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  1. #11
    Moderation Avatar von izzie
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    AW: Tochter auf Internat anmelden?

    Eine Mitschülerin meiner Tochter ist hochbegabt, ebenfalls sozial sehr gut integriert und auch mitunter gelangweilt vom "normalen" Unterricht. Seit einem halben Jahr lernt sie Chinesich und ihre Mutter sagt, dass sie seitdem viel ausgeglichener ist.

    Und Internate haben neben dem schulischen Angebot auch noch so ihr Innenleben, in das man als Eltern nur schwer und auch erst mit der Zeit Einblick gewinnt. Da gibt es hierarchische Strukturen innerhalb der Schüler, da schlackert man mit den Ohren.

    Mein Sohn war die letzten 3 Jahre in einem Internat und ist seit diesem Schuljahr wieder daheim (Näheres gerne per PN).
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  2. #12
    Moderation Avatar von lunete
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    AW: Tochter auf Internat anmelden?

    Hallo,

    mein Mann war auf einem Internat. Auch zur Begabtenförderung, ab der 9. Klasse bis zum Abi. Eine der württembergischen Seminarschulen (humanistische Ausrichtung).

    Es war in mancherlei Hinsicht das beste, was ihm passieren konnte. (Er hat sich auch aus eigenem Antrieb für die Bewerbungstests gemeldet.)

    Die Pros:

    - Distanz zum sehr problematischen Vater (das scheint bei euch aber nicht nötig zu sein)

    - Umgang mit Gleichbegabten und Gleichgesinnten

    - ein riesiges Plus in Sachen soziale Kompetenz (natürlich gibt es da unterschiedliche Modelle, in seinem Fall war es so, dass er mit seinen Mitschülern in WG-artigen Zusammenschlüssen gelebt hat, wo ein großes Maß an Eigenverwaltung und somit Kompromissfähigkeit gefordert war)

    - große Toleranz und ein respektvoller Umgang mit Menschen

    - frühe Selbstständigkeit, sowohl bezüglich einer emotionalen Festigung als auch was die praktischen Dinge des Lebens angeht, zudem Eigenverantwortung

    - eine frühe Festigung der eigenen Persönlichkeit - er ist bzw. war früher viel reifer als andere Jungs in seinem Alter

    - Freundschaften fürs Leben - zumindest bestehen sie jetzt, 10 jahre nach dem Abi, noch und ein breites Netz an Beziehungen - die hierarchischen Strukturen, die Izzy ansprach, waren nur in Rudimenten vorhanden, Spannungsabbau zwischen den Gruppen wurde in ritualiserten Kissenschlachten betrieben, Initiationsrituale o.Ä. gab es, allerdings waren diese nicht erniedrigend oder gefährlich

    - ein reicher Schatz an Erinnerungen - von den Erlebnissen im Internat erzählt er immer noch gern

    - eine sehr gute Schulausbildung, die in ihrer Breite weit über das
    Standardabi hinausgeht; in seinem Fall standen besonders kulturelle und kreative Aspekte im Vordergrund

    Die Contras:

    - es wurde viel experimentiert, Regeln waren da, um gebrochen zu werden: heimliche nächtliche Eskapaden, Sex, Alkohol, Zigaretten, ('weiche') Drogen; mir ist aber kein Fall (also kein Ex-Schüler) bekannt, der abgestürzt wäre - wahrscheinlich ist das aber bei Schülern, die nicht aus Internat gehen genau so

    - das Essen war schlecht

    - es besteht an der Schule ein hoher Leistungsdruck: jeder Schüler erhielt ein Vollstipendium solange er einen bestimmten Notendurchschnitt hielt

    - schwächere Schüler haben das Pensum nicht geschafft und sind durch das Raster gefallen, sprich abgegangen

    - Hermann Hesse hat es dort z.B. auch gar nicht gefallen

    An dieser Schule werden allerdings keine 'High Potentials' gezüchtet, sondern es geht um eine umfassende humanistische Bildung. Altgriechisch und klassisches Hebräisch sind keine großen Karrierebooster
    Die Klientel war entsprechend bildungsbürgerlich: viele Lehrer-, Ärzte- und Pfarrerskinder, die Klavier und Violine spielen, sich für Schach und Astronomie interessieren.
    Naja, nicht nur.

    Unter den Klassenkameraden meines Mannes sind heute Ärzte, Theologinnen, Geisteswissenschaftler, Lehrer, Informatiker aber auch Handwerker wie Schlosser und Zimmerleute. Komischerweise (oder bezeichnenderweise) niemand mit einem "soliden" Bürojob wie Bank- oder Bürokaufmann.

    Aber alle haben ihren Weg gefunden.

    Für das potentielle Internat deiner Tochter kann ich nicht sprechen, aber ich profitiere hier jeden Tag von den Früchten, die das Internat meines Mannes in ihm getragen hat.
    Unsere Kinder würden wir, wenn sie wollten, auch dorthin schicken.

    (uh, wie kitschig! es ist spät, ein anderer Modus funktioniert bei mir grad net)


    Lunete

    PS: Die Schule von der ich hier rede, ist in Trägerschaft der evangelischen Kirche. Daher ist sie wahrscheinlich weniger anfällig für diei Moden der Leistungsgesellschaft und kann sich diese Unabhängigkeit auch leisten. Die Jahrgänge dort sind ziemlich klein, die Betreuung der Schüler ist intensiv und persönlich. Bei vielen anderen Schulen wird das wahrscheinlich nicht so sein.
    Geändert von lunete (18.10.2010 um 01:17 Uhr)

  3. #13
    Avatar von Sammy96
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    486

    AW: Tochter auf Internat anmelden?

    Guten Morgen!

    Also, ich möchte mal folgendes dazusenfen:
    unser Gym hat seit 5 Jahren einen Hochbegabtenzweig: jedes Schuljahr gibt es eine extra Klasse für Hochbegabte, die im Gegensatz zu den anderen a) Ganztagsschule haben b) kollektiv die 9. Klasse überspringen c) in den ersten 3 Schuljahren insgesamt 4 oder 5 Sprachen lernen etc pp. Die Grundschulfreundin meiner Tochter ist in so einer HB Klasse. Sie berichtete schon mehrfach, dass im Laufe der Zeit (sie ist jetzt in der 9. Kl) schon die Hälfte der Klasse abgesprungen und in eine normale Klasse gewechselt ist, weil sie den Druck nicht mehr ausgehalten haben. Dabei durchlaufen die HB-Klassen Anwärter einen intensiven Bewerbungsmarathon mit psychologischen Tests, Probeunterricht, etc. Sie sieben aus rund 250 Bewerbern jedes Schuljahr aus bis auf etwa 20, die dann in die Klasse kommen. Auch die Freundin würde lieber heute als morgen in eine normale Klasse, aber die Eltern lassen sie nicht. Auch ist die HB Klasse sehr unbeliebt bei den Parallelklassen, da sie wohl ein ziemlich unsoziales Verhalten an den Tag legen und die anderen als blöd hinstellen. Dabei bemüht sich die Schule, genau das zu verhindern und die HB Klassen zu integrieren.
    Ich würde an Eurer Stelle auch eher versuchen, Eure Tochter anders zu fördern, vor allem noch, weil es sich um ein Internat handelt. Vielleicht wäre einfach ein Wechsel auf ein anderes Gym, verbunden mit einem Klassensprung, eine bessere Lösung.

    VG
    Sammy
    "Ich trag´ Glück im Blick"
    Krümel (*5/10) Männlein (*11/97) und Mausi (*7/96)



    Meine Binomette ist Synjutt

  4. #14
    eosa
    gelöscht

    AW: Tochter auf Internat anmelden?

    Zitat Zitat von Weshalb Beitrag anzeigen
    Er ist in seiner Kindheit sehr "getrimmt" worden, musste eine Klasse überspringen, etc., ich denke, er will ihr das eher ersparen.

    Keine einfache Sache ohne das Internat und Deine Tochter zu kennen.
    Ich bin auch kein Freund dieses Hochbegabtengetues, das mal vorneweg, aber mir scheint, dass ihr aufpassen müsst, die Sache nicht auf eine Machtprobe ausarten zu lassen.
    Denn wie Du siehst, der Vater scheint jahrzehntelang danach noch darunter zu leiden, dass er bei einer Entscheidung, bei der es letztenendes um ihn ging, offenbar nonchalant übergangen worden ist.
    Sich bei der Tochter jetzt in die andere Richtung stur zu stellen und gar mit Verboten anzukommen bringt ihm für sich wohl nichts mehr und der Tochter schon gar nicht.
    Sonst kommt sie dann in 20 Jahren....

    Was genau wird in diesem Internat geboten was sie persönlich so wichtig findet?
    Kann sie das nicht woanders bekommen?
    Kennt sie Leute dort?
    Ist sie bereit, auszuziehen?

    Ich würde mit ihr zum Tag der offenen Tür gehen und mich mit ihr informieren.
    Sollte es ihr zusagen, und sie immer noch unbedingt dort und sonst nirgendwohin wollen, würde ich sie nicht aufhalten.
    Sollte sie nach einiger Zeit nicht mehr wollen, würde ich eine andere Lösung suchen aber dann wäre es ihre eigene Entscheidung gewesen.

    Als Alternative würde ich gemeinsam mit ihr versuchen sonst etwas zu finden, das andere in ihrem Alter ev noch nicht machen und sie dahingehend unterstützen.
    Dann hätte sie eine Auswahl.

    Eosa, selbst als Kind von der Mutter getriezt.

  5. #15
    gesperrt
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    9.196

    AW: Tochter auf Internat anmelden?

    also ich würde mich da auch am Tag der offenen Tür gut informieren und uns (mir, Mann und Tochter) einen umfassenden Eindruck verschaffen ... soweit möglich.

    Und ich würde mine Tochter das wirklich auch selbst entscheiden lassen ..
    ist schließlich ihr Leben ... ihre Schulzeit

    ich würde mich also schon eher sehr nach ihren Wünschen richten.


    und selbst wenn es ein Fehler ist, eine Erfahrung im Leben ist es allemal...


    selbstverständlich kann das Kind aber doch auch jederzeit wieder vom Internat abgehen und zurück in die alte Schule und zu den alten Freunden, wenn es ihr nicht gut tut.


    aber, die Tochter muß es doch nicht wie der Vater erleben ...
    evtl .ist sie ja eher " wie die Großeltern gestrickt" .. die ja seinerzeit wohl weniger ein Problem mit elitärere Erziehung und den Leistungsgedanken samt Leistungsdruck hatten ...

    das Kind kann da ganz anders empfinden als ihr Vater ..


    sie sollte es selbst beurteilen und sich nach ihren eigene Kriterien ausrichten können.


    Also ich würde sie aufs Internat gehen lassen, wenn das ihr großer Wunsch ist ...
    ich hätte sonst wohl wirklich das Gefühl, ich würde sie sich nicht fei entfalten lassen und ihr Möglichkeiten und Chancen im Leben verbauen, die sie ja offensichtlich hat ...

    ich seh es wohl im großen udn ganzen auch wie Eosa und meine Vorschreiber ..


    muß aber eingestehen, als meine 6jährige jetzt gerade die Möglichkeit hatte ein Studium an der Ballettakademie aufzunehmen, hab ich das Ganze aus organisatorischen Gründen zeitlich erstmal nach hinten verschoben und erstmal normal eingeschult und Kind vertröstet ...
    meine Kind ist aber eben auch noch viel, viel jünger ... ein schlechtes Gewissen plagt mich seither trotzdem.


    Gruß, B.
    Geändert von Blondine (18.10.2010 um 18:04 Uhr)

  6. #16
    LunaLimette
    gelöscht

    AW: Tochter auf Internat anmelden?

    Ich war auf einem Internat (allerdings nicht sehr lange) und ich fand das klasse.
    Das war eine ganz normale Schule, nix für Hochbegabte, aber was das Soziale angeht, lernt man eine Menge von Gleichaltrigen, ich betone: außerhalb der Familie.

    Deine Tochter möchte dies selbst. Angucken würde ich es mir an eurer Stelle auf jeden Fall und versuchen, tief sitzende Vorurteile wegzuscheuchen (schwer, schwer, ich weiß).
    An jeder Schule gibt es Dinge, die einem als Elternteil nicht so gut gefallen, damit muss man immer irgendwie umgehen. Dass eure Tochter dort gleich für den Rest des ganzen Lebens verbogen wird, also diese Gefahr halte ich für völlig an den Haaren herbeigezogen.

  7. #17
    Avatar von Tabetha
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    AW: Tochter auf Internat anmelden?

    Ich denke, wenn mich das Internat in der heutigen und morgigen Gesellschaft durch besondere Förderung von anderen Bewerbern um Stellen abheben würde, wäre ich meinen Eltern später böse, wenn sie mir diese Möglichkeit verbaut hätten, obwohl sie sich mir so dargeboten hätte.
    Weiterhin würde ich den Beitrag etwas mehr anonymisieren, Du gibst meiner Meinung nach zu viele Daten preis.

  8. #18

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    AW: Tochter auf Internat anmelden?

    Meine Mama hat mit größtem Vergnügen zwei Klassen übersprungen.

    Ich denke, mit 15 ist die Tochter alt genug, um das selbst zu entscheiden.

    Zumal die Entscheidung, wenn es dort scheußlich sein sollte, ja auch rückgängig gemacht werden kann.

    Mir wäre es viel zu riskant, als Eltern mir einstens anzuhören: Ihr habt mich daran gehindert....

    Bis alle Tests vorüber sind, weiß das die Tochter dann mit Sicherheit einzuschätzen, ob sie wirklich dorthin will.

    Zumal sie bei den Tests ja auch schon die Kumpels kennenlernen wird, die sie dort begleiten könnten.

  9. #19
    Sonnenuhr
    gelöscht

    AW: Tochter auf Internat anmelden?

    Wenn Sie selber möchte, sollte Sie diese Chance nutzen dürfen. Meine Cousine besuchte im gleichen Alter eine Mathematikspezialschule in Ilmenau (ehem. DDR). Dort wurde sie sehr gefördert, studierte später Kybernetik, lernte ihren Mann kennen, machte den Doktortitel und bekam einen guten Job.
    Vielleicht kann der Vater noch überzeugt werden, ab einem gewissen Alter gehen die Kinder ja doch auch eigene Wege, früher oder später. Wenn es dann in so eine Richtung geht, sollte er ihr keine Steine in den Weg legen.

  10. #20
    Waldseepiratin
    gelöscht

    AW: Tochter auf Internat anmelden?

    Ich kann Dir auch aus eigener Erfahrung raten noch einmal intensiv mit dem Papa über Vor- und Nachteile zu sprechen. Besteht denn nicht vielleicht die Möglichkeit ein anderes Internat zu besuchen, wo die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft nicht ganz so stark ist (obwohl ich das persönlich nicht als Nachteil empfinde)?

    Ich selber war auf einem normalen Gymnasium und habe dort meine gesamte Schulzeit gelitten wie ein Hund, sowohl auf emotionaler wie auch auf intellektueller Ebene. Erst lange nach dem Abitur wurde mir erzählt, dass man wusste, dass ich dort nichts zu suchen hatte, es aber leider nicht die finanziellen Mittel gab mich besser zu fördern, meine Eltern waren auch einfach nicht so gut informiert.

    Ihr habt für Eure Tochter eine wahnsinns Chance quasi in den Schoß gelegt bekommen... Ihr solltet wirklich ganz genau darüber nachdenken was Ihr damit macht.

    Ich wünsch Euch ganz viel Glück dabei!

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