Vor einigen Wochen gab es bereits hier von Nina-Christin einen Beitrag unter dem gleichen Titel, den ich mit Interesse gelesen habe. Meine Geschichte ist sehr ähnlich, und ich stecke fast in der gleichen Situation…. Daher habe ich den Titel übernommen und hoffe darauf, von Euch ebenso hilfreiche Anregungen und Denkanstöße zu bekommen.
Vor rund 2,5 Jahren lernte ich (46) meinen heutigen „Schatz“ (54) kennen und lieben. Nach einem Jahr waren wir sicher, dass wir zusammengehören und auch zusammen leben wollen. Er gab seine langjährige Wohnung und seinen Wohnort auf und wir suchten uns in meinem Wohnort eine neue größere Wohnung. Wir waren verliebt und glücklich und genossen unser neues gemeinsames Leben. Auch mit meinem Sohn (13) versteht er sich prima und ist mittlerweile ein richtiger „Ersatzpapa“geworden, er selbst hat keine Kinder. An dieser Stelle würde ein kitschiger Hollywood-Film vermutlich enden: Happy End – Klappe – fertig! Leider nicht so bei uns…
Bereits bei unserem ersten Kennenlernen hatte mir mein Schatz erzählt, dass er „auf dem Papier“ noch verheiratet sei. Er lebte zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits seit mehr als einem Jahr von seiner Frau getrennt. Beide hatten sich im besten Einvernehmen und ohne Streitereien getrennt, und sie war immer noch eine gute Freundin für ihn. Wie drückte er sich damals aus: „Es gab einfach keinen Grund für uns, sofort zum Scheidungsanwalt zu laufen“. Mich störte das damals überhaupt nicht: Ich war selbst einmal verheiratet, und von der Trennung bis zum rechtsgültigen Scheidungsurteil hatte es – aus unterschiedlichen Gründen - auch mehrere Jahre gedauert. Manchmal ergibt es sich einfach so…
Die Beziehung zwischen uns entwickelte sich gut, und schon nach kurzer Zeit stellte er mich seiner Familie und seinen Freunden vor – und auch seiner Frau. Diese kam ganz offen und freundlich auf mich zu, wir verstanden uns sogar gut und hatten keinerlei Probleme, unbefangen miteinander umzugehen. Es war schnell selbstverständlich, dass wir alle zusammen – inzwischen auch sie mit einem neuen Partner an ihrer Seite – auf Familienfeste oder Parties im Freundeskreis eingeladen wurden.
Vor einem Jahr – wir wohnten seit ungefähr 8 Monaten zusammen – kam dann der erste Knacks in unserer Beziehung. Ich hatte herausbekommen, dass mein Schatz etwas vor mir verheimlichen wollte. Als Grund nannte er später, dass er Angst hatte, ich würde ihn auslachen, falls sein Vorhaben nicht geklappt hätte. Das hat mir einen ziemlichen Stich versetzt: Hatte er denn so wenig Vertrauen zu mir? Als ich dann auch noch erfuhr, dass er – statt mit mir – die Sache vorher mit seiner Frau besprochen hatte, war ich wütend und verletzt.
Dieser Vorfall war für mich der Auslöser, die Ehe der beiden mit anderen Augen zu betrachten. Was verband die beiden noch miteinander? Gab es da etwas, was ich nicht wußte? War sie vielleicht immer noch mehr als einfach nur eine „gute Freundin“? Und welchen Stellenwert hatte ich für ihn? War ich neben ihr nur „die zweite Wahl“? Meine Zweifel und meine Verunsicherung wuchsen…. und ich setzte mich gedanklich immer mehr mit diesem Thema auseinander.
Neben den emotionalen Aspekten entdeckte ich auch ganz rationelle Gründe, warum ich den Fortbestand seiner Ehe innerlich immer mehr ablehnte. Solange beim Gericht kein Scheidungsantrag eingeht, bleibt die Ehe vor dem Gesetzt – trotz Trennung – unverändert bestehen. Die Ehefrau behält alle Rechten und Pflichten, die neue Lebenspartnerin ist juristisch betrachtet nur eine unbeteiligte Dritte. Das birgt, sowohl für ihn als auch für mich, ganz schöne – auch finanzielle – Risiken!
Im Herbst letzten Jahres führten wir schließlich ein erstes Gespräch zu diesem Thema. Auf die Frage, warum er sich bisher noch nicht habe scheiden lassen, antwortete er, dass er eben ein loyaler Mensch sei und sich seiner Frau gegenüber immer noch verpflichtet fühle. Sie habe in einer schwierigen Lebensphase, als sich seine Familie und viele Freunde von ihm abgewendet hatten, bedingungslos zu ihm gehalten, und dafür sei er ihr noch heute dankbar. Er wolle sie nicht einfach im Stich lassen, und durch die Aufrechterhaltung der Ehe auch noch etwas zu ihrer Altersversorgung beitragen, nämlich in Form einer Witwenrente, wenn er mal nicht mehr da sei. Damit war es dann heraus: Er hatte eigentlich NIEMALS vor, sich scheiden zu lassen! Ich fiel aus allen Wolken, als er dies zum ersten Mal so offen aussprach. Fast zwei Jahre hatte er mich in dem Glauben gelassen, dass eine Scheidung sich einfach noch nicht ergeben habe, diese aber grundsätzlich natürlich nicht ausgeschlossen sei…. und dann das.
Es folgte eine schwierige Zeit für uns mit mehreren langen Gesprächen: teils mit eher sachlichen Argumenten, teils mit Tränen, Enttäuschung und verletzten Gefühlen. Irgendwann war es dann aber soweit: Er zeigte Einsicht für meine Argumente und erklärte sich bereit, sich doch scheiden zu lassen. Aber er bat noch um einen zeitlichen Aufschub: Ein runder Geburtstag seiner Frau und Weihnachten standen vor der Tür, daher wollte er das Thema Scheidung erst im neuen Jahr angehen. Ich war einverstanden und erleichtert, und unser Verhältnis normalisierte sich in den kommenden Wochen wieder.
Als ich ihn Ende Januar dann erstmals wieder auf das Thema ansprach, reagierte er relativ ungehalten: Schließlich habe er nicht zugesagt, gleich zu Beginn des Jahres die Scheidung zu regeln. Aber er versprach mir, bis zu unserem Urlaub im April die nötigen Schritte einzuleiten. Also wartete ich weiter stillschweigend ab, aber eine kleine innere Stimme sagte mir bereits, dass etwas nicht stimmte.
Der lang geplante und ersehnte Urlaub kam – aber nichts war in Sachen Scheidung passiert. Schon auf dem Hinflug grübelte ich, wie ich nun mit dieser Situation umgehen sollte. Hatte er es damals im Herbst gar nicht ehrlich gemeint und wollte mich nur hinhalten? Oder hatte er seine Meinung in der Zwischenzeit wieder geändert und lediglich „vergessen“, mich darüber zu informieren? Ich war niedergeschlagen und nachdenklich, was ihm natürlich nicht verborgen blieb. Am dritten Urlaubstag fragte er mich abends beim Essen, warum ich so bedrückt sei – und da brach alles unter Tränen aus mir heraus. Ich sagte ihm, wie enttäuscht ich sei, dass er sein Versprechen nicht gehalten habe. Wie sehr es mich verletzen würde, dass ihm seine Ehe anscheinend wichtiger sei als die Partnerschaft mit mir. Und dass ich mir nicht vorstellen könne, eine Zukunft mit ihm aufzubauen, wenn er weiterhin mit seiner Vergangenheit nicht abschließen könne.
Meine Worte trafen ihn, aber er zeigte weiterhin Unverständnis: Warum ich so auf die Scheidung drängen würde? Früher hätte es mich doch auch nicht gestört – warum sei auf einmal dieses „blöde Stück Papier“ für mich so wichtig? Es kam mir fast so vor, als hätte es unsere Gespräche im Herbst und sein Versprechen, sich doch scheiden zu lassen, niemals gegeben. Wir kamen zu keinem Ergebnis an diesem Abend und brachen das Gespräch einvernehmlich ab. Und wir vereinbarten, erst nach dem Urlaub zuhause wieder darüber zu sprechen. Es gelang uns in den nächsten Tagen tatsächlich, das Thema zu verdrängen und uns wieder anzunähern, und wir verlebten noch einige wunderschöne harmonische Tage. Denn wir lieben uns doch – und keiner will den anderen verlieren.
Doch nun sind wir seit zwei Wochen aus dem Urlaub zurück. Bisher hat noch keiner gewagt, das Thema Scheidung wieder anzusprechen: Wir haben wohl beide Angst, dass dies der Anfang vom Ende unserer Partnerschaft sein könnte. Einem Ende, das ja eigentlich keiner von uns will.
Wir bemühen uns um einen normalen und entspannten Alltag, aber das Thema schwebt natürlich wie ein Damoklesschwert über uns – und wir werden es nicht ewig verdrängen können. Meine Gedanken drehen sich ständig im Kreis, ich such nach einer für uns beide tragbaren Lösung…. aber ich finde sie nicht.
Ich würde mich über Eure Meinung und Eure Anregungen freuen – vielleicht hilft mir das, die ganze Sache noch einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und eine Entscheidung für mich zu treffen.
grusseline











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