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  1. #1
    Lemon_Meringue
    gelöscht

    Nehmen Eltern zuviel Rücksicht auf ihre Kinder?

    Mich interessiert eure Meinung zu einem Thema, daß in meinem Umfeld (Familie, Freundeskreis) immer mal wieder auftaucht, nämlich dem "Vorwurf", heutige Eltern machten zuviel Aufhebens um ihre Kinder bzw. nähmen zuviel (falsche?) Rücksicht.
    Meist habe ich diese Diskussionen mit meinen kinderlosen Freundinnen gleichen Alters und mit der Generation heutiger Großeltern.
    Es geht um Situationen, in denen Eltern sich in ihrer Tagesplanung z.B. oder bei der zeitlichen Koordination von Einladungen nach ihren Babies und Kleinkindern richten. Wenn beispielsweise jemand später bei einer Einladung aufschlägt, weil das Kind noch Mittagsschlaf gehalten hat. Oder aus dem gleichen Grund früher ein Familienbrunch verlässt. Oder sich ein Paar "aufteilt", weil einer abends zu Hause bleibt beim Kind (Stichwort Schlafenszeiten) und die Eltern das Kind nicht zu der Einladung mitnehmen.
    Mehr als einmal habe ich schon Kräche in Familien erlebt, weil es nicht allgemein akzeptiert wurde, den Tagesrhythmus eines Kindes in die Plaung von Einladungen, Feiern etc. einzubeziehen. das gleiche Spiel kenne ich bei Erkrankung, da kann es sein, daß Eltern kritisiert werden, weil sie einen Termin (geplant mit Kind) absagen, weil sie dem kranken Kind lieber Erholung gönnen wollen, als es auf Teufel komm heraus mitzuschleifen. Und dann mit den Konsequenzen eines übermüdeten Kindes leben müßen.

    Wie man sicher unschwer erkennt, finde ich die Rücksicht auf die Routine bzw. in anderen Fällen auf den Gesundheitszustand eines Kleinkindes richtig. Auch im Hinblick auf den eigenen Stresslevel als Elternteil.

    Als Gegenargument höre ich oft, daß man in den 60er, 70er jahren Kinder grundsätzlich einfach mitgenomomen habe und viele Großeltern, die ich so erlebe, können die "Erziehungsmethoden" ihrer Kinder nicht verstehen.
    Auch meine Freundinnen ohne Kinder runzeln oft die Stirne und meine auch "Wir waren doch einfach immer dabei, heben dann eben irgendwo auf dem Sofa geschlafen und wurden dann von den Eltern aus dem Auto ins Bett getragen"
    Stimmt, aber ich bin mir nicht sicher, ob das nicht auch mangelnde Rücksicht auf kindliche Bedürfnisse war?

    Was meint ihr? Zuviel Theater um die lieben Kleinen oder gerechtfertigte Rücksichtnahme?

  2. #2
    Avatar von Wolkentier
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    AW: Nehmen Eltern zuviel Rücksicht auf ihre Kinder?

    Ich würde sagen, es gibt sicherlich beides - die Waage hier immer ausgeglichen zu halten, ist wahnsinnig schwer.
    Hier eine Diskussion um richtig und falsch zu führen und einen allgemeingültigen Weg aufzeigen zu wollen, scheint mir ziemlich müßig.
    Und es kommt letztendlich auch immer auf das Kind selber an:
    Es gibt sie tatsächlich, die "pflegeleichten", immer mitnehmbaren, die auch auf fremden Sofas problemlos schlafen und tiefschlafend mit nach Haus ins eigene Bett verfrachtet werden können.
    Ja.
    Sind aber nicht alle so.
    .
    .

    Kopf hoch - sieht einfach besser aus!

  3. #3
    Moderation Avatar von yvi68
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    6.453

    AW: Nehmen Eltern zuviel Rücksicht auf ihre Kinder?

    ... und ganz früher wurden Kinder auch geschlagen, wenn sie nicht spurten ... Nicht alles war früher besser und richtiger. Als mein Kind klein war, wollte ich dennoch Freunde treffen und einige Dinge wie bewohnt weitermachen. Aber ich wollte eben auch meinem Kind gerecht werden. Und im Zweifel bin ich dann eben mal früher gegangen. So what. Es sind ja nur ein paar Jahre. Ich empfand das auch nie als Opfer. Wäre mir zu stressig gewesen, ein übermüdetes Kind auf einer Party zu halten oder ähnliches. Komische Kommentare von kinderlosen Paaren brachten mich von jeher zum Schmunzeln

  4. #4
    Avatar von GuteLaune
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    4.840

    AW: Nehmen Eltern zuviel Rücksicht auf ihre Kinder?

    Es ist sicher richtig, dass man früher nicht so viel Aufhebens um Kinder gemacht hat.
    Aber aus meiner eigenen Kindheit (60er Jahre) ist mir auch nicht in Erinnerung, dass meine Eltern so viel "aushäußig" unterwegs waren wie ich es mit meinen Kindern (90er Jahre) war.
    Der Freundeskreis meiner Eltern war sehr überschaubar. Es gab da eigentlich nur vier Ehepaare, die sie regelmäßig sahen. Zwei davon bei gelegentlichen Abendeinladungen. Die fanden ohne Kinder statt. Möglich war das, weil es überall Omas und Opas gab, die mit im Haus lebten. (Haben viele junge FAmilien heute ja nicht mehr). Wenn die Einladungen bei uns stattfanden, wurde nur insofern auf meine Bedürfnisse Rücksicht genommen, dass ich noch die Gäste mit begrüßen durfte - und dann ohne Wenn und Aber ins Bett geschickt wurde. Zumindest meine Neugier war damit befriedigt.
    Eins dieser Ehepaare traf man bevorzugt im Schwimmbad, wo wir im Sommer die meiste Freizeit verbrachten. Die Familien hatten dort ihre Stammplätze, die Kinder spielten zusammen, wenn ein Elternteil ins "große Becken" zum Schwimmen ging und mal für eine halbe Stunde abwesend war, schauten halt die anderen Eltern mal mit auf die anderen Kinder. Mittagessen gab es aus der Kühltasche - für jede Familie getrennt. Die mit kleineren Kindern gingen mittags auch mal nachhause für den Mittagsschlaf.
    Das vierte Paar sahen wir - samt deren Sohn - immer beim Wandern. Totlangweilig fand ich das damals. Allerdings hat mich keiner groß danach gefragt.

    Heute spielt sich Familienleben viel stärker außer Haus und mit viel mehr Kontakt zu anderen ab. Außerdem bleiben die jungen MÜtter nicht mit der gleichen Selbstverständlichkeit oft der Kinder wegen zuhause, wie es die Generation meiner Mütter noch getan hat. Da ist es nur natürlich, dass eben auch die Kinder mehr mit in die Freizeitgestaltung einbezogen werden - und man das Programm eben oft mal der Kinder wegen ändern muss.

    Meine Meinung: Es ist richtig, auf die Bedürfnisse von Kindern Rücksicht zu nehmen. Allerdings gibt es durchaus Fälle, wo schon im Vorfeld absehbar ist, dass das schwierig wird - und wo ich dann eben lieber gar nicht oder ohne Kind hingehe, um Stress zu vermeiden. So hat z.B. die Hochzeit eines guten Freundes ohne unsere Tochter stattgefunden - obwohl das Brautpaar sie gerne dabei gehabt hätte. Aber meine Tochter war damals knapp neun Monate alt und hatte an diesem Wochenende Fieber und Brechdurchfall. Da haben wir doch lieber eine Oma eingeflogen - das war für beide Seiten stressfreier.

  5. #5

    Registriert seit
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    910

    AW: Nehmen Eltern zuviel Rücksicht auf ihre Kinder?

    aus meiner Sicht eindeutig ja,

    ich habe meine Tochter vor 28 Jahren mit 19 bekommen, stamme aus den neuen Bundesländern.

    Damals war es normal Kinder zu bekommen und sie liefen sozusagen "mit". Bei Besuchen wurde es halt dann ins Familienbett gelegt und schlief, es waren ja eher Ausnahmesituationen.

    Aus meiner Sicht ist es heute eben nicht mehr normal Kinder zu bekommen, aus meiner Sicht passiert dies heute oft sehr spät.


    lg phyllis

  6. #6
    Avatar von Melin
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    1.190

    AW: Nehmen Eltern zuviel Rücksicht auf ihre Kinder?

    Regelmäßiger und ausreichender Schlaf ist für ein Kleinkind unverzichtbar. Und ein krankes Kind braucht Ruhe und Zuwendung.
    Ich würde mich auf keine Diskussionen einlassen. Mag Opa Gert sich aufregen, dass er seinen Sonntagsbraten mal erst um 13:17 aufgetischt bekommt und nicht mit dem Kirchturmschlag ...
    Erwachsene können Rücksicht nehmen. Kinder können aber nicht aus Höflichkeit ihren Schlaf an Termine anpassen, sie sind dann durch den Wind, brauchen lange, um wieder in einen ausgeglichenen Rhythmus zu kommen.
    Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit

  7. #7
    Moderation Avatar von marilyn-74
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    8.615

    AW: Nehmen Eltern zuviel Rücksicht auf ihre Kinder?

    Dann müssten sich diese Menschen aber auch mal fragen, ob sie im Gegenzug bereit sind, spielende, lärmende, quengelnde und übermüdete Kinder zu ertragen. Dazu sind meines Erachtens heute auch immer weniger Leute bereit. Das wäre aber die Kehrseite davon, wenn man die Kinder überall mit hin nimmt. Zumal das, wie man hier ja auch zuhauf lesen kann, auch zu Unmut führt. Dann wird einem vorgeworfen, man wäre eine Gluckenmutter und könne sich nicht von seinem Kind trennen und muss sie dann unbedingt auf "Erwachsenenveranstaltungen" mitschleppen. Wie man es als Eltern macht, macht man es falsch.
    Wohl hett mi dat Lewen all min Lengen still,
    Hett mi all dat geven, wat min Hart erfüllt;
    All dat is verswunnen, wat mi drück un dreev,
    Hev dat Glück woll funnen, doch dat Heimweh bleev.


    Moderatorin in Über Treue und Lügen in der Liebe, Der "gebrauchte" Mann, Musik - Von Klassik bis Pop & Filme aus TV und Kino

  8. #8

    Registriert seit
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    2.207

    AW: Nehmen Eltern zuviel Rücksicht auf ihre Kinder?

    Erst mal glaube ich, dass die Erinnerungen trügerisch sind. Häufig verschwimmen im Rückblick die Jahre und es wird angenommen, dass viele Dinge schon mit Kleinkindern gingen, die tatsächlich erst später stattfanden. (Wer sich zum Beispiel selbst erinnern kann, wie es damals lief, als er noch ein Kind war, war wohl mindestens 4 Jahre alt. Da gehen andere Dinge als mit einem 1.5 - 2jährigen).

    ("Schlafen wie ein Baby" ist in meinen Augen eh ein Hohn. Richtig fest sehe ich immer nur ältere Kinder schlafen. Tief genug zum Beispiel für einen Transport aus dem Autositz ins Bett.)

    Meine Schwiegermutter zum Beispiel erinnert sich daran, dass sie das mit dem Schlafen immer gut auf die Reihe bekommen haben. Nun hat sie aber ihre alten Tagebücher ausgegraben und siehe da: genau wie unser Sohn verbrachte auch mein Mann im Alter von 2 Jahren die meisten Nächte recht unruhig im Elternbett...

    Dann kommt es mE sehr darauf an, was für ein Baby/Kind man hat. Unser Sohn schläft nirgends wirklich gut ein - auch schon als ganz kleines Kind nicht - sofern nicht Mama oder Papa "direkt am Mann" sind.
    Mit dem Argument "egal, wo er nicht schläft" haben wir ihn deshalb tagsüber und abends stets mitgenommen ohne Rücksicht auf feste Zeiten. Wenn er müde genug war, schlief in der Trage. Später dann auch mal im Kinderwagen.

    Mit dem Kind von Freunden ging das nicht. Die brauchte ihr eigenes Bett, liess sonst den dringend benötigten Schlaf ausfallen und die ganze Familie hatte nichts mehr vom Tag.

    Ich verstehe allerdings auch den Ärger der anderen. Wenn man zum Beispiel mit mehreren bekinderten Freunden etwas abmachen möchte und Luise schläft immer von 11-13 h und Gustav von 12-15 h und Leon muss um Punkt 12:30 h etwas zu essen bekommen und zwar am Tisch....
    Da frage ich mich auch manchmal, ob man den Kindern nicht etwas mehr zumuten/zutrauen könnte.

    Letztlich kennen die Eltern sich und ihr Kind am Besten und dürfen über ihre Zeitplanung entscheiden.
    Als Gastgeber entscheide ich aber über meine. Wer es zum Beispiel nicht zum Essen schafft, muss sich selbst versorgen. Wer nicht rechtzeitig beim Treffpunkt ist, muss uns ggf. hinterhertelefonieren. Wenn wir uns um 16 h im Café treffen, kann es sein, dass wer um 17:15 h erst kommt, uns in den Park hinterherstiefeln und auf den Kaffee verzichten muss. So vermeide ich Frust bei den "Wartenden".

    Das klappt bei uns im Freundes- und Familienkreis recht gut.

  9. #9
    Moderation Avatar von annapaulemax
    Registriert seit
    25.06.2007
    Beiträge
    3.724

    AW: Nehmen Eltern zuviel Rücksicht auf ihre Kinder?

    Ganz ehrlich - für mich war das Richten nach dem Rhythmus meines Kindes keine Rücksicht auf das Kind - das war pure Selbstverteidigung.

    Mein Kind hatte (und hat immer noch...) die ganz blöde Eigenart dass es umso früher aufwacht, umso später man es ins Bett legt. Heisst konkret: wenn es erst um 20.00 Uhr ins Bett kam, wachte es statt um 6.00 um 5.00 auf, die Nacht danach wegen Schlafmangel um 4.30, danach um 4.15, ect.

    Solange diese netten Leute, die so gerne mal "mit Euch allen Abendessen wollen - du kannst doch einmal eine Ausnahme machen!" nicht bereit sind, um die Uhrzeit aufzustehen und das Kind zu übernehmen, bin ich nicht bereit, die Ausnahme zu machen...

    Gerade erst wieder gehabt - kurz vor Weihnachten ein Familienessen, zu dem ich mit den spitzen Worten "Ich habe den Tisch um sechs bestellt, da könnt ja sogar ihr kommen!" eingeladen wurde. Ende vom Lied: das Essen kam spät, mein Kind fing vor Müdigkeit an zu weinen, schlief dann ein und fiel vom Stuhl. Da wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs waren ("dann können wir alle zusammen fahren, ist doch viel schöner!"), ich das aus einer Platzwunde blutende Kind aber nicht wach bekam und auch nicht mehr tragen konnte, musste ich mit einem schweineteuren Taxi nach Hause, das Kind die Treppe hoch hieven und hatte am nächsten Tag ein Kind welches um 4.00 aufwachte und total durch den Wind in die Schule musste... Das ist es mir im Normalfall einfach nicht wert.

    (Es ist immer das Gleiche: ich werde immer als leicht bescheuert angesehen, der Satz:" - und wenn du das Kind einfach noch später ins Bett tust...?" kommt IMMER - bis diejenigen irgendwann mal mit uns übernachten und im Morgengrauen von kleinen Füsschen geweckt werden. Dann kommt auch jedesmal das Gleiche: "Das Kind wacht ja WIRKLICH so früh auf...!" Ja, nee, klar.)


    Viele Grüsse

    annapaulemax
    The aim of life is to live, and to live means to be aware, joyously, drunkenly, serenely, divinely aware (Henry Miller)

    ▬|████|▬
    Geändert von annapaulemax (20.01.2013 um 10:37 Uhr)

  10. #10
    Avatar von elli07
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    AW: Nehmen Eltern zuviel Rücksicht auf ihre Kinder?

    Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte.

    Es gibt Eltern, die meinen, ihre Kleinstkinder überallhin mitschleppen zu müssen und erwarten, dass alle sich nach den Kindern richten bzw. dann Quengeleien und Geschrei ertragen, wenn das Kind überfordert ist durch einen hohen Lärmpegel, schlechte Luft oder was_auch_immer.

    Als meine Tochter noch klein war, habe ich auf den einen oder anderen Termin verzichtet bzw. wir haben uns aufgeteilt, also ist nur ein Elternteil hingegangen. Das war für alle Beteiligten stressfrei: für uns Eltern, das Kind und die anderen Gäste.

    Das Grundproblem sehe ich eher bei Eltern, die meinen, alles "mitnehmen" zu müssen und letztendlich den Kindern Situationen zumuten, denen diese nicht gewachsen sind. Und andere haben gefälligst darauf Rücksicht zu nehmen .

    Das Thema müsste meiner Meinung nach sogar eher heissen "Nehmen Eltern zuwenig Rücksicht auf Kinder". Manche Eltern sollten sich mal selber zurücknehmen. Grade im Interesse der Kinder.

    Aber es gibt immer sodde und sodde. Pauschalurteile und -aussagen sind nicht hilfreich.

    Gruß, Elli
    Auf der höchsten Stufe der Freundschaft offenbaren wir dem Freunde nicht unsere Fehler, sondern die seinen (F. de La Rouchefoucauld, 1613-1680)

    Fürchte dich nicht vor einem großen Schritt. Mit zwei kleinen lässt sich keine Schlucht überwinden (David Lloyd George)

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