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  1. #1
    Dobby_lieb
    gelöscht

    Frage ADS oder was anderes?

    Mein Neffe ist ein drolliges Kerlchen.
    Inzwischen ist er knapp 7 Jahre alt und ich sehe ihn regelmäßig.

    Nun hat meine Schwester bei ihm den Eindruck, dass er ADS hat, allerdings ohne hyper (eher hypo).
    In der Schule kommt er offenbar nicht mit, weil er irgendwann abschaltet. Und da kommt dann schnell der Stempel "ADS".

    Bei einem Kinderpsychiater wurde eine Diagnose (nur IQ-Test) gemacht, aufgrund dessen dann gesagt wurde: "Der Sohn hat ADS".
    Sonst würde nichts überprüft, getestet.
    Nun nimmt er seit 1 Jahr diese Methylphenidat-Tabletten (von denen ich erstmal nicht viel halte), in der Hoffnung, dass er sich besser konzentrieren kann in der Schule.

    Ehrlich gesagt:
    Für mich ist das die totale Fehldiagnose.
    Wenn ich da bin, dann kann er 2-3 Stunde (ohne Pause!) mit mir Hausaufgaben machen, Spiele spielen, Lieder singen und vieles mehr. Ich erlebe weder Konzentrationsschwäche noch Ermüdung noch Fahrrigkeit oder Träumerei.
    Müssten das nicht alles Symptome sein, die auch privat wiederzufinden sind?

    Wenn ihr den Jungen so sehen würdet, ihr kämt im Leben nicht auf die Idee, dass der ADS hat.

    Vielleicht ist auch die Schule schlecht? Zu laut? Zu wenig Pausen? Zu viele Störungen, Reize? Überforderte Lehrer?

    Und nicht jedes Kind, was Konzentrationsschwäche hat (wobei: wie ist das überhaupt definiert??) und still und etwas schüchtern ist, hat ADS. Es könnte doch auch eher eine leichte Depression sein, weil er immer so traurig guckt ab und zu, die dann Konzentrationsprobleme mit sich zieht.

    Ich bin gerade ratlos!!!

  2. #2
    EinStern
    gelöscht

    AW: ADS oder was anderes?

    Ja hast Recht, mit der Diagnose ist man heutzutags gern schnell dabei, verdienen einige sehr schnell leicht verdientes Geld. Über die Schäden macht man sich heute lieber gar keine Gedanken, weder Ärzte die sehr gut dran verdienen, weder unfähige Lehrer an den Schulen die dazu auch den nötigen Druck bei den Eltern machen und Eltern, die mit dieser Medikamentierung glauben nötige Erziehungsmassnahmen nicht mehr tun zu müssen, ist so alles soooo praktisch.

    *grünanlauf*

  3. #3
    Avatar von putzwunder
    Registriert seit
    22.02.2007
    Beiträge
    2.422

    AW: ADS oder was anderes?

    Ja, mit dem Ritalin sind die schnell dabei - mein Neffe sollte das jahrelang einnehmen, bis sie bei einem Kuraufenthalt herausgefunden haben, das er gar kein ADS hat
    Es bedarf schon vernünftiger Tests und verantwortungsvoller Ärzte, um da etwas herauszufinden.
    Gerne sind sie jetzt auch dabei, Erwachsenen ADS (ADHS) anzuhängen
    ****************************************

  4. #4

    Registriert seit
    06.05.2003
    Beiträge
    207

    AW: ADS oder was anderes?

    Dobby_lieb, meiner Erfahrung nach kann ein ADS-Kind sehr wohl stundenlang in einer 1 : 1 Konstellation aufmerksam sein und sehr wohl gute Lernergebnisse erzielen.

    Aber in der großen Klasse, da sieht die Sache schon ganz anders aus... Jedes Kichern, jedes Räuspern eines Mitschülers, das Gluckern der Heizung, der Vogel vorm Fenster - all' diese Dinge haben die gleiche Wertigkeit wie die Worte, die vorn der Lehrer spricht.

    Wenn Dein Neffe wirklich ADS hat, dann sollte die Diagnose wirklich fundiert sein, dann spricht auch nichts gegen eine MPH-Gabe.

    Ich möchte hier nicht unser Familienleben komplett offenbaren, aber es ist eine Gratwanderung mit einem ADS-Kind.

    Puh, bei unserem Sohn ist ADS sehr spät festgestellt worden, gerade, weil wir als Adoptiveltern keine Vergleichsmöglichkeiten mit verwandten Kindern hatten. Gesträubt und gesperrt haben wir uns zuerst gegen die Diagnose.... 2. Meinung eingeholt... Erst, als dem Jungen die Medikamente nicht mehr vorenthalten wurden, ging es in der Schule besser - nicht gut!!

    Seit gut 1,5 Jahren bekommt Herr Junior keine Medis mehr. Wir haben ihn mit einem Hauptschulabschluss von der Schule genommen, als sein Praktikumsmeister ihn unbedingt!!! als Azubi haben wollte.

    Warten wir es ab, noch ist der Knabe mit Feuereifer bei der Sache.

    Bitte verteufelt die MPH-Gabe nicht vollends. Sie ist nur nichts für "Fehldiagnosen", für die anderen ist es ein "Informationsfilter".

    LG
    willmitspielen
    Leben und leben lassen

  5. #5

    Registriert seit
    02.08.2008
    Beiträge
    9

    AW: ADS oder was anderes?

    Hallo Dobby_lieb,
    mein Neffe hat auch nach jüngsten Kinderarzt-Aussagen ADS,
    er ist 5 Jahre alt und käme nächtes Jahr in die Schule, meine Schwester u. meine Mutter machen ein Drama daraus - aber
    mir geht es genauso wie dir:

    ich bin eine ganz andere Mutter als meine Schwester,
    gehe gern auf Kinder ein, und dann stelle ich fest, - so wie du auch - mein Neffe ist völlig normal !!!! Er läßt sich brav in den KIGA bringen, ich bleibe nur 1 x in der Gasse stehen, weil er einen MÜllwagen beobachten möchte (ist doch normal), und dann gehen wir seelenruhig ohne Theater seinerseits weiter in den Kindergarten. Munter erzählt er mir von seiner Gruppe und er wirkt nicht abwesend, nicht unabgegrenzt - alle diese Beobachtungen macht nur meine Schwester, die aber ihrerseits fast immer von ihrem Sohn genervt wirkt (wenn Dritte dabei sind, sonst weiss ich es natürlich nicht- wie auch?) - - also viel zu viel an ihm herumnörgelt, ständig schreit sie ihn an (dadurch hört er auch nimmer hin und wirkt UNkonzentriert..)

    Mich schreckt nur die Vorstellung, dass mein kleiner Neffe nun auch Medikament bekommt, wenn er kerngesund ist !!!

    Es ist ja jüngst so, dass Kindergartenkinder genau unter die Lupe genommen werden, ob sie auch schulreif sind.

    Aber um zu DEINEM Neffen zurückzukehren: kannst DU ihn nicht irgendwo ein 2. Mal testen lassen oder die Eltern dazu ermutigen? Es wäre ja schlimm, wenn die Symptome durch diese Fehl-Diagnose noch ärger werden würden......

    Und noch ein letztes, - mein Neffe erscheint mir auch von jeher ziemlich schnell entmutigt, depressiv zu sein und das habe ich immer 1. einer gewissen Veranlagung (seitens meiner Mutter, also seiner OMA) und 2. dieser strengen Erziehung, die meine Schwester da praktiziert zugeschrieben.

    Im Volksmund könnte man auch sagen, "Er hat nicht viel zu lachen bei einer solchen Familie".

    Übrigens: meine Schwester verhindert den Kontakt zu mir als Tante, obwohl ich den Kleinen, da ich derzeit in Karenz bin, öfters abholen könnte usw., wir wohnen nebenan - also auch dieser Spaß ist dem Kind verwehrt......Ob einfach berufstätige Mütter den anderen die Zeit mit ihren Kindern nicht gönnen oder meine Schwester ein Spezialfall ist, kann ich nicht sagen.

    Aber die familiäre Situation spielt immer ein wichtige Rolle für die Entwicklung eines Kindes.

    lg
    GD

  6. #6
    VIP Avatar von xanidae
    Registriert seit
    23.02.2001
    Beiträge
    8.011

    AW: ADS oder was anderes?

    es gibt schon intelligenztests, wo man anhand der untertests ein defizit in der aufmerksamkeit feststellen kann. es werden u. a. merkfähigkeit, arbeitsgeschwindigkeit und arbeitsgedächtnis überprüft. diese fähigkeiten helfen mit, die eigene intelligenz besser anzuwenden. sind kinder in diesen bereichen auffällig, schneiden aber im weiteren test durchschnittlich ab, kann von einem defizit im bereich der aufmerksamkeit gesprochen werden.

    allerdings wird das in der regel mit speziellen tests überprüft (diese dauern nur wenige minuten und werden meistens gemacht, wenn der arzt mit den eltern spricht).

    normalerweise sollte den eltern zu dem medikament ein angebot im bereich verhaltensmodifikation für eltern und kind gemacht werden. dies müssen die eltern aber nicht annehmen.


    allerdings ist es auch so, dass kinder im allgemeinen und besonders kinder mit einer form von aufmerksamkeitsdefizit, - wie willmitspielen schon schrieb - äußerst konzentriert und wach bleiben können.
    ein weiterer punkt der für ads spricht, ist eine art überkonzentration, der 'autofokus'. die kinder versinken derart in eine aufgabe, aber auch in eine träumerei, dass sie nicht mehr ansprechbar sind und dann nicht mitbekommen, was sie ins hausaufgabenheft schreiben sollen.

    man spricht bei kindern und jugendlichen von konzentrationsphasen, die sich ausdehnen, je ältern man wird.
    zwischen den konzentrationsphasen gibt es unruhephasen diese sind deutlich kürzer als die konzentrationsphasen, nach diesen unruhephasen sollte das kind von alleine wieder in die konzentrationsphase finden.


    ein weiteres problem ist, klar zwischen einem angeborenen ads und einem erlernten ads zu unterscheiden.
    bei ersteren ist ein medikament meistens notwendig. bei den anderen nicht unbedingt.
    allerdings kann das medikament es erleichtern in eine verhaltenstherapie einzusteigen oder die situation erstmal zu verbessern und zu entspannen.

    auch diverse freizeitangebote können das kind in seinem ringen, um mehr konzentration unterstützen. sport (tischtennis eignet sich gut) und musik (singen im chor).

    auch sind die adsler manchmal nicht so die theoretiker, aber super praktiker oder haben einen tollen sozialen umgang.
    und wenn sie sich für etwas interessieren, dann können sie sich in einem umfang den hintern aufreissen, da bleibt einem der mund offen stehen.
    Kopf hoch, wenn der Hals auch dreckig ist.

    Verfasser (mir) unbekannt

  7. #7
    Dobby_lieb
    gelöscht

    AW: ADS oder was anderes?

    danke für die weiteren Antworten.

    Der Junge ist vollkommen unauffällig, die "Probleme" soll es nur in der Schule geben. Außerdem gab es keine Auffälligkeiten vor der Schule.

    Für mich ein Zeichen: Da stimmt was nicht in der Schule, dort funktioniert er eben nicht so, wie er soll.

    Ich weiß inzwischen, dass es hundert Gründe geben kann, warum ein Kind nicht aufmerksam sein kann in der Schule.

    Von:
    - AVWS
    - Depression
    - Konzentrationsdauer (ca. 20 Minuten) ist eben erschöpft
    - Wahrnehmungsstörungen (Muskeltonus etc.)
    - fachliche Überforderung.

    Ich will die Diagnose nicht komplett anzweifeln, aber für mich ist die Begründung (weil... dann) zu platt.

    Und dieses Ritalin ist kein Placebo oder Kindergartenprodukt (harmlos), sondern kann eine Einstiegsdroge darstellen, die immer weiter erhöht werden muss, damit sie später überhaupt noch wirkt.........

  8. #8

    Registriert seit
    18.07.2007
    Beiträge
    11

    AW: ADS oder was anderes?

    Hallo Dobby_lieb,
    bei meinem mittleren Sohn ist im März diesen Jahres Ads diagnostiziert worden, auch uns wurden Medikamente empfohlen( nicht Ritalin sondern Stattera).

    Aber was ich viel wichtiger fand ist das uns die Ärztin zu einer Verhaltenstherapie geraten hat, diese machen wir jetzt einmal wöchentlich seit Mai.
    Die Verhaltenstherapeutin hat beim ersten Termin ein langes Gespräch mit mir geführt welche Probleme bestehen.

    Auch bei uns ist es so, das die meisten Probleme in der Schule auftreten, soll heissen das er durch eine zu kurze Konzentrationsphase nicht schafft die erwarteten Anforderungen zu meistern.
    Seit dem wir aber diese Verhaltentherapie machen sind seine Probleme deutlich weniger geworden, klar ist es manchmal schwer die Hinweise der Therapeutin umzusetzen aber ich habe viel gelernt warum und weshalb mein Kind so und nicht anders reagiert und wie ich dieses trotzdem ändern kann.

    So lange wie es weiter bergauf mit ihm geht werde ich auf Medikamente verzichten, doch sollte irgentwann der Punkt kommen an dem ich merke das es wieder nach unten geht werde ich ihm nicht diese Unterstützung verwehren. Klar ist das nicht einfach solch eine Entscheidung zutreffen, aber wenn du an Diabetes leiden würdest dann würdest du doch auch Medikamente nehmen die dir helfen.

    Und wie du schon gehört hast sollte man die Medikamentengabe auch nach einiger Zeit kontrollieren, denn die Möglichkeit besteht auch das man später wieder ohne Medis auskommt.

    Und wenn er wirklich unter Ads leidet ist es besser es zu behandeln als nicht denn gerade nicht behandelte Adsler rutschen später schnell in eine Suchkarriere.

    Kleiner Tipp lies dich mal durch http://www.adhs-anderswelt.de/
    dort kannst du viele Antworten auf deine Fragen finden.

    Lieben Gruss vom rebellchen

  9. #9
    Dobby_lieb
    gelöscht

    AW: ADS oder was anderes?

    Vielen Dank für den Link.

    Es ist nicht so, dass ich diese Medikamente total ablehne. Manche Menschen brauchen sie unbedingt. Aber eben nicht alle.
    Der Hinweis mit der VT ist wichtig, denn das ist m.E. eher der richtige Ansatz, auch für die Eltern: Wie können wir mit der Situation besser umgehen.

    Im Übrigen hat er noch 4 kleine Geschwister, die Wohnverhältnisse sind sehr beengt, so kommt er auch kaum zur Ruhe, von ruhigem H.A.machen ganz zu schweigen. Ich finde, da sollte auch mal drüber nachgedacht werden.

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