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  1. #1
    VIP Avatar von Kappuziner
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    Fernmetastasen, oder "Die Illusion von der eigenen Unsterblichkeit"...

    ... oder so ähnlich lautete ein Zitat, das mich damals, vor 1,5 Jahren, als ich an Brustkrebs erkrankte, sehr beeindruckte. Damals dachte ich, ich hätte sie schon verloren, diese Illusion.
    Dann aber, nach dem üblichen "Martyrium" aus Amputation, Chemo, Bestrahlung folgten langsam wieder zukunftsbejahende Schritte. Das Tamoxifen nannte ich meine "Lebensversicherung", ich ließ meine Brust rekonstruieren und langsam, aber sicher, gewöhnte ich mich wieder an das Gefühl eines "Alltags". Die Haare wuchsen wieder, die Befindlichkeit wurde über immer längere Zeiträume "krebsfrei", die Krankheit nahm immer weniger Raum in meinem Leben ein. Ich wurde wieder "unsterblich".

    Bis ich vor einer Woche auf einer Fahrradtour regelrecht "umkippte" und im Krankenhaus festgestellt wurde, dass ich viel Wasser in der Lunge habe. Danach Heimreise und am Montag die erschreckende Gewissheit: der Krebs ist zurück, im Brustfell, in der Lunge. Am Dienstag entdeckte mein Onkologe noch zwei Metastasen in der Leber.

    Ich habe einen scheiß-starken Krebs erwischt und es sieht so aus, als würde er mich besiegen... "Sag so was nicht", würden jetzt die meisten meiner gesunden Bekannten sagen, "Du musst positiv denken."
    Aber sie verstehen nicht, dass ich auch positiv denke. Ich denke an die Zeit, die ich noch habe. Nicht an die, die ich noch hätte, würde ich weiter an meine Unsterblichkeit glauben.

    Ich mache mir viele Gedanken. Ob ich noch mal eine Chemo mache? Das "Nein" in mir ist wild entschlossen, genauso wild, wie ich damals "Ja" gesagt habe. Chemo ist toll, wenn man eine Chance hat, dass man die Krankheit überlebt. Ansonsten finde ich den Preis zu hoch. Wohl fast jeder hat schon Beispiele von fortgeschritten Krebskranken erlebt, denen die hilflosen Ärzte immer noch irgendeine Chemo gaben, anstatt an einem Punkt den Satz zu sagen "ich kann Ihnen leider nicht mehr helfen".
    Mein Onkologe ist toll und ich vertraue ihm und ich weiß, er sagt mir diesen Satz, wenn es soweit ist. Aber an diesem Punkt unterscheiden wir uns und ich hoffe, wir finden da einen Konsens. Für ihn ist es das Risiko einer Chemo wert, dass es mir danach in der verbleibenden Zeit besser geht (ohne dass die Zeit länger wird). Für mich ist es das nicht. Für mich ist Chemo ein Grauen... die Vorstellung, wieder so als Chemo-Zombie rumzulaufen, und dann keine wirkliche Hoffnung zu haben, nur eine Linderung... die gefällt mir nicht.
    "Ich will lieber eine schöne Leiche sein" sagte ich ihm.

    Ich eröffne diesen Strang, um hier reinzuschreiben, wie es mir geht, und eure Fragen zu beantworten, denn in den anderen Strängen möchte ich jetzt auch langsam wieder Spaß haben, von meinen Haaren erzählen, etc.

    Also, auf gehts in eine "neue Runde"...
    Kappuziner

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  2. #2
    Avatar von Nussi
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    AW: Fernmetastasen, oder "Die Illusion von der eigenen Unsterblichkeit"...

    Liebe Kappu

    du bist wirklich unglaublich. Ich ziehe den Hut vor dir.

    Liebe Grüße
    Nussi
    Liebe Grüße
    Nussi

    Das Heute - richtig gelebt - macht jedes Gestern zu einem Traum voller Glück - und das Morgen zu einer Vision voller Hoffnung

  3. #3
    VIP Avatar von Kappuziner
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    AW: Fernmetastasen, oder "Die Illusion von der eigenen Unsterblichkeit"...

    Nee, das musst Du nicht, Nussi...

    Kottan
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  4. #4

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    AW: Fernmetastasen, oder "Die Illusion von der eigenen Unsterblichkeit"...



    Kappuziner, Dein Beitrag hat mich sehr bewegt!!! Wenn ich sowas lese, wenn Erkrankte eine Stärke demonstrieren, die man sich selbst nicht zutraut, dann kommen mir schon echt die Tränen.

    Über Krebserkrankungen und die Behandlungsmöglichkeiten sowie Aussichten kann ich - zum Glück - nichts persönliches schreiben.

    Bleibt mir nur, Dir viel Kraft zu wünschen für Deinen Weg, welchen Du auch immer einschlagen wirst (mit oder ohne Chemo!)!!!
    Den Humor, zu einem Arzt zu sagen "ich will eine schöne Leiche sein" muss mal erstmal finden, Hut ab!

    Ich drücke Dir die Daumen, dass es Dir noch lange lange lange ... Zeit gut gehen wird und dass Du, wenn es wirklich so kommen sollte, die Zeit, die Du noch hast, nutzen kannst, um Dir noch ein paar Wünsche zu erfüllen, um Orte zu besuchen, die Du immer schon sehen wolltest, um Verrücktheiten auszuprobieren, die Du bis jetzt immer nur als Verrücktheiten abgetan hast, sie aber trotzdem interessant fandest, um einfach nur noch Du selbst zu sein und Dir eine schöne Zeit zu machen.

    Von Herzen alles Gute wünscht Dir die betroffene

    Blumenpuste!

  5. #5
    Moderation Avatar von lythande
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    AW: Fernmetastasen, oder "Die Illusion von der eigenen Unsterblichkeit"...

    Liebe Kappu,
    Hut ab vor Dir, diesen Strang zu eröffnen.
    Wo nimmst Du diese Stärke nur her, Dich auch noch unseren Fragen zu stellen ? Ich bewundere Dich sehr.
    Ich kann gut verstehen, dass Du eine erneute Chemo ablehnen würdest/ablehnst. Aber wenn Du Deinem Onkologen vertraust, warum nicht in diesem Punkt ? Die Frage ist doch, welche Nebenwirkungen hat die Chemo und welche Probleme hast Du, wenn Du sie nicht anwendest. Oder bin ich da zu naiv ?
    Liebe Grüße Lythande
    Wenn Du in die Sonne siehst, liegt der Schatten hinter Dir
    Es gibt keinen Fahrstuhl zum Glück, Du musst die Treppe nehmen (Werner Bethmann). ▬|████|▬


  6. #6
    Avatar von pixeline
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    AW: Fernmetastasen, oder "Die Illusion von der eigenen Unsterblichkeit"...

    Kappu, ich bewundere Dich für deine Stärke, deine Gelassenheit und deine klaren Vorstellungen, die Du im Umgang mit Deiner Wiedererkrankung zeigst.
    Und ich kann mich Nussi nur anschließen:
    Hut ab vor Dir!
    Liebe Grüße
    pixeline

  7. #7
    VIP Avatar von Kappuziner
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    AW: Fernmetastasen, oder "Die Illusion von der eigenen Unsterblichkeit"...

    Danke liebe Blumenpuste!

    Liebe lythande, nein, das ist überhaupt nicht naiv von Dir! So, wie es jetzt aussieht, würde ich irgenwann (wann, das kann mir keiner genau sagen) an Lungenkrebs sterben und bis dahin eine zunehmend üble Zeit haben (Atemnot, Angst, etc.). Die Chemo würde diese Symptome mildern und dafür sorgen, dass ich in diesem Zeitraum viel weniger Qualen habe - wenn! sie funktioniert... Ich würde dadurch nicht länger leben. In beiden Fällen ist wohl der Zeitpunkt"X", an dem mein Körper der Wucht der Krankheit nachgibt, derselbe. Nur die Zeit bis dahin könnte besser sein.
    Aber auf dieses "könnte" will ich mich nicht verlassen. Nachdem schon die drei wirksamsten Substanzen bei mir nicht gewirkt haben. Und Tamoxifen bei mir nicht gewirkt hat.
    Lieber will ich jetzt erstmal noch eine richtig gute Zeit haben, mit meinen tollen neuen Haaren und der neuen Brust... und dann weitersehen...

    Kottan
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  8. #8
    finja68
    gelöscht

    AW: Fernmetastasen, oder "Die Illusion von der eigenen Unsterblichkeit"...

    Liebe Kappuziner,

    es tut mir sehr leid, dass zu lesen und ich wünsche dir viel Kraft und viele gute Freunde und noch so unendlich viel mehr.


  9. #9
    Moderation Avatar von lythande
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    AW: Fernmetastasen, oder "Die Illusion von der eigenen Unsterblichkeit"...

    Liebe Kappu, wenn man davon ausgeht, dass die Chemo dafür aber andere Nebenwirkungen hat, stellt sich echt die Frage nach einer wirklichen positiven Wirkung für Deine Lebensqualität. ICh hoffe sehr, das bringt die OP
    Liebe Grüße Lythande
    Wenn Du in die Sonne siehst, liegt der Schatten hinter Dir
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  10. #10
    Ellipell
    gelöscht

    AW: Fernmetastasen, oder "Die Illusion von der eigenen Unsterblichkeit"...

    Kappuziner,

    irgendwie hab ich das Gefühl, ich kenn dich schon ganz lange, naja, du bist ja auch schon ewig hier unterwegs, da "läuft" man sich zwangsläufig das ein oder andere Mal über den Weg. Ich hab dich schon immer sehr für deine Stärke und Ehrlichkeit geschätzt.
    Es macht mich sehr betroffen und es tut mir sehr leid, dass der Krebs wieder da ist. Es ist so sch... Eine Nachbarin von uns hat den gleichen Weg gewählt, den du jetzt gehst. Es war und ist für mich ein Zeichen von Stärke, mit seiner eigenen Vergänglichkeit so offen umzugehen (auch wenn ich mir vorstellen kann, dass es manchmal in dir tobt!). Und obwohl ich deine Position nicht wirklich nachvollziehen kann, deine Entscheidung kann ich gut verstehen. Ich wünsche dir, dass du die dir verbleibende Zeit gut nutzen kannst.
    Ich würde mich freuen, immer mal wieder von dir zu lesen. (Ich spinxe öfter mal hier ins Brustkrebs-Forum, vor allem, wenn ich es mal wieder nicht schaffe, gut für mich zu sorgen. Dann hol ich mir hier schon den ein oder anderen Tipp). Es muss nicht nur das Gute sein, lass den Scheixx hier, wenn er auftaucht.
    Eine gute Zeit dir.

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