Liebe Schwestern,
manchmal geht alles ganz schnell:
Hiermit eröffne ich die Schwesternschaft der Ungenierten.
Und damit es hier nicht so leer ist, statt einer Eröffnungsrede der Bericht von meinem ersten ungenierten Schwimmbadbesuch seit vielen Jahren:
Heute früh ging es ganz einfach. Aufstehen, Schwimmsachen in den Rucksack werfen, rauf aufs Rad, und ein paar Minuten später war ich an der Kasse des Schwimmbads. Ich weiß auch nicht, wie ich drauf kam, nach vielen Jahren wieder mit dem Schwimmen anzufangen. Möglicherweise haben beim Treppensteigen meine Knie etwas lauter geknarzt als sonst.
Eine freundliche Person an der Kasse, ganz jung noch, Auszubildende vielleicht, weist mir den Weg: Karte an die Sperre, durch, "duich" sagt sie, Treppe hoch, Umkleide, Treppe wieder runter, schwimmen. So.
Oben an den Umkleiden dann ein Männchen auf dem Schild. Noch eins, und noch eins. Und die Frauen? Ein echtes Mannsbild sitzt auf dem Bänkchen unterm Haartrockner und bindet sich die Schuhe. "Immer weiter. Da ist Wasser am Ende des Tunnels." So früh am Morgen und schon der zweite freundliche Berliner.
Die Schwimmhalle hat sich seit 1993 - da muss mein letzter Besuch in diesem Schwimmbad gewesen sein, danach bin ich in einen anderen Stadtteil gezogen - auf den ersten Blick nicht verändert. Die Langnese-Schirme vor dem Imbiss sind rot und nicht wie ganz früher blau-weiß-gestreift, die in einer Ecke gestapelten Schwimmhilfen tragen jetzt Farbe und nicht mehr chlorgebleichtes Plastikschaumblau. Aber sonst? Alles noch wie einst.
Im Schwimmerbecken sind alle Bahnen belegt, aber der Verkehr fließt. Krauler kriegen die Vorfahrt eingeräumt, um Rückenschwimmer wird ein sanfter Bogen gemacht. Von oben das regelmäßige Auftauchen bebrillter Köpfe mit Kappen. Wirkt schon alles schwer sportlich.
An den Haken hängen Beutel und Rucksäcke wie Stammgäste am Tresen, drunter stehen die Badelatschen. Meine habe ich vergessen, jetzt fällt es mir auf. Morgen dran denken.
Und dann rein ins Wasser. Angenehme Temperatur. Riecht auch nicht schlecht, nur ganz dezent nach Chlor. Kopf unter Wasser, nichts brennt in den Augen, schon mal gut. Und beim nächsten Mal trage ich dann auch eine Kappe, weil die Haare beim Auftauchen die Sicht verdecken.
Ich zähle die Bahnen. Sind es jetzt schon dreizehn oder doch erst elf? Noch zwei schaffe ich locker. Und noch zwei. Mit offenen Augen unter Wasser. Die andern Schwimmer gleiten so elegant. Für heute reicht es.
Wieder vorbei an den Langnese-Schirmen mit ihren traurigen Globalisierungskringeln, damit man die Marke überall wiederfindet. Im Sprudelbecken davor eine Männerrunde beim Plausch. Die Duschen: leer. Keine Haare auf den Fliesen. Angenehm warm.
Der Haartrockner läuft mit 5-Cent-Stücken. Hab ich keines. Noch einmal trockenrubbeln und dann die Mütze auf für die 1200 Meter nach Hause. Der Spiegel zeigt eine leicht verheult aussehende Frau, die trotzdem lacht. Schön.
Wieder die Karte an die Sperre halten und "duich". Draußen riecht es nach Bäckerei und Herbstlaub. Die Pappeln haben einen Blätterteppich ausgebreitet. Morgen komme ich wieder.
(Das war schon gestern. Ich habe es mehr aus Verlegenheit denn aus Überzeugung bei "Fit und Sportlich" geschrieben, weil ich sonst nicht wusste, wohin damit. Hier finde ich es viel besser aufgehoben.)
Und nun kann die Party steigen!













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sofa, nein, lieber gleich einige.
Ich wusste gar nicht, wie ich da vorbeischwimmen sollte, drunter wegtauchen hätte man vielleicht etwas "anmaßend"? gefunden. Nach ein paar Monaten hab ich es wieder sein gelassen.


