Hallo,
hab mich gerade durch viele, viele Seiten des 'gehoert-sich-so' Stranges und der Diskussion um starke und schwache Frauen gelesen und bin ziemlich geschockt.
Was geht denn da vor, wenn ich 50% Engagement fuer Haushalt und Kinder von meinem Mann (moeglichst schon vor der Ehe) einfordern muss? Und wo sind alle die Frauen, die ihren Mann rackern lassen und sich selbst ein schoenes Leben machen? Und vor allen Dingen: WO IST DIE FREIE WAHL FUER JEDEN MENSCHEN, SEIN LEBEN EINZURICHTEN WIE ER WILL?
Geschichtlich gesehen war es immer so, dass die Mehrheit der Frauen, naemlich alle, die nicht aus reichen Familien kamen oder reich heiraten konnten (und deren Leben war auch kein Zuckerschlecken), hart ranmussten, um fuer den Unterhalt der Familie mitzuverdienen oder fuer sich und die Kinder zu sorgen. Das ist ein alter Hut, dafuer braucht man keine neue Generation von Frauen. In meiner Familie, die immer zum Mittelstand zaehlte, haben sowohl meine Urgrossmutter, Grossmutter und Mutter immer arbeiten muessen. (Ueber die Generationen davor weiss ich nichts Konkretes.) Komischerweise war nie eine darunter, fuer die Arbeit = Selbstverwirklichung oder gar befreiend war. Sie war notwendiges Mittel zum Zweck, wenn man Glueck hatte, machte sie Freude.
Und fuer Maenner ist das doch nicht anders. Die muessen auch arbeiten, um leben zu koennen. Wenn sie Glueck haben, machen sie ihren Job gern und finden darin eine gewisse Erfuellung, doch es gibt genug, fuer die das nicht oder nicht waehrend ihres gesamten Berufslebens zutrifft.
Wir haben eine 'Frauenbewegung' seit Mitte des 19. Jahrhunderts und abgesehen von den Grundrechten auf Stimmabgabe bei politischen Wahlen und Zugang zu allen Bildungsanstalten, kann ich nicht sehen, dass wir etwas erreicht haben, was uns oder noch besser uns allen, Maennern und Frauen, das Leben schoener macht. Wir haben den Fehler gemacht, erstmal das von herrschenden Maennern kreierte Weltbild zu akzeptieren und um Anerkennung in diesem System zu ringen, statt ein System anzustreben, in dem alle menschenwuerdiger leben koennen. Ich kann im staendigen Konkurrenzkampf, der - wenn ich das, was in o.g. Strang dargestellt wurde, als gegeben annehme - nun auch noch privat ausgefochten wird, nichts Erstrebenswertes sehen. Ich finde jede Arbeit, bezahlt oder unbezahlt, und jede Faehigkeit, manuell oder intellektuell, sollte in einer humanen Gesellschaft den gleichen Stellenwert haben.
Zurueck zu meiner Familie - es wurde geheiratet, weil man sich liebte und zusammen leben wollte. Das schloss gemeinsames Streben nach Wohlstand, gemeinsame Sorge fuer die Kinder und Verpflichtungen gegenueber dem Ehepartner ein. Soweit ich das sehe, haben in meiner Familie die Maenner immer ihren Anteil geleistet, manche mehr manche weniger, doch keiner sass nur rum wie ein Pascha, liess sich bedienen und wunderte sich nach fuenf Jahren wie gross seine Kinder schon sind.
Ich lebe seit 1997 im Ausland, doch mir scheint, die Politiker haben ganze Arbeit geleistet, dass sie Euch einreden konnten Arbeit sei seligmachend. Sie ist notwendig, so sehe ich das.
Als ich noch in Deutschland lebte, glaubte ich, es gaebe da gute Ansaetze fuer beide Geschlechter, Kinder und Arbeit besser unter einen Hut zu bringen (Erziehungsgeld, Arbeitsplatzgarantie, billige Kindergartenplaetze, Baby-Auszeit wahlweise fuer Vater oder Mutter), was ist daraus geworden?
Es scheint nur noch Einzelkaempfer zu geben, jedes Miteinander scheint suspekt und Probleme einfach mal praktisch anzugehen, bevor man Forderungen stellt, scheint voellig aus der Mode. Was waere falsch daran, Maenner einzubeziehen? Z.B. in die Fordeurng nach besserer Kinderbetreuung? Zumindest die Verantwortung fuer Kinder sollte keine Frage von Gesetz sein, sondern sich natuerlich ergeben. Warum ist das nicht (mehr) selbstverstaendlich?
Und dann das rueckwirkende neue Unterhaltsgesetz! Das findet Ihr fair? Wenn eine Frau nicht ausser Haus arbeiten geht, ist das doch wohl eine Entscheidung, die von beiden Partnern getroffen wurde. Dafuer wird dann die Frau im Alter bestraft? Gerecht waere meiner Ansicht nach, die Rentenansprueche beider fuer die Ehezeit zu splitten, egal wer wieviel arbeiten ging/verdient hat. Alle anderen waehrend der Ehe erworbenen Werte, werden doch auch geteilt. Oder gilt das auch nicht mehr? Ich durfte damals schoen alles teilen, was mir von meinen Eltern fuers gemeinsame Haus ueberlassen oder geschenkt worden war.
Und arbeiten gehen, sobald das juengste Kind drei Jahre alt ist? Wo sind denn die Jobs? Besonders die gut bezahlten, die soviel Selbstbestaetigung und Freiheit mit sich bringen? Egal ob alleinerziehend oder als Paar, Kinder plus Vollzeitarbeit fuellen den Tag aus, da bleibt nicht viel fuer Weiterbidung oder gesellschaftliches Engagement - und genau so wollen es Politiker und Arbeitgeber auch haben.










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