Liebe Vera Sandberg,
genau wie Sie habe ich mich gegen die Behauptung, die geschilderte Gewalt-Situation über Jahre könne "jeder Frau passieren" verwehrt und ich bleibe auch dabei.
Der von Ihnen zitierten Frau Lefherz, die behauptet "mit dieser Einstellung schwächen Sie die Opfer" und auch noch unterstellt, Sie und ich würden mit unserer Überzeugung den Tätern "freie Bahn" machen, muß ich schärfstens widersprechen! Sie schiebt damit die "Schuld" auf die Falschen. Schuldig - wenn man bei dem Begriff bleiben möchte - machen sich jedoch im Wesentlichen nur zwei Beteiligte: Täter und Opfer. Ich möchte jetzt bitte nicht mißverstanden werden, selbstverständlich sind die Täter die Hauptschuldigen und meiner Meinung nach strengstens zu verfolgen und zu bestrafen. Aber in so einer immer wiederkehrenden Situation (im Gegensatz z.B. zu einer einmaligen Überfallsituation) - teilweise über Jahrzehnte - trägt auch das Opfer eine Schuld. Nämlich eine Schuld der Verantwortung sich selbst - und ggf. seinen Kindern - gegenüber. In so einer Situation gibt es zwar immer einen, der handelt, aber eben auch einen, der es sich gefallen läßt.
Richtig ist, daß praktisch jede Frau in ihrem Leben einmal an einen gewalttätigen Partner geraten kann. Man kann schließlich niemandem in den Kopf schauen. Und oftmals sind ja gerade derart extreme Persönlichkeiten zu anderen Zeiten auch extrem charmant und können einwickeln. Wenn es allerdings dann einmal zu einer Gewaltsituation gekommen ist, muß man sofort die Notbremse ziehen und Gegenmaßnahmen ergreifen. Das kann sicher auch die Verpflichtung zu einer entsprechenden Therapie und deren konsequente Durchführung sein und muß nicht immer gleich beim ersten Vorfall zur Trennung führen. Aber sobald Wiederholungen auftreten gäbe es für mich keine Alternative zur sofortigen Abgrenzung. Und es möge mir jetzt bitte keiner mit "wenn man starke Liebe empfindet, kann man sich nicht so einfach trennen" kommen. Wenn mich jemand mißhandelt, dann kann ich definitiv auch nicht mehr die Liebe empfinden, die vielleicht vorher da war. Und selbst WENN, mein Selbsterhaltungstrieb und mein Selbstbewußtsein würden es mir verbieten, mich weiter an so einen Menschen zu binden.
Mir drängt sich daher die Vermutung auf, daß der eigentliche Haken an der Geschichte der ist, daß es den betroffenen Frauen eher in den letztgenannten Bereichen (Selbstbewußtsein, Selbsterhaltung, etc.) mangelt. Und hier kann letztlich auch nur die Ursache für die Erduldung der Mißhandlungen beseitigt werden: Durch Aufbau oder Steigerung der eigenen Wertschätzung. Denn nur wer sich selbst wichtig nimmt und sich selbst wirklich WERT ist, der achtet auch auf sich und akzeptiert die Gewalt gegen sich nicht. Die von Ihnen interviewte Frau "Schuchardt" zeigt nämlich genau diese Defizite: "Sie fühlte sich als alleinerziehnde Mutter nicht vollwertig" oder "Ich suchte eine Erklärung, gab mir selbst die Schuld", "fühlt sich an ihr Schicksal gekettet", "sie will keinen belasten" und vor allem die Furcht vor "öffentlicher Demütigung". Da wird deutlich die eigene Außenwirkung über die körperliche Unversehrtheit gestellt und das sollte dringend behandelt werden. Wer diesbezüglich Defizite bei sich zu erkennen glaubt, dem sei eine Therapie dringendst angeraten. Leider wird dieser Schritt auch heutzutage noch aus falscher Scham viel zu selten oder zu spät gegangen. Dabei ist das doch nun wirklich absolut keine Schande, sich fachliche Hilfe zu holen. Wer Herzrhythmusstörungen hat, geht doch auch zum Cardiologen!
Ich kann verstehen, daß es sich für Betroffene besser anfühlt, wenn Sie glauben können, daß sie nicht alleine sind. Und das sind sie ja in der Tat nicht. Es gibt leider sehr viele Frauen, die ein solches Schicksal erdulden und die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher sein, als die meisten Statistiken hergeben. Aber dennoch sage ich: Nein, das kann nicht JEDER Frau passieren.
Vielen Dank trotzdem für den Artikel, denn vielleicht gibt er doch der einen oder anderen Betroffenen den Mut, sich endlich Hilfe zu holen.
Sia












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Pottelette vonne ikara
