihre Wünsche sprechen und miteinander den Kalender mit Ihren Plänen und Vorstellungen bestücken. Einen großen Wandkalender mit viel Platz und einer eigenen Spalte für jedes Familienmitglied können Sie einfach auf einem weißen Blatt Papier im Format Din A3 selbst gestalten. Eine Spalte sollte für „Mama + Papa“ und eine für „Wir als Familie“ vorgesehen sein. Schöner Nebeneffekt: Wenn Sie das regelmäßig machen, wächst das Verständnis für die Bedürfnisse der anderen, und das Gefühl des Zusammenhalts wirkt gestärkt. Neuralgische Knotenpunkte wie Weihnachten oder das endende Schuljahr lassen sich auf diese Weise pragmatischer lösen: Wo wird es eng? Was ist jedem einzelnen wirklich wichtig? Welche Termine haben Priorität? Wenn die Wichtigkeit klar ist, lösen sich manche Engstellen ganz von selbst… Und wenn alles gleich wichtig ist? Dann kann man entweder gemeinsam den Würfel entscheiden lassen. Oder zusammen ein Ideen-Brainstorming veranstalten. Kinder sind darin unschlagbar kreativ!

    Jetzt bin ich natürlich neugierig, zu welchen Ideen ich Sie mit meinen Vorschlägen inspiriert habe

    Herzliche Grüße,
    Ihre Britt Bürgel
    Geändert von Britt Buergel (13.06.2012 um 23:05 Uhr)

  6. #6

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    AW: Experten-Beratung: Mutter sein, Frau bleiben - wie geht das?

    Hallo Frau Bürgel,
    Ihr Thema, für das Sie ein Coachingangebot über Brigitte online machen, hat mich spontan angesprochen. Ich habe drei Söhne im Altern von 9, 6 1/2 und 4 Jahren. Wenngleich jetzt seit Spetember erstmals jeden Vormittag alle drei außer Haus sind (Schule und Kindergarten), ich normalerweise durchschlafen kann, keiner mehr gewickelt und gefüttert werden muss, habe ich das Gefühl, dass ich nachwievor sehr erschöpft bin von den Anstrengungen der letzten 9 Jahre (drei Schwangerschaften im etwa 1 1/2-Jahresrhythmus und 3 Stillzeiten von 1 Jahr und mehr hintereinander, viele unruhige Nächte). Ich bin froh, dass ich jetzt vormittags freie Bahn habe, mache wieder etwas Sport, genieße auch immer mal wieder zum Teil "Faulenzervormittage", wo ich ein gutes Buch zu Ende lese, lange mit einer Freundin telefoniere oder mich auch mal ohne schlechtes Gewissen schlafen lege, wenn ich müde bin. Gleichzeitig fühle ich in mir einen starken Druck, viele Dinge in Haushalt und am Schreibtisch aufzuarbeiten, die ich die letzten Jahre nicht so geschafft habe (vom unangenehmen Keller aufräumen bis zum angenehmen Fotoalbum fortführen). Die vier Stunden, die ich jeden Vormittag habe sind ziemlich schnell um, zumal ich jeden Tag koche und mittags mein Mann und alle Kinder zum Essen nach Hause kommen. Ich bin also in der klassischen Hausfrauenrolle gelandet, damit zeitlich auch voll ausgefüllt. Andererseits merke ich, dass ich unzufrieden in dieser Rolle bin, dass mir die Ansprache und Anerkennung außerhalb der Familie fehlt (wenngleich ich ehrenamtlich in meinem Berufsbereich tätig bin). Mein Mann ist selbstständig und beruflich stark eingespannt (er kommt abends um 20 Uhr nach Hause, nach dem Abendessen geht es meistens am Computer weiter, am Wochenende muss er meistens auch viele Stunden am Computer verbringen). Das heißt, ich bin ein Stück weit "verheiratet alleinerziehend", Omas etc. gibt es auch nicht in der Nähe. Ich strebe an, dass ich wieder freiberuflich von zu Hause aus arbeite (was ich die letzten 1 1/2 Jahre vor der Geburt des dritten Kindes gemacht habe und trotz allem Stress und aller Unsicherheiten, die das mit sich brachte, sehr genossen habe). Andererseits habe ich das Gefühl, ich komme ja so schon nicht rum, vormittags alles zu erledigen, was an Haushalt, Kochen und privaten Erledigungen ansteht (trotz Haushaltshilfe), wenn ich gleichzeitig auch noch Zeit für Sport u.ä. am Vormittag haben will. Ich denke, ich bräuchte noch etwas mehr Auszeit vom Beruf, um zu Hause meine "Altlasten" aufgearbeitet zu bekommen, gleichzeitig schiebe ich dabei oft so viel Frust, dass ich eher anstreben sollte, auch wieder ein paar Auftraggeber zu suchen, bei denen ich eigenes Geld verdienen kann und Aufgaben habe, die gar nichts mit der Familie zu tun haben. Ich bin hin- und hergerissen zwischen dem Gefühl, beruflich wieder mehr machen zu wollen und dem Gefühl "jetzt stress' Dich nicht, arbeiten kannst Du noch lange genug". Hinzu kommt, dass es in letzter Zeit einige grundlegende Konflikte zwischen mir und meinem Mann gibt und ich denke "Hilfe, wenn die Ehe mal schief geht, stehst Du echt dumm da, warst jahrelang hauptsächlich Hausfrau und Mutter und finanziell von ihm abhängig und kannst dann gucken, wie es weitergeht".
    Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie einen Rat für mich haben. Vielen Dank und viele Grüße!
    Isabel-Luisa

  7. #7
    Avatar von Britt Buergel
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    AW: Experten-Beratung: Mutter sein, Frau bleiben - wie geht das?

    Liebe Isabel-Luisa,

    vielen Dank für Ihre Anfrage und Ihr Vertrauen! Ich antworte Ihnen sehr gerne.

    Sie haben die letzten neun Jahre lang all Ihre Kraft und Energie in die Betreuung und Begleitung Ihrer drei Kinder investiert. Ihre Familie stand vollkommen im Mittelpunkt Ihres Lebens. Jetzt haben Sie zum ersten Mal seit langer Zeit wieder ein bisschen mehr Raum für sich selbst: Mal ein Buch lesen, mit der Freundin telefonieren, faulenzen und entspannen. Sie genießen diesen neu gewonnenen Freiraum am Vormittag. Gleichzeitig ist da aber auch eine Unruhe in Ihnen entstanden, die sich unter anderem darin zeigt, dass Sie alle unerledigten Dinge im Haushalt mit überdeutlicher Klarheit vor sich sehen.

    Die Rolle der Hausfrau und Mutter füllt Sie zeitlich komplett aus; innerlich sind Sie aber unzufrieden und sehnen sich nach (beruflicher) Anerkennung. Sie beschreiben sich selbst als „verheiratet alleinerziehend“. Inwieweit hängen denn die Konflikte zwischen Ihnen und Ihrem Mann mit dieser Situation zusammen? Und wie wünschen Sie sich die nächsten gemeinsamen neun Jahre mit Ihrem Mann?

    Die innere Zerrissenheit, die Sie schildern, kennen bestimmt auch andere Frauen sehr gut. „Sollte ich nicht endlich mal auch an mich denken und beruflich durchstarten? Aber wie soll das denn überhaupt gehen, ich habe doch jetzt schon so viel zu tun – wo bleib ich denn selbst, wenn ich wieder im Job bin?!“

    Ich könnte mir vorstellen, dass die Sehnsucht nach dem beruflichen Wiedereinstieg auch eine gehörige Portion Angst auslöst. Die Sorge, nicht mehr genug Zeit für Sport und Entspannung zu haben, ist vielleicht gar nicht der zentrale Punkt dabei. Auf einer unbewussten Ebene ist Ihnen möglicherweise schon klar, dass sich dann der Zustand der „verheiratet Alleinerziehenden“ ändern müsste, wenn Sie demnächst wieder arbeiten. Natürlich, es gibt genug Alleinerziehende, die diesen Spagat täglich meistern. Aber ich bin sicher: Auf die Dauer kann man das volle Programm nicht ohne die hilfreiche Unterstützung anderer Menschen bewältigen. Dafür müssten Sie sich allerdings von einigen inneren Ansprüchen an sich selbst verabschieden… Und gleichgültig, ob Sie nun verheiratet sind oder nicht – der Vater Ihrer Kinder ist dabei die Person, für die sich durch Ihre Berufstätigkeit ebenfalls einiges ändern wird. Hier in eine notwendige Klärung von Bedürfnissen und Zuständigkeiten einzusteigen: Vielleicht ist das der Punkt, der als nächstes bei Ihnen ansteht?

    Um den Bogen zu Ihrer Ausgangsfrage zu spannen: Es ist gut möglich, dass der innere Druck, den Keller auszumisten und Unerledigtes in Angriff zu nehmen, eigentlich „nur“ von diesem einen zentralen Konflikt in Ihrem Leben gespeist wird. Was meinen Sie selbst? Oder ist es eher so, dass die freie Zeit am Vormittag so etwas wie ein Vakuum, eine innere Leere verursacht hat, in der sich jetzt Unzufriedenheit und ein Druckgefühl breit gemacht haben?

    Wie auch immer die Antwort aussieht: Es spricht nichts dagegen, das Aufräumen des Kellers in Angriff zu nehmen. Diese unangenehme Aufgabe von Ihrer Liste streichen zu können, ist bestimmt ein gutes Gefühl! Und was ich daran besonders wichtig finde: Sie kommen in die Aktivität, und das wird neue Ideen und weitere Handlungsimpulse nach sich ziehen. Anders formuliert: Irgendetwas zu tun ist besser als gar nichts zu machen – auch wenn Ihnen das Kelleraufräumen keine berufliche Anerkennung verschaffen wird.

    Vielleicht fragen Sie sich, was Sie nun als allererstes von der langen Liste an Unerledigtem abarbeiten sollen? Wenn es Ihnen momentan noch an Klarheit fehlt, nehmen Sie eine Priorisierung der Aufgaben nach „dringlich“ (im Sinne von zeitkritisch) und „wichtig“ (im Sinne von bedeutsam) vor. Konzentrieren Sie sich ausschließlich auf die Punkte, die für Sie selbst wichtig und die zeitlich drängend sind. Welche Aufgaben können Sie delegieren? Vergessen Sie nicht, Ihre Familie mit einzubinden, insbesondere wenn es um Themen geht, die Ihre Kinder und Ihren Mann unmittelbar betreffen.

    Vielleicht hilft Ihnen auch das folgende Gedankenexperiment: Stellen Sie sich vor, Sie wären bereits wieder berufstätig. Welche Aufgaben würden Sie dann im Haushalt als erstes erledigen? Und was würden Sie sonst noch verändern? Schlüpfen Sie in Gedanken für die nächsten 14 Tage in die Rolle der berufstätigen Mutter und gehen Sie durch Ihren Alltag. Wie fühlt sich das für Sie an? Was gefällt Ihnen gut? In welchen Situationen sind Änderungen erforderlich? Ziehen Sie täglich Bilanz und notieren Sie Ihre Gedanken und Gefühle.

    Beobachten Sie auch, wie Sie mit Ihrem veränderten Verhalten auf Ihre Familie Einfluss nehmen. Machen Sie sich klar, dass sich die Gesamtsituation in dem Moment zu verändern beginnt, in dem Sie selbst den ersten Schritt auf Ihr Ziel zugehen.

    Ich wünsche Ihnen viele interessante Erkenntnisse auf Ihrer spannenden Reise
    Über einen Bericht freue ich mich natürlich sehr!

    Herzliche Grüße!
    Britt Bürgel

  8. #8

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    AW: Experten-Beratung: Mutter sein, Frau bleiben - wie geht das?

    Liebe Frau Bürgel,
    vielen Dank für sehr interessante und ausführliche Antwort!
    Mit Ihrem Vorschlag, dass ich mir öfter mal kleine Auszeiten gönnen sollte, haben Sie voll ins Schwarz getroffen. Wenn ich so drüber nachdenke, mache ich das wirklich viel zu selten. Ich versuche eigentlich immer, möglichst jede freie Minute mit meinem Kind zu verbringen (das schlechte Gewissen der working mum? ), hetze nach der Arbeit sofort nach Hause und nehme mir auch an Wochenenden sehr selten mal eine Auszeit. Dabei war ich eigentlich schon immer jemand, der sich auch mal zurückziehen und mit sich allein sein muss. Vielleicht werde ich einfach künftig hin und wieder nach der Arbeit einen Stopp im Café machen oder mich in den Park setzen...

    Die andere Idee, mit den Freundinnen zu sprechen, habe ich am Wochenende sogar schon direkt in die Tat umgesetzt! Tatsächlich stellte sich heraus, dass es ihnen genauso geht - die gemeinsamen Treffen fehlen ihnen, aber trotzdem raffen sie sich viel zu selten dazu auf. Wir haben nun abgemacht, uns an einem festen Tag einmal im Monat zu treffen - ohne Kinder! - und gemeinsam etwas zu unternehmen, Kino, Therme, was trinken gehen oder DVDs gucken... Eben das, was wir früher auch immer zusammen gemacht haben. Ich bin gespannt, ob wir das hinkriegen. Schön wärs, oft ist es ja doch so, dass man erst keine Lust hat und dann doch froh ist, sich aufgerafft zu haben.

    Herzliche Grüße
    Miro

  9. #9
    Avatar von Britt Buergel
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    AW: Experten-Beratung: Mutter sein, Frau bleiben - wie geht das?

    Liebe Miro,

    vielen Dank für Ihre nette Rückmeldung!

    Ich freue mich mit Ihnen, dass das Gespräch mit den Freundinnen so gut gelaufen ist. Das macht vielleicht auch anderen Frauen hier im Forum Mut. Ich bin davon überzeugt: Es lohnt sich, authentisch zu sein und zu dem zu stehen, was man fühlt! Eine gute Freundschaft wächst an dieser Offenheit (eine gute Partnerschaft übrigens auch!).

    Viel Spaß beim Pause-Machen im Café und auf der Parkbank und viele schöne Treffen mit Ihren Freundinnen wünscht Ihnen

    Britt Bürgel

  10. #10
    BJP
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    AW: Experten-Beratung: Mutter sein, Frau bleiben - wie geht das?

    Liebe Frau Bürgel,

    Vielen Dank für die Möglichkeit Sie direkt anzusprechen. ich habe ein eher praktisches Problem. Meine Tochter ist nun 5 Monate alt und wir haben uns gut aufeinander eingespielt. Allerdings habe ich schon während meiner Berufstaetigkeit eine Weiterbildung im Fernstudium begonnen und diese würde ich gerne weiter verfolgen. Ich habe selbst festgestellt wie gut mir das Lernen tut, allerdings bekomme ich einfach keine richtige Struktur mehr...naja da bin ich natürlich etwas fremd bestimmt ;0) Haetten Sie in diesem Bereich vielleicht ein paar Tipps und Tricks aus Ihrer Coaching-Schatzkiste?

    Vielen Dank und herzlichen Gruss

    BJP

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