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  1. #1
    Avatar von Godewind
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    Mein Vater sieht nicht ein, dass er Hilfe braucht

    Mein Vater (90) ist nach einem Krankenhausaufenthalt nun in Kurzpflege.
    Er lebte bis dahin alleine in seinem Haus. Zu dieser Zeit ließ aber seine Hygiene schon sehr nach.
    Auch merkte man, dass er in einigen Dingen vergesslich wird, normal in diesem Alter.

    Nun schlugen wir ihm vor, dass er doch in diesem Seniorenheim, in dem er zur Zeit ist, zu bleiben, da er in vielen Dingen nun auf Hilfe angewiesen ist.
    Dies lehnte er ab.
    Unser zweiter Vorschlag war eine 24-Stunden Pflegekraft. Auch dies findet er nicht für notwendig.
    Er überschätzt sich natürlich total.
    Die Kurzzeitpflege läuft nun noch bis 13.12. Das Krankenhaus hat eine Eileinstufung beantragt, nun hat er die Pflegestufe 1.

    Was soll ich denn nun tun?
    Er kann unmöglich alleine zu Hause wohnen bleiben.

    Vielleicht habt Ihr einen Ratschlag?

  2. #2
    Avatar von Nocturna
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    AW: Mein Vater sieht nicht ein, dass er Hilfe braucht

    Zitat Zitat von Godewind Beitrag anzeigen
    Nun schlugen wir ihm vor, dass er doch in diesem Seniorenheim, in dem er zur Zeit ist, zu bleiben, da er in vielen Dingen nun auf Hilfe angewiesen ist.
    Wenn du deinen Vater nicht überreden kannst, bleibt nur die Salamitaktik, scheibchenweise Richtung Ziel. Wenn er zuhause allein ist, dann bekommt er doch in Pflegestufe 1 zweimal am Tag Besuch vom Pflegedienst? Möglicherweise kann er sich auf diese Weise langsam mit der Idee anfreunden, dass er eben nicht mehr alles allein kann.

    Je nach weiterer Notwendigkeit würde ich eventuell einen Hausnotruf in Erwägung ziehen. Putzen und waschen dürfte auch nicht mehr möglich sein, dann müsste man auch noch eine Zugehfrau in Auge fassen, die das übernimmt. Und natürlich braucht er auch noch ein Essen, also muss man da auch nach einer Lösung suchen.

    Entweder dein Vater kommt mit diesen Hilfen dann allein zurecht oder wenn nicht wächst vielleicht die Einsicht, dass er zuhause mit eigenen Kräften/Mitteln eben nicht mehr alles auf die Reihe bekommt. Möglicherweise ist er dann einer 24 Stunden-Pflegekraft nicht mehr abgeneigt oder kann sich mit dem Gedanken ans Seniorenheim anfreunden.
    Kinder sind das Einzige, was in einem modernen Haushalt noch mit der Hand gewaschen werden muss.

  3. #3
    Avatar von Godewind
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    AW: Mein Vater sieht nicht ein, dass er Hilfe braucht

    Zitat Zitat von Nocturna Beitrag anzeigen
    Wenn du deinen Vater nicht überreden kannst, bleibt nur die Salamitaktik, scheibchenweise Richtung Ziel. Wenn er zuhause allein ist, dann bekommt er doch in Pflegestufe 1 zweimal am Tag Besuch vom Pflegedienst? Möglicherweise kann er sich auf diese Weise langsam mit der Idee anfreunden, dass er eben nicht mehr alles allein kann.

    Je nach weiterer Notwendigkeit würde ich eventuell einen Hausnotruf in Erwägung ziehen. Putzen und waschen dürfte auch nicht mehr möglich sein, dann müsste man auch noch eine Zugehfrau in Auge fassen, die das übernimmt. Und natürlich braucht er auch noch ein Essen, also muss man da auch nach einer Lösung suchen.

    Entweder dein Vater kommt mit diesen Hilfen dann allein zurecht oder wenn nicht wächst vielleicht die Einsicht, dass er zuhause mit eigenen Kräften/Mitteln eben nicht mehr alles auf die Reihe bekommt. Möglicherweise ist er dann einer 24 Stunden-Pflegekraft nicht mehr abgeneigt oder kann sich mit dem Gedanken ans Seniorenheim anfreunden.
    Hallo Nocturna,
    vielen Dank für Deine Antwort.
    Ja, die Salamitaktik wenden wir zur Zeit an. Immer mal ein Anstupsen.
    Eine Putzfee gibt es. Die gab es schon, als meine Mutter noch lebte.
    Essen auf Rädern bestellte er kurz nach dem Tod meiner Mutter einfach ab. Hat sich dann liebe Dosensuppe oder sonstiges zubereitet. Gerne auch mal 20 Minuten in die Mikro gestellt, was zur Folge hatte, dass es nicht mehr essbar war.
    Den Hausnotruf hatte er ebenfalls abbestellt. Wir konnten ihn auch nicht mehr überzeugen, dass dieser Dienst zu seinem Besten ist.

    Was mir am meisten Sorge bereitet ist, dass sich das Bad im ersten Stock seines Hauses befindet. Alles andere wäre im EG zu bewältigen. Es steht sogar ein Bett dort.

    Je öfter ich Deinen Text lese, desto mehr komme ich an den Punkt, dass er es dann eben probieren muss, zu Hause zurechtzukommen. (falls wir ihn bis in einer Woche nicht überzeugen konnten). Aber es macht mir Bauchweh.

  4. #4
    Avatar von Nocturna
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    AW: Mein Vater sieht nicht ein, dass er Hilfe braucht

    Zitat Zitat von Godewind Beitrag anzeigen
    Ja, die Salamitaktik wenden wir zur Zeit an. Immer mal ein Anstupsen.
    Eine Putzfee gibt es. Die gab es schon, als meine Mutter noch lebte.
    Essen auf Rädern bestellte er kurz nach dem Tod meiner Mutter einfach ab. Hat sich dann liebe Dosensuppe oder sonstiges zubereitet. Gerne auch mal 20 Minuten in die Mikro gestellt, was zur Folge hatte, dass es nicht mehr essbar war.
    Den Hausnotruf hatte er ebenfalls abbestellt. Wir konnten ihn auch nicht mehr überzeugen, dass dieser Dienst zu seinem Besten ist.
    Seufz, ältere Menschen werden oft mit der Zeit immer uneinsichtiger und starrsinniger in ihren Ansichten. Also es war alles schon mal prima geregelt und dein Vater hat es rückgängig gemacht?

    Es hilft aber alles nichts. Solange er noch einigermaßen geistig beieinander ist und mit etwas Hilfe kreuchen und fleuchen kann, wirst du ihn nicht überreden können. Und um jemand gegen seinen Willen ins Pflegeheim stecken, muss er schon in deutlich schlechterer Verfassung sein.

    Mein Schwiegervater hat sich ebenfalls gegen ein Heim gewehrt, sogar gegen den häuslichen Pflegedienst und er konnte eine Weile seinen Willen durchsetzen bis nichts mehr ging (allein essen, gehen, Toilettengang, waschen) und er direkt nach einem Krankenhausaufenthalt in die Pflegeeinrichtung kam. Ich wünsche dir sehr, dass du deinen Vater von der Notwendigkeit der Hilfeleistungen überzeugen kannst, bzw. er selbst einsieht, dass er Hilfe nötig hat.
    Kinder sind das Einzige, was in einem modernen Haushalt noch mit der Hand gewaschen werden muss.

  5. #5
    Avatar von Schnuffelwuff
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    AW: Mein Vater sieht nicht ein, dass er Hilfe braucht

    Ich arbeite in der Pflege. An dieser Stelle möchte ich jetzt aber gar nicht über meinen Job, den ich sehr gerne mache sprechen.
    Stell Dir, liebe Godewind vor, Du kämst ins Krankenhaus, danach in die Reha, Kurzzeitpflege oder so.
    Deine Angehörigen legen Dir nun nah, gar nicht mehr in Dein zuhause zurück zu kehren, sondern einfach da zu bleiben wo Du gerade bist...
    Der Abschied von einem selbständig geführten Leben ist immens schwer. Jemand in diesem Alter weiß, das wird mein letzter Umzug sein.

    Alte Menschen sehen oft auf viele Dinge zurück, die nur noch in ihrer Erinnerung existieren.
    Sein Zuhause ist doch z.B. der Ort, in dem er mit seiner Frau gelebt hat. Vielleicht auch der Ort, an dem die Kinder aufwuchsen?
    Man gibt das nicht einfach auf. Ich verstehe das.

    Verlangt bitte nicht nur Vernunft. Unterstützung braucht Dein Papa. Es ist ein Weg, den Ihr zusammen gehen könnt.
    Habt Ihr ein gutes Verhältnis?

  6. #6
    Avatar von Godewind
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    AW: Mein Vater sieht nicht ein, dass er Hilfe braucht

    Guten Morgen Schnuffelwuff,
    ja, all diese Gedanken gingen mir ja auch durch den Kopf.
    Mein erster Gedanke war ja auch, eine 24 Stunden Pflegekraft zu besorgen.

    Er ist aber körperlich soo schwach geworden (er war wegen einer beginnenden Lungenentzündung, Bluthochdruck im Krankenhaus), dass es mir wie erwähnt, starkes Bauchweh macht, wenn er unbedingt hoch in den ersten Stock laufen will. Er ist und war schon immer etwas stur.

    Woran erkennt man eigentlich seriöse Vermittler für diese Vollzeitkräfte?

  7. #7
    Avatar von Schnuffelwuff
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    AW: Mein Vater sieht nicht ein, dass er Hilfe braucht

    Fangt doch wirklich erstmal mit einem ambulanten Pflegedienst an.
    Dein Vater wird so plötzlich vermutlich keine fremde Person in seinem Haus akzeptieren.

    Ich nehme an, daß es zumindest eine Gästetoilette im Erdgeschoss gibt?
    Dann würde es doch reichen, 1 bis 2 mal täglich mit Hilfe einer Pflegeperson in den 1. Stock zum Waschen zu laufen.

    Ja, Körperpflege ist wichtig.
    Genauso wichtig oder wichtiger ist das Seelenheil.

    Ich habe einen 101 jährigen gepflegt, der noch alleine wohnte. Der alte Herr hat immer davon gesprochen, bald wieder alleine zurecht kommen zu wollen...
    Er brauchte diese unrealistische Phantasie..., hat sich aber gerne pflegen lassen.

    Ich berate Dich gerne, wenn Du magst.

  8. #8

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    AW: Mein Vater sieht nicht ein, dass er Hilfe braucht

    bei uns gibt es tageszentren für senioren, man sitzt, liest, spielt, sitzturnt dort auf wunsch, kann auch aus zwei mahlzeiten aussuchen, und bei bedarf hilfe beim baden oder duschen haben. wahlweise ist ein paar stunden, oder ganztags aufenthalt möglich. wenn nötig, werden die menschen vom fahrtendienst abgeholt und gebracht.
    lg
    legrain

  9. #9
    Avatar von Lachattenoire
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    AW: Mein Vater sieht nicht ein, dass er Hilfe braucht

    meine mutter war 88 , als sie innerhalb einer woche nach dem ersten schlaganfall zu hause, verstarb. geistig fit wie eh und je (lexika waren ihre lieblingsbücher) weigerte sie sich vehement ins krankenhaus zu gehen. der hinzugezogene arzt (hatte früher mit ihr zusammen gerarbeitet) meinte, lassen sie sie, wenn wir sie auf die trage bringen wollen, springt sie ihnen runter. wir hatten volle rückendeckung vom arzt. wir sahen zweimal täglich nach ihr, einmal pro tag eine nachbarin. sie wollte es so.

    bis zu diesem schlaganfall war sie auch körperlich super fit. die sauberkeit in den letzten jahren...auweia. körperhygiene war o.k. aber alles andere entsetzlich. hilfe lehnte sie rigoros ab. sie sah es einfach nicht mehr. klar, dadurch empfand sie es auch komplett anders als wir.
    wir, hauptsächlich ich, meine geschwister taten sich da schwerer, haben versucht uns in sie hineinzuversetzen.
    sie war zeit ihres leben wahnsinnig selbstständig. extrem. sie half allen, aber nahm selber nie hilfe in anspruch. jetzt sollte sie zusehen, wie andere etwas an ihrer wohnung machten? das konnte sie nicht ertragen. ich konnte damit am besten umgehen, denn ich kann es nicht leiden, wenn andere (außer meiner eigenen familie) in meiner küche rumwuseln. hilfe beim fensterputzen gefällt mir, aber alles andere? nein, solange es geht, will ich das selber machen. und wenn nicht mehr? werde ich es vermutlich auch nicht einsehen wollen.

    liebe godewind, sieh es wie schnuffelwuff schrieb. lass ihn, auch mit 90 will man noch seine eigenen erfahrungen machen, auch seine fehler. es ist hart für dich.
    erinner dich, wie oft deine eltern dich machen ließen, obwohl sie angst um dich hatten.

    ich wünsche dir viel geduld und kraft.
    lachattenoire

  10. #10
    Avatar von Godewind
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    AW: Mein Vater sieht nicht ein, dass er Hilfe braucht

    Zitat Zitat von Schnuffelwuff Beitrag anzeigen
    Ich berate Dich gerne, wenn Du magst.
    Danke Dir. Das ist lieb von Dir.
    Geändert von Godewind (02.12.2012 um 16:00 Uhr)

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