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  1. #1
    Avatar von bienie
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    Rezidivierende Depression und Alltag

    Momentan befinde ich mich wieder in einer solchen Phase. Auslöser sind berufliche Probleme, verflochten mit Sorge um Eltern (habe dazu separat geschrieben).

    In guten Phasen laufe ich quasi auf Höchsttouren, aber in schlechteren (die wieder zunehmen), geht gar nix mehr. Mein Körper reagiert prompt und bremst mich aus mit sämtlichen Infektionen, Allergien etc.
    Angeblich habe ich einen starken Willen, aber es gibt in der Vergangenheit Punkte, die mich durchaus noch traumatisieren und hemmen. Ich möchte nach vorne schauen und nicht nach hinten.

    Meine Vorgesetzten bekommen das auch mit, denn ich mache mehr Leichtsinnsfehler als vorher und ich frage mich dann immer: Wie konnte das passieren? Es gibt immer wieder Momente im Büro, wo mir die Luft weg bleibt, kleine Ereignisse, Stress etc. - da funktioniere ich nur noch und manchmal vergesse ich sogar, was ich bearbeitet habe.
    Mit Hilfe des Arztes schleiche ich auch einen Teil der Medikamente aus (manchmal schon etwas hardcore, aber ich habe das Zeug auch so nicht wirklich vertragen). Ich bin auch in Therapie, aber ausgerechnet jetzt ist meine Therapeutin nicht da (dafür kann sie natürlich nichts).

    Ich komme nicht damit zurecht, dass ich mich immer wieder so schwach fühle. Es kostet viel Kraft, sich alles mögliche an zu trainieren, damit man sich selbst wieder befreien kann. Niemand sieht das, nur wer selbst betroffen ist, kann verstehen, was ich damit meine.

    Dass ich damit nicht alleine bin, das weiß ich. Aus diesem Grund möchte ich erfahren, wie andere Betroffene ihren Alltag und die Ängste meistern.

    Gruß
    Bienie
    Tanzen ist wie träumen - nur mit den Füßen
    22.06.06 "Bienie" , 04.04.11 "King" , 24.05.17 "Raica"

  2. #2

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    AW: Rezidivierende Depression und Alltag

    Liebe bienie,

    in Deiner Beschreibung finde ich mich selbst wieder. Ich hatte in den letzten 15 Jahren mehrere Hochleistungsphasen, auf die jeweils depressive Episoden folgten. Ich wußte bis zum letzten Jahr nichts über Depressionen und habe das für berechtigte Erschöpfung gehalten. Die Diagnose rezidivierende Depression habe ich erst letztes Jahr erhalten, als ich gar nicht mehr konnte. Als ich so fertig war, daß ich weder essen noch schlafen konnte, habe ich endlich die richtige Hilfe bekommen in einer Tagesklinik und einer Reha. Ich bin gesundheitlich inzwischen fast so weit, daß ich wieder arbeiten könnte. Mir ist aber auch klar geworden, daß ich bestimmte Verhaltensmuster habe, die mich wieder in krankmachende Umstände führen werden. Eben weil ich das, was Du da beschreibst, nicht durchhalten würde. Daher habe ich jetzt erst mal Unterstützung für eine Neuorientierung organisiert. Genau wie Du es beschreibst, kann ich aus gesundheitlichen Gründen auch im Job nicht mehr alles hinnehmen, wo ich früher davon ausging, dass das eben zum Job gehört und ich das wegzustecken hätte. Auf der letzten Stelle zum Beispiel fand ich den Chef sehr aggressiv und hatte dann jedesmal, wenn er mich angegriffen hat, einen Asthmaanfall bekommen. Ich funktioniere so nicht mehr und muss mir Umstände suchen, wo ich klar komme. Die Entscheidung hätte ich freiwillig nicht getroffen, weil ich sehr leistungsbereit, diszipliniert und leidensfähig bin.

    Betreffend Deine Medikation sollte immer der behandelnde Arzt der Ansprechpartner sein. Ich kann dazu nichts berichten, weil ich Antidepressiva nicht genommen habe.

    Wenn Du aber trotz Medis aber auf der Arbeit so kämpfst, ist der Job vielleicht einfach nix für Dich, vielleicht nur im Moment, vielleicht macht Dich aber auch der Job fertig. Hattest Du schon eine Reha? Da wärest Du erst mal aus der Situation draußen und findest Rat und konkrete Unterstützung.

    Ich kann mir vorstellen, wie hart Du gerade kämpfst. Ich wünsche Dir, dass es, egal wie, bald leichter wird für Dich und wünsche Dir alles Liebe und Gute!

  3. #3
    Avatar von bienie
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    AW: Rezidivierende Depression und Alltag

    Ich hatte bereits zwei "Zusammenbrüche", das letzte Mal mit Tagesklinik und Reha. Jobwechsel - das war die einzige Möglichkeit. Anfangs hat es auch gut funktioniert. Jetzt eben verändert sich gerade der Job und meine familiäre Situation, körperliche Gesundheit ist auch nicht prickelnd. Die Black Outs fangen wieder an, Atemprobleme etc. - mehr muss ich dazu sicher nicht schreiben.

    Ich kann Dir nur zuraten, Deinen Weg weiter zu gehen, mir ging es danach auf jeden Fall erst einmal wesentlich besser. Was für eine Unterstützung zur Neuorientierung hast Du Dir denn geholt? Das interessiert mich jetzt doch - ich hatte leider keine.

    Im Augenblick denke ich weiter über eine Stundenreduzierung nach, damit ich wieder Luft bekomme.
    Tanzen ist wie träumen - nur mit den Füßen
    22.06.06 "Bienie" , 04.04.11 "King" , 24.05.17 "Raica"

  4. #4

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    AW: Rezidivierende Depression und Alltag

    Hallo liebe bienie!

    Was für eine Unterstützung zur Neuorientierung hast Du Dir denn geholt? Das interessiert mich jetzt doch - ich hatte leider keine.
    Ich suche noch nach einem ambulanten Therapeuten und habe nicht gleich wieder das erste Jobangebot angenommen. Ich muss da definitiv erst mal mein Beuteschema ändern. Du hast alleine in den neuen Job gefunden, das ist doch stark! Blöd, dass Deine Therapeutin gerade nicht da ist wo so viel zusammen kommt bei Dir. Kannst Du das irgendwie überbrücken? Woanders Dein Herz ausschütten? Dich mit Gleichgesinnten austauschen?

    Alles Liebe und Gute
    neustart

  5. #5

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    AW: Rezidivierende Depression und Alltag

    Mein Tip wäre,den Perfektionsanspruch an sich selbst zu erkennen und zu reduzieren.
    Das Leben nicht leistungsorientiert zu leben sondern auf Freude und Schönes ausgerichtet.
    Sich Schwächen nicht ankreiden sondern erlauben und akzeptieren,dass wir keine Roboter sind.
    Ausreichend Ruhe und Rückzugsphasen und sich soviel wie möglich mit lieben Menschen umgeben.

    Das Leben ist kein Hürdenlauf sondern dazu da es zu geniessen.

  6. #6
    Avatar von bienie
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    AW: Rezidivierende Depression und Alltag

    @Neustart, ich habe gerade niemanden, deswegen schreibe ich hier, manchmal hilft auch das Schreiben.

    @GreenTree: Ich bin mit dem Thema der Leistungsorientierung aufgewachsen und gerade jetzt im Job werde ich danach ständig gemessen. Logischerweise habe ich Sorge dann um den Arbeitsplatz, wenn ich nicht funktioniere.
    Ruhephasen - wenn ich schlafe, aber Zeit für Freunde: Nein.
    Deswegen suche ich nach Unterstützung bzgl. meiner Eltern und ich habe jetzt Gleichstellung beantragt. Dann kann ich doch auch einmal Teilzeit arbeiten, wenn gar nichts mehr geht.
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  7. #7

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    AW: Rezidivierende Depression und Alltag

    Hallo zusammen,

    ich leide unter wiederkehrenden depressiven Episoden und suche ein Forum zum Erfahrungsaustausch.
    Bin ich hier richtig, und ist dieses Forum noch aktiv?
    Ich würde mich über Antwort freuen.

    Lieben Gruß
    belulah

  8. #8
    Moderation Avatar von katelbach
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    AW: Rezidivierende Depression und Alltag

    Hallo belulah,

    hier im Depressionsforum bist Du zumindest nicht falsch.
    Es gibt jedoch auch richtig aktive Foren, z.B. neben anderen das Forum der Deutschen Depressionshilfe, das auch von Fachleuten (einem Facharzt für psychotherapeutische Medizin und einer Sozialpädagogin) moderiert wird.

    Es kommt ein bisschen darauf an, was Du von einem Forum erwartest.

    Ein Tipp: Wenn Du hier diskutieren möchtest, empfiehlt es sich, zu Deiner Fragestellung einen eigenen Strang zu eröffnen. Sonst gehen die Beiträge leicht unter.

    Thank you for observing all safety precautions.

    (aus Dark Star von John Carpenter)


    Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
    sonst normale Userin

  9. #9

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    AW: Rezidivierende Depression und Alltag

    Zitat Zitat von bienie Beitrag anzeigen

    In guten Phasen laufe ich quasi auf Höchsttouren, aber in schlechteren (die wieder zunehmen), geht gar nix mehr.
    Hallo Bienie, ich finde mich in in deinen Schilderungen auch wieder. Wie du schreibst - Höchsttouren - Ja, ich denke auch, dass genau da das Problem ist. Wir treiben uns zu mehr Tempo an, mehr Schaffen, mehr Termine in einer Woche. Ich bin letztes Jahr durch einen Burnout ausgefallen, ich hatte Panikattacken und konnte nicht mehr arbeiten. Ich habe glücklicherweise schnell einen Therapeuten gefunden, der auch wirklich gut war.
    Verstanden habe ich mittlerweile wirklich viel, es ist ein erstaunlicher Prozess. Leider falle ich regelmäßig zurück, zweifle an mir selbst, obwohl ich weiß, dass der Weg der richtige ist. Ich spüre, dass es mir gut tut, mich mehr zurück zu nehmen, ich habe viele Freundschaften beendet bzw. reduziert, bei denen ich verstanden habe, dass sie mir eigentlich nicht gut taten.
    Das muss ich mir aber jeden Tag wieder vergegenwärtigen.. ich habe ja nunmal 30 Jahre mit den alten "Maßstäben" gelebt, das zu verändern, kostet Kraft und dauert...

  10. #10
    Avatar von bienie
    Registriert seit
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    2.689

    AW: Rezidivierende Depression und Alltag

    Ich hatte gerade gestern wieder einen Zusammenbruch, ohne dass ich ihn als solches erkannt hatte. Durch die Sorge um meinen demenzkranken Vater (und auch die Wut über sein Verhalten, das ihn jetzt wieder ins KH bringt), den Stress im Büro und meine resignierende Mutter, bin ich einfach von heute auf morgen in einen für mich neuen Zustand gefallen: Zähne klappern, heiß und kalt, Schwindelgefühle, Übelkeit, Bluthochdruck und Heulattacken. Da ich nebenbei noch ein AD abgesetzt hatte (alles unter ärztlicher Anleitung), wusste ich zwar, dass es nicht einfach wird, aber das war wirklich der Höhepunkt.
    Jetzt bin ich krank geschrieben diese Woche. Ich kann noch nicht einmal etwas für meinen Vater regeln. Sollte noch zu seinem Arzt etc. - geht nicht. Break.
    Nach einer "lasst-mich-alle-in-Ruhe" Spritze war ich einschließlich heute ziemlich lässig im Kopf. Es war mir alles egal.

    Mein Hausarzt meinte, ich hätte eine Belastungsstörung. Warum bekomme ich das jetzt wieder? Durch ziehen, keine weiteren Medikamente möchte ich mehr nehmen. Zeit für Sport haben, das wäre toll.
    Tanzen ist wie träumen - nur mit den Füßen
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