Ende 2011 beschloss ich wieder einmal jährlich zur Gyn zu gehen und suchte mir auf den entsprechenden Internetseiten eine Frau Doktor aus, die in meiner Wohnnähe praktiziert. Sie wurde auf der Seite in den Himmel gelobt. Sie hatte traumhafte Bewertungen. Also wollte ich zu ihr. Den ersten Termin sagte ich nochmal ab, war einfach lange her, dass ich bei der Gyn war. Hätte ich damals gewusst, dass noch sechs weitere Termine in den nächsten zwölf Monaten folgen, oh Gott ich hätte mich nie überwunden. Ich halte die Ärztin für eine gute Ärztin, aber ich habe inzwischen den Verdacht, dass sie sich mir gegenüber nicht traut genau nachzufragen oder mich genau aufzuklären, wenn es um heikle Themen wie Geschlechtskrankheiten geht. Ich bin vielleicht zwei bis vier Jahre älter als sie. Wir kommen aus ganz verschiedenen Welten, zumindest auf den ersten Blick. Zweimal stellte mir ihre erfahrene Arzthelferin anschließend Fragen, die aus meiner Sicht nur Ärzte hinterfragen dürfen, um ihre Patienten aufklären zu können. Ich bin der Ärztin deshalb nicht böse, aber ich weiß nicht, was ich auf sie für einen Eindruck mache, dass sie sich scheinbar nicht richtig traut, mir die Fakten selbst zu übermitteln. Was in dem Fall absolut notwendig wäre. Da ich zuletzt aufgrund eines schweren, bakteriellen Infektes im Krankenhaus landet, wo sie mit ihrer Arbeit den Ursprung der Krankheit diagnostizierte, schickte ich ihr den Arztbericht zu. Sie sollte schon wissen, was ich habe, und dass sie einen guten Job gemacht hat.
Ich sah, dass der Arztbericht bei ihr auf dem Schreibtisch lag. Und da ich noch etwa zehn Minuten warten musste, bis ich ins Behandlungszimmer gebeten wurde, bin ich sehr sicher, dass sie ihn nochmal gründlich las. Komischerweise hatte sie keine Fragen dazu an mich gehabt. Sie redete gar nicht richtig mit mir, sondern erledigte nur ihre Arbeit. Sie sagte nicht einmal zum Schluss zu mir, dass wenn alles nun in Ordnung ist, ich erst wieder Ende des Jahres einen Termin zur Vorsorge brauche. Alle Ärzte machen das so, nach meiner Erfahrung.
Ich gebe zu, dass mir meine Geschlechtskrankheit lange Zeit peinlich erschien, aber das hat sich im Krankenhaus schnell gelegt. Ich musste mindestens fünf Ärzten Fakten aus meinem Intimleben erzählen. Da wurde ich von Gespräch zu Gespräch lockerer, aber die Ärztin, die mich wahrscheinlich noch die nächsten zwanzig Jahre behandelt schweigt sich aus, fragt wenig bis nichts. Das verstehe ich echt nicht.
Was habe ich an mir? Will sie mich als Patientin nicht haben? Ich zahle teilweise aus eigener Tasche. Ach ja, ich gab ihr am Ende freundlich und zugewandt die Hand. War wahrscheinlich auch falsch.











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