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  1. #1
    JCL
    gelöscht

    Gleiches Pensions/Rentenalter?

    Liebe Frauen!

    Ich bin aus Österreich. Bei uns können die Männer offiziell ab 65 in die Pension (=Rente) gehen, die Frauen mit 60.

    Als ich jünger war, gab es in den Firmen noch zwei Gehaltsschemata: Eines für Männer und eines für Frauen, die Frauen bekamen generell nur aufgrund ihres Frauseins ca. 1/3 weniger Gehalt.

    Als Begründung wurde uns damals gesagt, das wäre der Ausgleich dafür, dass Frauen früher in Pension gehen könnten.

    Diese Regelung des unterschiedlichen Gehalts wurde per Gesetz später abgeschafft, de facto ist der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen nach wie vor gravierend.

    Nun hörte ich heute morgen im Radio, dass die Regierung nun "ernsthaft erwägt", das Pensionsalter für Frauen anzuheben, sie sollen bis 65 arbeiten, genauso wie die Männer.

    Abgesehen von der Problematik, dass es für 50+ bereits weniger Arbeitsplätze gibt und man damit quasi nur länger in die Arbeitslosenunterstützung bzw. ins soziale Out abgeschoben wird, wird genau DIE Generation an Frauen, die aufgrund der Versprechungen, sie könnten dafür früher in Pension gehen, betrogen.

    Im (manipulativen) Interview - man sieht, wie die öffentliche Meinungsmache aussehen soll - wurden ausnahmslos Frauen befragt, die Antworten der Frauen (!) waren unisono:

    "Natürlich sollen Frauen genauso lang arbeiten wie Männer, sie wollen ja auch das gleiche verdienen."

    Ich hab gedacht, ich hör nicht recht.

    Denn sie TUN es nicht. Sie haben es nie getan und sie tun es heute noch nicht.

    Wie denkt Ihr darüber? Findet Ihr es richtig, dass Frauen im selben Alter in die Rente gehen sollten wie Männer?

    Ist das Gleichberechtigung oder ist das ungerecht?

    Interessierte Grüße
    JCL

  2. #2
    Avatar von Opelius
    Registriert seit
    24.04.2004
    Beiträge
    8.520

    AW: Gleiches Pensions/Rentenalter?

    In Deutschland ist das Rentenalter schon angehoben.
    Spätestens der Geburtsjahrgang 1964 wird bis 67 Jahren arbeiten müssen, das gilt für Männer und Frauen. Die sogenannte Frauenrente (Renteneintrittsalter mit 60 - allerdings mit Abschlägen) gibt es nur noch bis zum Geburtsjahrgang 1952. Danach können Männer wie Frauen frühestens mit 63 Jahren unter Abzug von 18% in Rente gehen.
    Das kann man beklagen oder akzeptieren, dass der Anteil der Rentner in unseren europäischen Ländern drastisch ansteigt. Es besteht schon jetzt die Gefahr, dass die Renten ziemlich bald einer Grundversorgung sich nähern.

    Auch in Deutschland werden Frauen durchschnittlich schlechter bezahlt als Männer. Das hat u.a. mit der absolut geringen gewerkschaftlichen Bindung der Frauen zu tun .
    Die Fluglotsen, die zu einem Großteil in einer Gewerkschaft organisiert sind und einen recht hohen Anteil an Frauen haben, haben längst eine Gleichbezahlung aller Angestellten durchgesetzt.
    Aber einer Gewerkschaft anzugehören ist heutzutage ja uncool.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  3. #3
    JCL
    gelöscht

    AW: Gleiches Pensions/Rentenalter?

    Zitat Zitat von Opelius Beitrag anzeigen
    Aber einer Gewerkschaft anzugehören ist heutzutage ja uncool.
    Was mich am meisten erschreckt hat war die Tatsache, dass wieder einmal die "Feinde" in den eigenen Reihen stecken. Denn es wurden FRAUEN befragt, ältere Frauen, die eigentlich die Geschädigten dieses Vorschlages sind.

    Und sie haben alle davon gesprochen, dass Frauen ja dasselbe Alter für die Rente haben sollen, weil sie ja auch das Gleiche verdienen WOLLEN (korrekt wäre gewesen zu sagen: Zuerst Gehaltsgleichstellung, dann Pensionsgleichstellung).

    Da sind wir von einer Gewerkschaft noch weit entfernt, wenn das Denken bereits auf dieser persönlichen Ebene so läuft, wenn es noch nichtmal das Gefühl in einem gibt, dass einem auch nur irgendetwas zustünde.

    Wir hatten eine Frauenministerin, die in einem Interview im Fernsehen meinte, die Frauen sollen doch bitteschön endich brav und ruhig sein, denn so gut wie jetzt wäre es uns noch nie gegangen.

    Liebe Grüße
    JCL

  4. #4
    pirlipat
    gelöscht

    AW: Gleiches Pensions/Rentenalter?

    Es gibt absolut keinen Grund, warum Frauen früher in Rente gehen sollten als Männer. Wenn man bedenkt, dass ihre Lebenserwartung auch noch höher ist, sie also die Rentenkassen stärker beanspruchen, spräche das doch eher dafür sie später in Rente gehen zu lassen.

    Irgendwelche Benachteiligungen die ein Teil der Frauen vielleicht erfahren hat, die Masse aber nicht, nun für eine Bevorzugung aller herzunehmen, finde ich nicht akzeptabel

  5. #5
    pirlipat
    gelöscht

    AW: Gleiches Pensions/Rentenalter?

    Ich kenne natürlich die österreichischen Verhältnisse nicht, aber bei uns hier gilt gleiches Gehalt für gleiche Arbeit und das schon seit vielen Jahren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies in Österreich anders ist.


    Das Problem, dass Frauen weniger verdienen, liegt woanders, Teilzeitjobs, spezielle, gering bezahlte Frauenberufe, geringere Ellbogenmentalität, längere Familienphase etc.,

    Aber Frauen, die so mies verdient haben, können meist auch nicht früher in Rente, die ist dann nämlich zu klein. Profitieren tut die frauengeförderte kinderlose Angestellte im öffentlichen Dienst, die nach 40 Jahren bei gleichem Verdienst wie der männliche Kollege schon früher in Rente darf.

  6. #6
    JCL
    gelöscht

    AW: Gleiches Pensions/Rentenalter?

    Zitat Zitat von pirlipat Beitrag anzeigen
    Ich kenne natürlich die österreichischen Verhältnisse nicht, aber bei uns hier gilt gleiches Gehalt für gleiche Arbeit und das schon seit vielen Jahren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies in Österreich anders ist.
    Österreich im EU-Vergleich Vorletzter - Lohnschere - dieStandard.at

    Hier wird von 25,5% Unterschied gesprochen. Die Gründe dafür mögen mannigfaltig sein, einige davon hattest Du schon genannt:

    Das Problem, dass Frauen weniger verdienen, liegt woanders, Teilzeitjobs, spezielle, gering bezahlte Frauenberufe, geringere Ellbogenmentalität, längere Familienphase etc.,
    Jetzt stellt sich die Frage, ob es dienlich ist, durch Begründung die Zahlen ad absurdum führen zu dürfen. Denn Fakt ist, dass Frauen in Österreich nur knapp 75% des männlichen Einkommens erreichen.

    Aber Frauen, die so mies verdient haben, können meist auch nicht früher in Rente, die ist dann nämlich zu klein.
    Das sieht auf den ersten Blick logisch aus, doch es kommt eigentlich viel schlimmer: Dadurch, dass gerade in schlechter bezahlten (und oft körperlich anstrengenderen) Jobs eine Frau mit 50+ nicht mehr in das Anforderungsprofil passt, werden genau diese Frauen in die Arbeitslosigkeit gedrängt.

    Was sich wiederum noch fataler auf die Pensionsansprüche aufgrund der Durchrechnung auswirkt.

    Profitieren tut die frauengeförderte kinderlose Angestellte im öffentlichen Dienst, die nach 40 Jahren bei gleichem Verdienst wie der männliche Kollege schon früher in Rente darf.
    Da gebe ich Dir recht, doch derzeit ist es hier genau DIE Gruppe im rentenfähigen Alter, die in jüngeren Jahren ganz offiziell dafür bezahlen durfte, Frau zu sein. Nämlich die Frauengruppe, die ganz legitim und hochoffiziell viel weniger verdient hatte, weil sie Frauen sind. Damit ist es ja noch relativ fair.

    Unfair wird es für die Geburtsjahrgänge wie mich - ich durfte noch die Frauenabschläge berappen, werde aber jetzt um das Versprechen betrogen.

    Und - auch da hast Du recht - es wird wieder nur die fianziell eh schon schlechter gestellten betreffen. Denn bei 50+ Managern ist der Aspekt der Erfahrung sicher eine bessere Jobgarantie (von Unternehmerseite aus) als bei schlechter bezahlten Berufen.

    Lg
    JCL
    Geändert von JCL (09.11.2011 um 13:43 Uhr)

  7. #7
    pirlipat
    gelöscht

    AW: Gleiches Pensions/Rentenalter?

    ich weiß nicht wann bei Euch die Angleichung gleicher Lohn für gleiche Arbeit erfolgte, mich in D hat es jedenfalls nicht betroffen und ich bin schon 59. Wäre ich Angestellte, ich könnte sogar mit 60 schon in Rente gehen, (als Beamtin geht das nicht.)

    Man kann nicht eine Ungerechtigkeit durch eine andere Ungerechtigkeit ersetzen, da andere damit bevorzugt wären. Ich z.B. wäre mit der Rente mit 60 eindeutig bevorzugt.

    Der Ausgleich bei der Rente müsste m.E. woanders herkommen: z.B bei der größeren Anerkennung von Ersatzzeiten z.B. für Kindererziehung.

    Und wie gesagt, vergiss nicht, wir kriegen mehr aus der Rentenkasse, wir leben länger!

  8. #8
    JCL
    gelöscht

    AW: Gleiches Pensions/Rentenalter?

    Zitat Zitat von pirlipat Beitrag anzeigen
    ich weiß nicht wann bei Euch die Angleichung gleicher Lohn für gleiche Arbeit erfolgte, mich in D hat es jedenfalls nicht betroffen und ich bin schon 59. Wäre ich Angestellte, ich könnte sogar mit 60 schon in Rente gehen, (als Beamtin geht das nicht.)
    Es war Anfang der 80er Jahre, als die Abschaffung umgesetzt wurde. D.h. es waren für mich nicht viele Jahre, die ich finanziell gegenüber den Männern benachteiligt war (ich bin jetzt 50), aber meine älteren Schwestern z.B. fielen voll in diese Regelung. Sie sind auch noch nicht in Pension und zittern jetzt, dass das Antrittsalter hinaufgesetzt wird.


    Man kann nicht eine Ungerechtigkeit durch eine andere Ungerechtigkeit ersetzen, da andere damit bevorzugt wären. Ich z.B. wäre mit der Rente mit 60 eindeutig bevorzugt.
    Wie schon geschrieben, im Moment ist das in Österreich fair. Denn es wurde gehalten, was versprochen wurde. Das Problem ist, dass es auch die Geburtenjahrgänge betrifft, die dazwischen sind. Hier wird es unfair.

    Man kann natürlich nun sagen, meine Jahrgänge seien bloß ein Kollateralschaden. Das ändert nichts daran, dass ich mich zu recht ärgere.

    Der Ausgleich bei der Rente müsste m.E. woanders herkommen: z.B bei der größeren Anerkennung von Ersatzzeiten z.B. für Kindererziehung.
    Da weiss ich jetzt leider nicht, wie das in Deutschland gehandhabt wird.

    Und wie gesagt, vergiss nicht, wir kriegen mehr aus der Rentenkasse, wir leben länger!
    Das mag im Moment noch so sein. Wie hier schon geschrieben wurde, es ist offen, ob das so bleibt. Es kann sehr leicht zu einer Reduktion der finanziellen Rentenansprüche kommen.

    Die Generation, die JETZT in der Rente ist, wird die Früchte ihrer Arbeit noch genießen können. Bei unserer und den nachfolgenden Generationen bin ich mir da nicht mehr so sicher.

    An sich ist es aber auch schwierig, deutsche und österreichische Pensionssysteme zu vergleichen, wie man hier sieht.

    Liebe Grüße
    JCL
    Geändert von Lukulla (10.11.2011 um 18:22 Uhr) Grund: Quote repariert

  9. #9
    Avatar von Satyr
    Registriert seit
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    11.405

    AW: Gleiches Pensions/Rentenalter?

    Willkommen in der Gleichberechtigung.
    Sie verwechseln Ehrlichkeit und Toleranz, mit Oberflächlichkeit und Arroganz...
    -
    Schau auf deine Haut und lies
    Such wo meine Zunge war
    Such mein Lied in deinem Haar
    Willst Du mein Gefühl verstehen
    Mußt Du Dich in Dir ansehen
    Schließ die Augen und Du siehst ich bin in Dir
    (c) ASP
    -

  10. #10
    Avatar von jofi
    Registriert seit
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    Beiträge
    8.052

    AW: Gleiches Pensions/Rentenalter?

    Ich halte es für prinzipiell völlig richtig, wenn Frauen genau so lange arbeiten müssen wie Männer, ehe sie Rente oder Pension in voller Höhe beziehen können. Ich halte es auch für fatal, Frauen Rentenprivilegien zu geben und damit (indirekt) etwaige ungleiche Gehälter zu rechtfertigen.
    Gegen die Anrechnung von Erziehungszeiten ist auch nichts einzuwenden, so lange sie sowohl von Frauen als auch von Männern beansprucht werden können.
    Nichtsdestotrotz sollte aber die U3-Betreuung möglichst bald zu dem Punkt kommen, dass für jedes Kind ein Platz vorhanden ist, damit die Anrechnungszeiten entsprechend begrenzt werden können.
    Krankheit steckt an. Ach tät's doch Schönheit auch! (Shakespeare)


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