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  1. #131

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    AW: Karriere beendet!

    Eine gute Freundin hat sehr steile Karriere gemacht, bis ganz nach oben. Sie hat allerdings keine Kinder - und - ihr Mann, der selbst eine sehr gut bezahlte Stelle als Beamter hat, erledigt den ganzen Haushalt. So etwas gibt es also durchaus.


    Meine schwedische (!) Schwägerin machte Layout für eine Frauenzeitschrift und gab ihren Beruf auf, weil ihr Mann in verschiedenen Ländern Firmen einrichtete (bei sehr hoher Bezahlung) und die Familie mit 3 Kindern deshalb ständig umziehen musste. Es waren nicht nur die Kinder, die meine Schwägerin davon abhielten, sich in den jeweiligen Ländern einen Job zu suchen, es waren auch die verschiedenen Sprachen, die das Ganze erschwerten.

    Elwyn ging es ja um sehr hochbezahlte Jobs in Führungsetagen. Ich denke, dass es dabei meist um Berufe geht, die ein hohes Maß an Flexibilität und extreme Arbeitszeiten erfordern, egal ob eine Frau oder ein Mann das machen. Ganz schwierig wird es, wenn beide Partner solche Jobs haben, ständig auf Geschäftsreise sind und unter Anspannung stehen. Da ist es wahrscheinlich tatsächlich besser, einfach auf Kinder zu verzichten.

    Deutschland wird dadurch nicht aussterben, denn diese Jobs sind ja nicht so dicht gesät, wie normale Jobs, die sich mit Kindererziehung besser vereinbaren lassen.

    Gleichberechtigung ist für mich, wenn jeweils der/die PartnerIn halbtags arbeitet, sich mehr der Kindererziehung und dem Haushalt widmet, wo es sich mit dem Beruf besser vereinbaren lässt. Und das kann eben auch der Mann sein.
    Geändert von bertrande (15.03.2012 um 10:07 Uhr)

  2. #132

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    AW: Karriere beendet!

    Zitat Zitat von crazy79 Beitrag anzeigen
    Ich weiss nicht... ist das nicht eine freie Entscheidung der Frau? Ob und wenn ja wieviel sie nach der Geburt der Kinder noch arbeiten möchte?
    Naja, also ob das immer die freie Entscheidung ist, weiss ich nicht!

    Wenn sie einen gut verdienenden Ehemann hat, der das Geld nach Hause bringt. Und wenn sie einen Job hat, bei dem Teilzeit möglich ist (in dem von mir genannten Fall ist genau das schwierig!). Oder wenn sie wahlweise wirklich Geld oder Familie hat, die alternativ aufpasst.

    Alle anderen Frauen, vor allem Alleinerziehende, können nicht einfach aufhören zu arbeiten. Oder freiwillig daheim bleiben. Wovon?

    In dem von mir beschriebenen Fall und auch bei dir geht es mit einem Kind noch ganz gut. Mit zweien war aber definitiv Essig und so erlebe ich es in fast allen Fällen.

    Nochmals zu der "Karriere". Ich rede hier nicht von Normalo-Jobs, die das erlauben, dass man kürzertritt. Ich wollte und will noch mal darauf hinweisen, dass Frauen mit aussergewöhnlichen Karrierewegen (sprich: High-Tech-Unternehmen und Forschung, entsprechendem Studium und Diss.) eben oft einknicken.
    Jedenfalls öfter als Männer, für die die Familie im Hintergrund immer noch eher ein Karriereschub ist.

    Ausnahmen für Frauen sind bisher: Politikerin, Hochschulprofessorin, Lehrerin (wobei ich letzeres noch als Normalo-Job bezeichnen würde). In diesen Karrieren ist aber auch die Arbeitszeit faktisch noch relativ flexibel.
    Man sollte nie die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist groß genug.

    Bertrand Arthur William Russell

  3. #133

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    AW: Karriere beendet!

    Ich kenne (etwas näher) zwei Fälle von Frauen mit beachtlicher beruflicher Karriere und mehr als zwei Kindern.

    Eine ist Physikerin und hat einen Lehrstuhl an einer renomierten Uni in der Schweiz. Vier Kinder und einen Ehemann, der als Maler die Kinder versorgt, 24 Stunden am Tag zu Hause ist und diese Rolle sehr lebensfroh ausfüllt. Sie verdient fast 100% des Familieneinkommens. Also das klassische Modell mit vertauschten Rollen.

    Die andere ist Rechstanwältin in einer großen internationalen Kanzlei und leitet eine große Arbeitsgruppe. Drei Kinder und einen Ehemann, der ebenfalls in dieser Kanzlei arbeitet und ebenfalls Führungspositionen innehat. Beeindruckend sind das riesige Haus und die Posche-Sammlung in der Garage. Eher traurig sind die Gesichter der Kinder, die etwas verloren im Haus leben und sich an häufig wechselnden Kindermädchen reiben.

    Beides ist nicht repräsentativ, Fall eins gefällt mir (aus der Sicht der Kinder) aber besser.

    Zeit ist eine absolut limitierte Ressource, Aufmerksamkeitsfähigkeit ebenso.

    Skandinavien: hier hat man das Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf klassisch staatliche Weise gelöst (wie auch in der DDR). Man stellt Frauen familienfreundliche Arbeitsplätze zur Verfügung (80% aller schwedischer Frauen arbeiten im öffentlichen Dienst), gibt ihnen Teilzeitmöglichkeiten. Männer arbeiten vorwiegend in der freien Wirtschaft und deutlich länger (und besser bezahlt). Bezahlt wird die Kinderbetreuung durch hohe Steuern auf die Arbeit, die diese Kinderbetreuung erst ermöglicht. Und die Kinder/Hausarbeit liegt in den meisten Fällen bei den Frauen.

    Frankreich: In unserem Nachbarland werden immer noch mehr als 50% aller Kinder unter einem Jahr von ihren Müttern betreut. Viele Mütter arbeiten in schlechtbezahlten Berufen (Frankreich ist kein Paradies für weibliche Berufskarrieren).

    Es ist ein schwieriges Thema. Ich persönlich halte die Kombination aus zwei Berufskarrieren und mehreren Kindern für fast überall nicht realisierbar (und wenn, dann auf dem Rücken der Kinder). Da heißt es abwägen und Prioritäten setzen. Ein Leben mit zwei 40h Jobs (und ohne Lange Wege zum Job) ist mit Kindern auch in Deutschland machbar (aber sicher nicht in jeder Gegend leicht).

    Hans
    ----------------------------------------------------------------
    "Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.

  4. #134
    Avatar von mirikwidi
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    AW: Karriere beendet!

    Dieser Artikel wurde von einem User an anderer Stelle gepostet, ich finde aber, er passt hier noch viel besser:
    Das Geschlecht erscheint heute als letzte Bastion, die noch irgendwie geschleift werden müsste. Es wird umso wütender als Kategorie eingeklagt, je mehr man im Stillen ahnt, dass die Befreiung in nichts anderes als in berufliche Selbstverwirklichung und den damit einhergehenden Zurichtungen mündet. Indem man das Geschlecht überdeterminiert, vernebelt man den Freiheitsmangel einer Gesellschaft insgesamt. Um es marxistisch zu pointieren: Die Beschwörung des Geschlechts lenkt nur vom Unbehagen an den Produktionsverhältnissen ab. Das Selbstverwirklichte ist heute das Unfreie. Wer das Geschlecht mit einem trügerischen Freiheitsversprechen befrachtet, spricht doch nur wie ein Unternehmensberater: Er setzt auf Männer und Frauen, die über Kommunikations-, Kooperations- und Empathiefähigkeit verfügen, den Schmierstoffen des allerneuesten Kapitalismus. Wer von Frauen spricht, spricht in Wahrheit von keinem Geschlecht, sondern vom neuen Menschen. Der aber ist ein Angestellter, der von einer Bürokarriere träumt, nicht von Emanzipation.
    Der Blick über`n Tellerrand war ein Blick in´s Zauberland ... (Keimzeit)

  5. #135

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    AW: Karriere beendet!

    Elwyn: Aber gerade eine Frau, die so gut verdient, kann sich doch eine gute Kinderbetreuung leisten, oder? Wie gesagt, ich kenne auch einen Fall, in dem beide Elternteile in der Forschung mit entsprechender Diss und Arbeitsstelle und aktuell zwei Kindern voll arbeiten, das dritte Kind kimmt bald zu Welt. Bislang ist nichts zu merken, dass die Kinder darunter leiden würden, tagsüber in einer Kita zu sein - und ich weiss auch sicher, dass die Mutter auch nach dem dritten recht bald (spätestens nach einem Jahr) wieder Vollzeit arbeiten wird.

    Klar, wenn man als Frau sehr wenig verdient, ist die Frage, ob sich die Kosten für die Betreuung lohnen - aber bei gut ausgebildeten, erfolgreichen Frauen ist das doch nicht die Frage, oder? Wenn überhaupt scheitert es an der Vergabe der Plätze bzw dass es immer noch zu wenig Plätze gibt. Sondern in dem Moment eine individuelle Entscheidung ob man weniger arbeiten will oder nicht.

    Ich sehe im Umfeld beides: Kind + früh wieder Berufstätigkeit, Kind + längere Elternzeit oder max. Teilzeitarbeit. Jedesmal war es die Entscheidung der Frau für oder gegen ein Modell. Und ja: die Unterstützung der Partner untereinander muss stimmen. Das gilt aber für beide Partner.
    Geändert von crazy79 (16.03.2012 um 12:45 Uhr)

  6. #136

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    AW: Karriere beendet!

    Zitat Zitat von mirikwidi Beitrag anzeigen
    Dieser Artikel wurde von einem User an anderer Stelle gepostet, ich finde aber, er passt hier noch viel besser:
    Witziger Artikel!

    Wobei die marxistische Gesellschaftstheorie natürlich genau wie meinetwegen der vielgescholtene Kapitalismus auch alles sehr stark den rein ökonomischen Gesichtspunkten unterordnet. Die Begriffe Produktivkräfte oder Produktionsverhältnisse schliessen auch weite Teile der Gesellschaft aus, die nicht am Wirtschaftsprozess beteiligt sind. Deswegen: Keine Lösung!
    Man sollte nie die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist groß genug.

    Bertrand Arthur William Russell
    Geändert von Elwyn (16.03.2012 um 13:20 Uhr)

  7. #137

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    AW: Karriere beendet!

    Zitat Zitat von crazy79 Beitrag anzeigen
    Bislang ist nichts zu merken, dass die Kinder darunter leiden würden, tagsüber in einer Kita zu sein - und ich weiss auch sicher, dass die Mutter auch nach dem dritten recht bald (spätestens nach einem Jahr) wieder Vollzeit arbeiten wird.
    Vielleicht wird das meine Bekannte ja auch nach einiger Zeit wieder versuchen. Auf jeden Fall hat sie erstmal unterbrochen, das ist Fakt. Ob und wie das dann weitergeht mit dem Job, zeigt sich noch...derweil herrscht in der Firma laut Aussagen durchaus ein ziemlicher Konkurrenzdruck.
    Man sollte nie die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist groß genug.

    Bertrand Arthur William Russell

  8. #138

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    AW: Karriere beendet!

    Und bei aller Begeisterung für den Job: da ist es doch nicht unvernünftig mal einen Schritt zurückzutreten und sich zu überlegen ob man sich dem wirklich auf Dauer aussetzen will?

    Klar kann das Spaß machen im richtigen Job - aber nicht alle die in derart anspruchsvollen Jobs jahrelang diesen Stress haben wirken für mich so als ob das wirklich Spaß macht. Das muss man doch auch mal sagen dürfen...

    Alles im Leben dem Job unterzuordnen ist halt nicht für jeden der Weg zur Zufriedenheit, das sollte man respektieren. Vielleicht sieht deine Freundin es ja grad so oder ist einfach am Zweifeln, ob das wirklich das Richtige ist auf Dauer? Das kann sich ja im Laufe des Lebens auch durchaus verändern.

  9. #139
    Avatar von mirikwidi
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    AW: Karriere beendet!

    Zitat Zitat von Elwyn Beitrag anzeigen
    Die Begriffe Produktivkräfte oder Produktionsverhältnisse schliessen auch weite Teile der Gesellschaft aus, die nicht am Wirtschaftsprozess beteiligt sind. Deswegen: Keine Lösung!
    Die Lösung hatte der Marxismus offensichtlich nicht parat .
    Aber was ich meinte ist in etwa das:
    Das Selbstverwirklichte ist heute das Unfreie.
    Mit der ganzen Emanzipation scheint man sich doch ein Eigentor geschossen zu haben, wenn es nur darauf hinausläuft, dass sich die Frauen auch in die Arbeitswelt begeben und mitsamt ihrem Familienmodell darin zerrieben werden. Es müsste doch um neue Modelle der Arbeit gehen und nicht darum, dass die Frauen im Arbeitsprozess die besseren Männer werden um ihre Emanzipation zu verwirklichen.
    Der Blick über`n Tellerrand war ein Blick in´s Zauberland ... (Keimzeit)

  10. #140

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    AW: Karriere beendet!

    Das sollte man doch sowieso mal hinterfragen: natürlich bin ich auch dafür, sich finanziell abzusichern, auch fürs Alter. Aber man kann doch mal nachdenken ob man nicht doch auch mit weniger Geld auskommen und zufrieden sein kann.

    Was hab ich denn vom vielen Geld, das ich evtl verdiene, wenn ich gar keine Zeit mehr habe es lustvoll auszugeben bzw meine, der dadurch mögliche Mehr-Konsum macht mich glücklich.

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