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  1. #1
    Avatar von Trautchen
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    19.11.2005
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    176

    Wie waer's mit einer Menschenbewegung?

    Hallo,

    hab mich gerade durch viele, viele Seiten des 'gehoert-sich-so' Stranges und der Diskussion um starke und schwache Frauen gelesen und bin ziemlich geschockt.

    Was geht denn da vor, wenn ich 50% Engagement fuer Haushalt und Kinder von meinem Mann (moeglichst schon vor der Ehe) einfordern muss? Und wo sind alle die Frauen, die ihren Mann rackern lassen und sich selbst ein schoenes Leben machen? Und vor allen Dingen: WO IST DIE FREIE WAHL FUER JEDEN MENSCHEN, SEIN LEBEN EINZURICHTEN WIE ER WILL?

    Geschichtlich gesehen war es immer so, dass die Mehrheit der Frauen, naemlich alle, die nicht aus reichen Familien kamen oder reich heiraten konnten (und deren Leben war auch kein Zuckerschlecken), hart ranmussten, um fuer den Unterhalt der Familie mitzuverdienen oder fuer sich und die Kinder zu sorgen. Das ist ein alter Hut, dafuer braucht man keine neue Generation von Frauen. In meiner Familie, die immer zum Mittelstand zaehlte, haben sowohl meine Urgrossmutter, Grossmutter und Mutter immer arbeiten muessen. (Ueber die Generationen davor weiss ich nichts Konkretes.) Komischerweise war nie eine darunter, fuer die Arbeit = Selbstverwirklichung oder gar befreiend war. Sie war notwendiges Mittel zum Zweck, wenn man Glueck hatte, machte sie Freude.

    Und fuer Maenner ist das doch nicht anders. Die muessen auch arbeiten, um leben zu koennen. Wenn sie Glueck haben, machen sie ihren Job gern und finden darin eine gewisse Erfuellung, doch es gibt genug, fuer die das nicht oder nicht waehrend ihres gesamten Berufslebens zutrifft.

    Wir haben eine 'Frauenbewegung' seit Mitte des 19. Jahrhunderts und abgesehen von den Grundrechten auf Stimmabgabe bei politischen Wahlen und Zugang zu allen Bildungsanstalten, kann ich nicht sehen, dass wir etwas erreicht haben, was uns oder noch besser uns allen, Maennern und Frauen, das Leben schoener macht. Wir haben den Fehler gemacht, erstmal das von herrschenden Maennern kreierte Weltbild zu akzeptieren und um Anerkennung in diesem System zu ringen, statt ein System anzustreben, in dem alle menschenwuerdiger leben koennen. Ich kann im staendigen Konkurrenzkampf, der - wenn ich das, was in o.g. Strang dargestellt wurde, als gegeben annehme - nun auch noch privat ausgefochten wird, nichts Erstrebenswertes sehen. Ich finde jede Arbeit, bezahlt oder unbezahlt, und jede Faehigkeit, manuell oder intellektuell, sollte in einer humanen Gesellschaft den gleichen Stellenwert haben.

    Zurueck zu meiner Familie - es wurde geheiratet, weil man sich liebte und zusammen leben wollte. Das schloss gemeinsames Streben nach Wohlstand, gemeinsame Sorge fuer die Kinder und Verpflichtungen gegenueber dem Ehepartner ein. Soweit ich das sehe, haben in meiner Familie die Maenner immer ihren Anteil geleistet, manche mehr manche weniger, doch keiner sass nur rum wie ein Pascha, liess sich bedienen und wunderte sich nach fuenf Jahren wie gross seine Kinder schon sind.

    Ich lebe seit 1997 im Ausland, doch mir scheint, die Politiker haben ganze Arbeit geleistet, dass sie Euch einreden konnten Arbeit sei seligmachend. Sie ist notwendig, so sehe ich das.

    Als ich noch in Deutschland lebte, glaubte ich, es gaebe da gute Ansaetze fuer beide Geschlechter, Kinder und Arbeit besser unter einen Hut zu bringen (Erziehungsgeld, Arbeitsplatzgarantie, billige Kindergartenplaetze, Baby-Auszeit wahlweise fuer Vater oder Mutter), was ist daraus geworden?

    Es scheint nur noch Einzelkaempfer zu geben, jedes Miteinander scheint suspekt und Probleme einfach mal praktisch anzugehen, bevor man Forderungen stellt, scheint voellig aus der Mode. Was waere falsch daran, Maenner einzubeziehen? Z.B. in die Fordeurng nach besserer Kinderbetreuung? Zumindest die Verantwortung fuer Kinder sollte keine Frage von Gesetz sein, sondern sich natuerlich ergeben. Warum ist das nicht (mehr) selbstverstaendlich?

    Und dann das rueckwirkende neue Unterhaltsgesetz! Das findet Ihr fair? Wenn eine Frau nicht ausser Haus arbeiten geht, ist das doch wohl eine Entscheidung, die von beiden Partnern getroffen wurde. Dafuer wird dann die Frau im Alter bestraft? Gerecht waere meiner Ansicht nach, die Rentenansprueche beider fuer die Ehezeit zu splitten, egal wer wieviel arbeiten ging/verdient hat. Alle anderen waehrend der Ehe erworbenen Werte, werden doch auch geteilt. Oder gilt das auch nicht mehr? Ich durfte damals schoen alles teilen, was mir von meinen Eltern fuers gemeinsame Haus ueberlassen oder geschenkt worden war.

    Und arbeiten gehen, sobald das juengste Kind drei Jahre alt ist? Wo sind denn die Jobs? Besonders die gut bezahlten, die soviel Selbstbestaetigung und Freiheit mit sich bringen? Egal ob alleinerziehend oder als Paar, Kinder plus Vollzeitarbeit fuellen den Tag aus, da bleibt nicht viel fuer Weiterbidung oder gesellschaftliches Engagement - und genau so wollen es Politiker und Arbeitgeber auch haben.
    le gach beannacht

    Trautchen



    Das mit der Leiche ist zwar weniger schoen, doch muss das Leben ja weitergehen... (mehr oder weniger Hannes Wader)

  2. #2
    Was-immer-es-gibt
    gelöscht

    AW: Wie waer's mit einer Menschenbewegung?

    Hallo Trautchen,
    hab den Strang erst jetzt entdeckt.

    Für meinen Geschmack vermischst du hier Zukunftsvision mit Altertum....
    Die Frauen aus den früheren Generationen konnten ja nur einer Arbeit nachgehen weil es die Familienstrukturen erlaubten, sprich, weil eben alle das Modell Großfamilie lebten.

    Als eine Geißel sehe ich heute den ausgeprägten Individualismus.
    Mir fällt immer mehr auf, wie z.B. gewisse Geschäftssparten komplett in ausländische Hand geraten, wenn ich das mal so schreiben darf.
    Ein Einheimischer muss davon ausgehen, Mitarbeiter offiziell einstellen zu müssen, womit ich unseren ausländischen Mitbürgern keine Schwarzarbeit unterstellen will. Es ist halt selbstverständlich, dass ne Tante oder der Cousin mal mit an der Ladentheke oder in der Küche mithelfen, oder im Blumenladen.

    Was mich irgendwie völlig verwundert, ist die Entwicklung unserer Arbeitswelt.
    Wobei ich mir, genau so wie bei den Wohnsituationen nicht sicher bin, ob es nicht einfach nur eine Verzerrung ist. Und wieder kommt man auf die veränderte Lebensart der Menschen zurück.

    Heute geht man davon aus, dass alle in einem Haushalt lebenden Menschen einer Arbeit nachgehen.
    Vermutlich gibt das der Arbeitsmarkt einfach nicht her.

    Die Politik kann ja nur bedingt steuern.
    Meiner Meinung nach eine Art Rückentwicklung statt finden.
    Es werden sich immer mehr Menschen zu Mehrgenerationshäusern oder ähnlichen Gemeinschaften zusammen tun.
    Wir haben irgendwie einen Zenit überschritten.
    Kurioserweise waren die Menschen in ärmeren Perioden gesünder.

    Und noch kurioser: es sind immer die gleichen Menschen geblieben.

    Wir brauchen früher wie heute eine Aufgabe, Gemeinschaft und Individualität.
    Die glücklichsten und gesündesten Senioren sind nicht diejenigen mit ner super Rente und ständig auf Kreuzfahrt sondern diejenigen sie sich noch eine Aufgabe gesucht haben.
    Ausnahmen natürlich nicht ausgeschlossen.

    Dann leben wir mit neu gemischten Karten vielleicht irgendwann wieder wie anfangs beschrieben....

    Alles was mit Staat anfängt ist immer schwindelerregend teuer.
    Was bleibt einem gut betuchten Rentner von seinem Geld wenn er zwecks Pflege in ein Heim gehen muss?
    Meist nicht mehr als ein Taschengeld.
    Ehrlich gesagt erschliesst sich mir manchmal nicht recht wieso so viel Geld für Betreuung raufgehen muss.

    Meine Großmutter hat ihre Rente mit in den Haushalt ihrer Tochter nebst Mann und zwei Kindern eingebracht.
    Alle haben dadurch sehr komfortabel gelebt.

    Ehrlich gesagt, heute gibts doch für jeden Scheiß Geld, wenn ich das mal so salopp schreiben darf.
    Früher sind ganze Generationen ohne Kindergeld, Betreuungsgeld oder sonstwas über die Runden gekommen.

    Irgendwas läuft heute schief.

    Aber, das reguliert sich von allein.
    Bin ich mir ziemlich sicher.

  3. #3
    ras-le-bol
    gelöscht

    AW: Wie waer's mit einer Menschenbewegung?

    Zitat Zitat von Was-immer-es-gibt Beitrag anzeigen
    ... Aber, das reguliert sich von allein.
    Bin ich mir ziemlich sicher.
    Davon kannst Du ausgehen.

    Irgendwann gibt's ordentlich eine auf den Deckel! Für Arroganz gibt's immer irgendwann eine auf den Deckel.

    Ich denke nicht, dass wir die Evolution abwarten müssen.
    Es werden einfach demnächst die finanziellen Mittel fehlen und die öffentliche Solidarität wird ihren Bankrott erklären.

    Wer keine solide Großfamilie hat oder eine gute Alten-WG ist in den Arxxx gekniffen!
    Deshalb: Kümmert Euch beizeiten

  4. #4
    Avatar von rabo
    Registriert seit
    13.09.2008
    Beiträge
    9

    AW: Wie waer's mit einer Menschenbewegung?

    Guten Tag!
    Ich finde den Thread inhaltlich (ev. *ggg*) interessant und auch den Titel aussagekräftig, kann aber der Argumentation leider nicht ganz folgen. Meint ihr, dass man inerhalb der Gesellschaft Frauen nicht gegen Männer ausspielen soll? Die Argumentation triftet ein wenig zu verschiedenen Themen ab. Vielleicht könnte das ein kurzer und knackiger Post klären.

    Um hier meinen Standpunkt mal einzubringen: Klar, wir (Männer wie Frauen) sitzen im selben Boot. Und wir errichten sozusagen gemeinsam eine Gesellschaft, bei der es zwar gemeinsame Ziele wie Wohlstand, Arbeit etc. gibt aber auch differenzierte Aufgaben. Grundsätzlich haben Frauen in den letzten 150 Jahren einige interessante Entwicklungen gemacht, nicht alle müssen "richtig" sein, aber es kam jedenfalls Bewegung in verkrustete Strukturen. Männer haben in der Zwischenzeit eher geschlafen.

  5. #5
    Cashyou
    gelöscht

    AW: Wie waer's mit einer Menschenbewegung?

    Soll sich doch bewegen,wer will.
    Zu diesem Thema habe ich mir fast bis zur geistigen Erschöpfung genug Gedanken gemacht.
    Die politische Ebene erreicht man damit eh nicht/nicht mehr.Die EU-Rettungspakete scheinen auch viel wichtiger geworden zu sein.
    Meine Devise dazu:Rette sich wer kann.Wer rechnen kann,ist klar im Vorteil,der Rest kann sich meinetwegen prostituieren.

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