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  1. #1
    Avatar von jackie11
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    Wer schreibt mir nach Suedafrika?

    Hallo Ihr Lieben. Ich bin mit 35 vor 28 Jahren nach SA ausgewandert und lebe ein sehr interessantes, laendliches Leben. Meine Mitbuerger werde ich nicht ergruenden, selbst lebe ich noch 28 JAhre hier, was ich hoffe. Daher sehne ich mich manchmal nach Euch "alten Kameraden". Ich habe in Koeln Betriebswirtschaft studiert und das nuetzt mir hier gar nix. Ich bin als Deutsche auf einer Farm (als Vormann) mit 70 Sued-Sothos gelandet, da war kein Strom und kein Trinkwasser und die sprachen nur Sued-Sotho und etwas Afrikaans. Das habe ich inzwischen gelernt, Strom und WAsser habe ich auch, aber verstehe was die Menschen anbetriff immer noch nur Bahnhof. Mich begreifen die Guten sicher genausowenig, und daher haben wir oft viele sehr lustige Missverstandnisse. Jedoch: Lachen koennen wir gut zusammen! Irgendwelche Fragen zum Thema
    Single German woman im Busch?
    Mit viel nostalgischen Gruessen, jackie11

  2. #2
    gesperrt
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    AW: Wer schreibt mir nach Suedafrika?

    Fragen? Na klar: was hat dich da hingezogen, warum bist du geblieben?

  3. #3

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    AW: Wer schreibt mir nach Suedafrika?

    wow, ich bin baff! Erst einmal Hut ab, dass Du Dir diesen Schritt zugetraut hast. Würde mich auch interessieren, was Dich dahin verschlagen hat und wie Du mit dem Leben dort umgehst. Und als Single, ist das nicht schwer, gerade als Frau? Ist Deine Umgebung denn muslimisch geprägt, oder christlich? Es gibt ungefähr 1000 Fragen zu stellen. Lädst Du ein Foto hoch?

    Viele Grüße aus Frankfurt!

    Babsella

  4. #4
    Uli_F-2009
    gelöscht

    AW: Wer schreibt mir nach Suedafrika?

    Hi Jackie,
    ich habe mal eine Reise mit dem Shongololo-Express durch Südafrika gemacht. Welche Ecke ungefähr steckst Du? Vielleicht kann ich mir dann in etwa ein Bild machen ...
    28 Jahre, das war dann also 1983, als Du nach Südafrika gegangen bist .... Dann hast Du ja das ganze Spektrum der jüngsten bewegten Südafrikanischen Geschichte mitgemacht. Ein Freund von mir war 1988 für 2 Jahre unten. Wir haben uns geschrieben, ich vom Mauerfall und er von der Freilassung Nelson Mandelas. Damals noch per Luftpost, da gab es kein Internet. Heute kaum mehr vorstellbar.

    Das ist jetzt schön, daß man sich an den Rechner setzen kann und ticker,ticker, schnell mal schreiben.

    Viele Grüße mitten aus Deutschland (auch Raum Frankfurt) und mal schauen, welche Fragen auftauchen.

  5. #5
    Avatar von jackie11
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    AW: Wer schreibt mir nach Suedafrika?

    Wow! Gleich drei die sich fuer mein Leben hier interessieren! Danke! Blila, ich bin hierhergekommen, weil meine Schwester hier verheiratet war, zu Besuch also. Und dann passierte es wie bei Caesar:
    Ich kam, sah, und siegte zwar nicht, aber liebte! Das Land. Den Lebensstil. Die zu erwartenden Abenteuer, das Klima. Wenn man bedenkt, dass das gefaehrlichste Tier in Deutschland das Kaninchen ist, ist schon viel erklaert. Ich war ledig und konnte aus meinen beruflichen Verpflichtungen in Deutschland entkommen und hier bin ich noch immer und habe auch vor zu bleiben. Ich bin sehr froh, die hochinteressanten Zeiten hier mitzuerleben. Man erfaehrt jedes Gefuehl von Glueck ueber Zufriedenheit und Freude zu Panik und existenziellen Sorgen auf taeglicher Basis.
    Ja, viel ist geschehen, die Mauer ist gefallen wie Apartheid, und Vater Neslon Mandela ist von allen geliebt und geachtet. Leider ist er jetzt sehr alt und schon etwas gebrechlich und man erwartet hier viel neuen trouble, sollte er nicht mehr als Gewissen der Nation hier sein.
    Ich lebe weder in einem moslemischen noch wirklich christlichen Umfeld. Was keiner zugeben will aber die reine Wahrheit ist, dass die Mehrheit noch an ihre eigenen Ahnen glaubt und dieserartigen Gesetzen folgt. Jedes Haus hat einen kleinen Schrein fuer Opa/Oma etc. und viele Riten von denen nix in der Biibel und auch nicht im Koran steht, werden hier ziemlich oeffentlich durchgefuehrt. Viele davon haben mit Blut und Opfern zu tun......huhuhuuuuuuuu!!
    Uli F: ich bin auf einer abseits gelegenen Farm im Freistaat, die naechste Stadt ist Bloemfontein.
    Du weisst ja, dass ein Shongololo ein Tausendfuessler ist, oder?
    babsella: du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Als Frau ist man hier kaum ein Mensch. Das gilt fuer alle Kulturen, auch die Weissen. Ohne Mann bist du noch "unwichtiger". Ich habe mich durchgesetzt und meinen Mann gestanden und bin inzwischen bei manchen als "Mensch" anerkannt.
    Es war oft frustrierend, besonders da die Emanzipation bei uns in D damals ja schon abgehandelt war. Ein weisser Bauer hat am Anfang sehr sarkastisch gesagt: so, hier bist du also um Kuerbisse zu pflanzen. ALs ich ihm sagte, dass wir in Deutschland nur die Saat pflanzen kam kein weiterer Kommentar. Und solche interessante Erlebnisse habe ich nicht nur 1000 sondern 100 000 gehabt.
    Ich hoffe ich habe nicht zu lang fuer ein Forum geschrieben, aber wem das Herz voll ist....bei mir ist es ein Herz volller Lebensfreude und Faszitnation am "dark continent". (Weiss noch nicht wie man Bilder auflaedt).
    Lasst's Euch wohlergehen,
    jackie11

  6. #6
    Avatar von januar2011
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    AW: Wer schreibt mir nach Suedafrika?

    Hallo Jackie,
    wie interessant dein Leben in deinem Umfeld ist, kann ich mir gut vorstellen Ich war drei mal in Südafrika, war auch in Bloemfontein. Ich bin zwei mal mit einem Jugendchor als Betreuerin mitgefahren. Wir hatten natürlich auch oft Gegenbesuch von verschiedenen Chören aus den verschiedensten Orten. Mit einem Ehepaar aus Pretoria waren und sind wir gut befreundet. Sie haben bei meinem 2. Besuch zu mir gesagt: du musst nicht immer alleine kommen, du must mit deinem Mann kommen. Das haben mein Mann und ich dann auch gemacht. Wir haben eine schöne Rundreise gemacht und waren immer zu Gast bei Familien, die auch schon mal bei uns waren.
    Wir haben auch ein Dorf der schwarzen Ureinwohner besucht. Dort gab es eine besondere Hütte, wie du schreibst, für die verstorbene Oma oder Opa, eine Hütte für die Verstorbenen, die fern der Heimat gestorben waren, damit ihre Seele in das Heimatdorf zurückkommen konnte. Der Familienvater sagte uns, dass er sich freut, viele Töchter zu haben, denn jeder Schwiegersohn muss viel bezahlen, bevor er einMädchen heiraten darf. Ein Vater von vielen Töchtern kann dann reich werden.
    Straußenfarmen haben wir besucht, Goldminen und Diamantenminen. Die Märkte der Schwarzen sind hoch interessant. Ein Ehepaar erzählte uns, dass einige Weiße ausgewandert sind wegen der Schwarzen und sie sind zum größten Teil wieder zurückgekommen wegen der Schwarzen. Sie machen das Leben bunt und interessant.
    Ich werde gerne Berichte von dir hier lesen.
    Liebe Grüße

  7. #7
    Avatar von jackie11
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    cool AW: Wer schreibt mir nach Suedafrika?

    Hallo Januar 2011. Als ich dieses Forum begann habe ich erwartet, dass da viele Missverstaendnisse ueber meine Wahlheimat bestehen. Bis jetzt habt ihr aber alle recht gehabt.
    Das Leben mit den Schwarzen ist sehr bunt und interessant, besonders wenn man sich auf die kulturhistorischen Aspekte zuspitzt. Leider ist das Leben sehr modern geworden und die Kleidung ist global angepasst, Jeans und T-shirt. Ich wuenschte, die verschiedenen Staemme wuerden noch ihre eigene bestimmte Kleidung tragen, dann waere es noch viiiiiieeeeeel bunter. Manchmals, sehr selten, ziehen die Parlamentsmitglieder noch ihre Leopardenfelle an, andere bunte Tuecher mit passenden Kopfbedeckungen, einige sitzten da mit Ziegengallenblasen auf den Kopf gebunden.
    Meistens ist das aber fuer "Show" oder Touristenattraktionen. Es gibt so weit ich weiss keinen Grund, um dias hiesige Equivalent zum "Dirndl" nicht zu tragen. Man will scheinbar mit der Zeit gehen, ein cellphone und laptop rumtragen und konformieren - ich finde das schade und langweilig.
    Salang ka khotso (gehe in Frieden),
    jackie11

  8. #8
    Avatar von januar2011
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    AW: Wer schreibt mir nach Suedafrika?

    Es gibt in Südafrika einmal nachgebaute Dörfer nach altem Muster für Touristen. Es gibt aber auch hin und wieder noch ein richtiges Dorf der Ureinwohner. Wir haben beides besichtigt. In dem "echten" Dorf liefen rotznasige Kinder, Hühner und Hunde durch die Gegend. Die Frauen schnitten auf dem Feld neues Gras, um die Dächer ihrer Lehmhütten auszubessern. Mithilfe eines Dolmetschers haben wir mit dem "Chef" des ganzen Dorfes gesprochen. Eben dieser hat uns erklärt, dass viele Töchter ihn reich machen.
    Die Schwarzen sind von Natur aus fröhlich und musikalisch, wenn man sie denn in Ruhe leben lässt. Ein Weißer auf einer deutschen Farm in Frejheid (schreibt man glaube ich anders) meinte, dass das weiße Kind normal geht, das schwarze hüpft.
    Wir hatten Kontakt mit Schulen der Schwarzen. Unsere Kinder haben den schwarzen Kindern ein Lied beigebracht und die schwarzen Kinder haben unseren Kindern ein Lied beigebracht. Die Lieder der Schwarzen sind temperamentvoll und werden immer mit Bewegung vorgetragen.
    Stimmt alles, was ich geschrieben habe?
    Von meinen Reisen nach Südafrika kann ich viel erzählen. Aber du lebst dort schon 28 Jahre und kannst noch viel mehr erzählen.

  9. #9
    Avatar von januar2011
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    AW: Wer schreibt mir nach Suedafrika?

    Eigentlich sollst du ja berichten, nicht ich.
    Wovon lebst du in Südafrika? Bekommst du dort auch Rente, wenn du das Rentenalter erreicht hast? Das sind typisch deutsche Fragen.
    Hast du das Klima immer gut vertragen?
    Berichte mal von deinem Alltag!!

  10. #10
    Avatar von jackie11
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    AW: Wer schreibt mir nach Suedafrika?

    Ja Januar, du hast recht. Ungefaehr jeder groessere Stamm hat mindestens ein kulturelles Dorf, die Zulus, die Sothos, die Ndebeles etc. Das ist fuer mich auch hochinterressant, denn da sieht man, "wo" die Mitmenschen herkommen, warum sie manche Dinge tun und kann etwas von den Sitten kennenlernen. Jedoch, das Leben ist in bezug auf Dinge und Sitten unveraendert, hauptsaechlich auf den Farmen, wo die Arbeiter ein kleines eigenes Dorf" von 3 - 30 oder mehr Hausern haben. Viele, viele, viele Frauen werden dann noch brutal zusammengeschlagen und Familiengewalt ist leider auch fuer die Kinder eigentlich eine wochenendliche Norm. Das Herz blutet dir jeden Montag. Ich selbst bin sehr damit beschaeftigt. Ich habe 6 Jahre als Freiwilliger fuer ein AIDS Hospiz gearbeitet und Sachen erlebt und gesehen, die einem grosse Zweifel geben koennen.
    Es war so deprimierend, dass ich das Handtuch schmeissen musste. Jetzt kuemmere ich mich um die Schueler einer winzigen Farmschule, eine tapfere schwarze Lehrerin, die vom Department of Education bezahlt wird und 18 Kinder aller Altersklassen, alle Kinder von Farmern in der Umgebung. Ich bringe Orangen dorthin, sammle gebrauchte Kinderkleider und jetzt im eisigen Winter Wolldecken.
    Wovon und wie lebe ich? Ich war Betriebswirtin und hatte mehrere businesses. Eins war ein Trainingscenter fuer schwarze Frauen (Handarbeit), das von der Regierung finanziert wurde, dann hatte ich eine Kinderfarm wo Geburtstagsfeiern (Ponies, Kaninchen, Kuehe etc.) stattfanden und auch ganze Schulbusse sich ueber die staubige krumme Strasse hin durchwurschtelten. Ich hatte auch ein Kraueterzentrum und habe den Leuten gezeigt, wie man Cremes und Lotions daraus macht. Jetzt lebe ich als 'Vormann' auf einer grossen Farm mit 200 Rindern und 90 Blesboecken, die auf 500 ha bergiger Landschaft weiden. Ich koennte eine Pension bekommen (Staatspension) aber dann muesste ich meine Deutsche Staatsbuergerschaft aufgeben. So lebe ich von Zinsen von einem recht schoenen Investment.
    Ich wuerde mein Leben mit KEINEM tauschen, und habe meine Auswanderung nie bereut. Ich vermisse einen "Kaffeeklatsch" und die Waelder und eure gruene Landschaft. Sonst aber nix.
    Herzliche Gruesse fuer heute aus dem Busch,
    jackie11

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