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Thema: Bindungsangst

  1. #1
    Avatar von Admaro
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    Bindungsangst

    Hallo ihr Lieben,

    ich habe heute mal ein Thema, sicherlich nicht brandneu und vielleicht auch manchmal vorschnell erteilt, dass mich jedoch gerade umtreibt.

    Schön fände ich, wenn es die/der eine oder andere sogar aus Erfahrung kennt, sei es als betroffene Person, sei es als Partner/In solch eines Exemplars.

    Ein beziehungsängstlicher Partner entpuppt sich erst einmal als sehr beziehungsharmonisch, sehr aufmerksam, sehr anhänglich, sehr großzügig (ich schreibe das in der dritten Person, bringe hier jedoch als Beispiel eigentlich meine Erfahrungen mit ein), offen – jedoch, was Gefühle betrifft, verbal eher zurückhaltend bis verschwiegen.

    Nach einem halben Jahr des wirklich sehr schönen Zusammenseins, man hat sich bald jedes Wochenende gesehen, mehre Kurztrips, Freunde/Familie kennengelernt, erhält man die telefonische Nachricht von heute auf morgen (ein letztes harmonisches Wochenende liegt erst ein paar Tage zurück), dass man sich jetzt erst einmal finden muss, seine Angelegenheiten neu ordnen muss. Gründe, Persönliches wurde nicht mitgeteilt. Auf die Frage, ob dies jetzt das Ende sei und man sich deshalb nicht wieder sieht, wird dies vehement verneint.

    Dass dieser Mann mehr Zeit braucht, mehr Abstand braucht, wusste man schon von Anfang an. Man hat sich also etwas zurückgehalten, was ja nicht unbedingt verkehrt ist. Jetzt, nach einem halben Jahr, wurde natürlich unterdessen auch signalisiert, dass man ihn mag, verbal: „wie gerne ich dich habe, wie gerne ich bei dir bin“.

    Die geplanten Wochenenden wurden immer mit der Frage besprochen, hast du Zeit, passt es, bei mir würde es passen. Man hatte also das Gefühl, dass die Treffen immer auch von ihm gewollt waren. Seine Aussage: „ich will dich doch sehen“ bestärkten dieses Gefühl noch.

    Und nun also Abstand.

    Ich habe mich ein bisschen mit dem Thema Beziehungsangst auseinander gesetzt und stelle sehr viele Parallelen zu diesem Mann fest, auch zu dem, was er mir über seine Vergangenheit erzählt hat.

    Sicherlich wird der Großteil von euch sagen, nimm deine Beine in die Hand und ab durch die Mitte. Jedoch sehe ich hinter diesem „Schleier“ einen Mann, den ich mir schon immer gewünscht habe. Stark, gefestigte Meinung, einfühlsam, großzügig, aufmerksam, freundlich, gleichen Interessen, sehr groß, liebenswert, fähig, kontroverse Meinungen zu akzeptieren, diskussionsfreudig, fleißig, Aktivitäten liebend, genauso wie auf der Couch liegen und Schweigen können, usw. Ich sehe seine Bindungsangst als Hemmschwelle für ihn, glücklich zu werden.

    Er äußerte nämlich des Öfteren, dass Vertrauen nicht funktioniert, dass keiner den anderen so akzeptiert, wie er ist. Man in einer Beziehung eh irgendwann manipuliert wird. Als Beispiele taugen ihm grundsätzlich alle Negativbeispiele im Freundeskreis. Positive sieht er nicht. Als ich ihm erzählte, dass ich 24 Jahre treu war, dass 95 % meiner Freundinnen immer noch mehr oder weniger glücklich verheiratet sind, quittierte er dies mit einem müden Lächeln.

    Nun meine ich Folgendes:

    Ich kann ihn nicht ändern. Ich muss mich vor allem nicht ändern.

    Wenn er eine erfüllte Beziehung tatsächlich leben möchte, wenn er in mir die Frau sieht, die ihm das Wert wäre (er meinte Mal, dass ich in allem anders wäre, wie seine Ex-Partnerinnen – und zwar positiv), diese Aussage also wahr wäre, gibt es eine Möglichkeit, dies als (Leidens)Partnerin zu unterstützen und zu leben und vor allem durchzustehen? Ich denke mal, seine Einsicht, dass er seine Einstellung ändern muss, dass er akzeptiert, an einer Bindungsangst zu leiden, ist da wohl Grundvoraussetzung.

    Hat hier jemand praktische Erfahrung und/oder theoretische und praktische Tipps?

    Ich danke euch, auch für´s Lesen.

    LG Admaro

    Vielleicht noch eins zur Info: wir sind beide ca. Ende 40

  2. #2
    Avatar von Unendlichkeit
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    AW: Bindungsangst

    Hm, vor allem sehe ich, dass diese Phasen des Zweifels und des Abstands immer wieder kommen werden.

    Falls du das akzeptieren und aushalten kannst, hat diese Beziehung eine Chance. Allerdings erfordert das von dir einiges an Nerven und Zuversicht - du weißt ja nie, wie so eine Phase ausgeht.
    "...es gibt höchstens hoffnungslose Menschen, aber nie hoffnungslose Situationen..."
    Sprichwort auf Oxtorne

  3. #3
    Avatar von Loop1976
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    AW: Bindungsangst

    Zitat Zitat von Admaro Beitrag anzeigen
    Vielleicht noch eins zur Info: wir sind beide ca. Ende 40
    wie will er sich denn ändern?

    bist du bereit, immer wieder solche phasen zu erdulden?
    wo ist denn deine schmerzgrenze?

    möchtest du irgendwann wieder mit jemandem zusammen leben?
    Schade, dass man im Leben Menschen begegnet, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen.

    Es gibt immer 4 Versionen beim Zusammentreffen von Mann und Frau:
    Seine, ihre, die Wahrheit, und das, was wirklich passiert ist.


    Wer sich über Kritik ärgert gibt zu, dass sie berechtigt war.

  4. #4

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    AW: Bindungsangst

    Es könnte sein, dass er Bindungsangst hat.

    Es könnte sein, dass er sich seiner Gefühle für dich nicht sicher ist.

    Es könnte sein, dass er dich mag, aber nicht mehr liebt.


    Sicher ist, dass er tatsächlich Zeit braucht, um das für sich zu klären. Rückzug ohne Ankündigung und Erklärung ist immer blöd. Nur kannst du nichts tun, um ihn daran zu hindern.


    Was du tun kannst, ist dein eigenes Leben in den Vordergrund zu stellen und ihn loszulassen.
    Wenn er sich in den nächsten Tagen meldet, geht das Kennenlernen weiter. Wenn er sich nicht meldet, dann vergiss ihn und suche den nächste, auch wenn das jetzt hart, lieblos und unmöglich klingt.
    "beinhalten" wird wie "halten" konjugiert, als "beinhält", und gehört zur Kategorie schlechtes Deutsch. Warum nicht "enthalten", "umfassen" oder "bedeuten"?

    Sorge dich nicht, lebe!

  5. #5
    Dharma-09
    gelöscht

    AW: Bindungsangst

    Glaubst du wirklich, dass es "Bindungsangst" gibt?

    Ich nämlich nicht. Ich glaube, dass der/die Richtige das sofort ändert würde.

    Ein halbes Jahr "spielt" er Beziehung mit dir...und nun hatter Angst?

    Vielleicht weil ich aus eigener Erfahrung weiss wie das ist - ich ticke so - bis zu dem Tag als ich meinen heutigen 2. Ehemann traf..

    Bindungsangst habe ich nicht - nur vorher nicht den Richtigen gefunden...

    Wenn du dennoch weiter machen willst.... das Tal der Tränen ist dir wohl sicher!

  6. #6
    Avatar von Loop1976
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    AW: Bindungsangst

    Zitat Zitat von Admaro Beitrag anzeigen
    Er äußerte nämlich des Öfteren, dass Vertrauen nicht funktioniert, dass keiner den anderen so akzeptiert, wie er ist. Man in einer Beziehung eh irgendwann manipuliert wird.
    verwechselt er da vielleicht "kompromisse"?

    sorry, wenn einer schon so redet, dann hätte ich wenig hoffnung, dass er das nicht so meint

    zumal er aus dem alter raus ist, wo man sich noch grundlegend ändert.....
    Schade, dass man im Leben Menschen begegnet, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen.

    Es gibt immer 4 Versionen beim Zusammentreffen von Mann und Frau:
    Seine, ihre, die Wahrheit, und das, was wirklich passiert ist.


    Wer sich über Kritik ärgert gibt zu, dass sie berechtigt war.

  7. #7
    Moderation Avatar von Pannfisch
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    2.033

    AW: Bindungsangst

    Bindungsangst ist eines meiner persönlichen Bri-Unworte. Ich kann mich nicht erinnern, es benutzt zu haben, bevor ich hier aktiv war.
    Admaro, du beschreibst deinen Freund als tollen, zugewandten Mann; ihr scheint eine schöne, intensive Zeit verbracht zu haben. Er hat offenbar die Erfahrung gemacht, dass seine Exen ihn ändern wollten. Du willst das anscheinend nicht.
    Vielleicht braucht er da einfach einen kleinen Rückschritt, um auf eure Beziehung zu blicken. So nach dem Motto "Zu schön um wahr zu sein. Was passiert da eigentlich?" Ich kann das schon verstehen. Das muss ja nicht das baldige Ende bedeuten, sondern einfach innehalten und genau hingucken.
    Moderatorin in
    "Beziehung im Alltag", "Der gebrauchte Mann"
    und "Schule, Uni, Studium und Ausbildung"

  8. #8

    Registriert seit
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    AW: Bindungsangst

    Zitat Zitat von Admaro Beitrag anzeigen
    Wenn er eine erfüllte Beziehung tatsächlich leben möchte, wenn er in mir die Frau sieht, die ihm das Wert wäre (er meinte Mal, dass ich in allem anders wäre, wie seine Ex-Partnerinnen – und zwar positiv), diese Aussage also wahr wäre, gibt es eine Möglichkeit, dies als (Leidens)Partnerin zu unterstützen und zu leben und vor allem durchzustehen? Ich denke mal, seine Einsicht, dass er seine Einstellung ändern muss, dass er akzeptiert, an einer Bindungsangst zu leiden, ist da wohl Grundvoraussetzung.
    Zu viel Leiden, admaro, oder nicht? Wie andere bin ich auch nicht überzeugt, dass Bindungsangst so existiert, wie es hier beschrieben wird. Das setzt immer voraus, dass es für "Bindung" eine Definition bzw. einen Idealfall gibt.

    Ich lese eigentlich mehr heraus, dass eure Beziehung nicht deine Form von Bindung ist.

  9. #9

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    AW: Bindungsangst

    Ich war mit dem Thema auch konfrontiert.

    Viele meinen ja, gut, dann bist du es halt einfach nicht für ihn - aber so simpel ist das nicht.

    Wer kein Interesse hat, der lässt sich auf eine nahe Beziehung gar nicht ein, bleibt halt immer lauwarm oder es läuft sich schnell tot, das ist ein ganz anderes Muster.

    Wer wirkliche Bindungsangst hat sehnt sich aber sehr nach Nähe, und lebt das auch - nur wenn er sie hat macht ihm das Angst und er schafft Abstand, was sehr schmerzhaft und aus der aktuellen Situation heraus sehr schwer zu verstehen ist. Da kommt Abstand eben nicht, wie normal, aus einer Krise - sondern gerade dann wenn es sehr schön und innig war.

    Und wenn man das dann verdaut hat - dann kommt er wieder auf einen zu, weil er aus diesem Sicherheitsabstand heraus sich wieder traut Nähe zu suchen.

    Und so geht das ewig hin und her.

    Wenn man das nicht erlebt hat kann man das glaub ich nicht verstehen - man bildet sich die Nähe ja nicht ein, sie ist geradezu Voraussetzung dafür, dass der andere Distanz sucht.

    Mir hat das Buch "Jein" sehr geholfen, da wird das gut beschrieben.
    Alle sehen in dir den, als der du erscheinst. Wenige sind es, die dich als den fühlen, der du bist.

    Niccolò Machiavelli (1469-1527)

  10. #10

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    AW: Bindungsangst

    Zitat Zitat von Admaro Beitrag anzeigen

    Nach einem halben Jahr des wirklich sehr schönen Zusammenseins, man hat sich bald jedes Wochenende gesehen, mehre Kurztrips, Freunde/Familie kennengelernt, erhält man die telefonische Nachricht von heute auf morgen (ein letztes harmonisches Wochenende liegt erst ein paar Tage zurück), dass man sich jetzt erst einmal finden muss, seine Angelegenheiten neu ordnen muss. Gründe, Persönliches wurde nicht mitgeteilt. Auf die Frage, ob dies jetzt das Ende sei und man sich deshalb nicht wieder sieht, wird dies vehement verneint.

    Dass dieser Mann mehr Zeit braucht, mehr Abstand braucht, wusste man schon von Anfang an. Man hat sich also etwas zurückgehalten, was ja nicht unbedingt verkehrt ist. Jetzt, nach einem halben Jahr, wurde natürlich unterdessen auch signalisiert, dass man ihn mag, verbal: „wie gerne ich dich habe, wie gerne ich bei dir bin“.

    Nun meine ich Folgendes:

    Ich kann ihn nicht ändern. Ich muss mich vor allem nicht ändern.

    Wenn er eine erfüllte Beziehung tatsächlich leben möchte, wenn er in mir die Frau sieht, die ihm das Wert wäre (er meinte Mal, dass ich in allem anders wäre, wie seine Ex-Partnerinnen – und zwar positiv), diese Aussage also wahr wäre, gibt es eine Möglichkeit, dies als (Leidens)Partnerin zu unterstützen und zu leben und vor allem durchzustehen? Ich denke mal, seine Einsicht, dass er seine Einstellung ändern muss, dass er akzeptiert, an einer Bindungsangst zu leiden, ist da wohl Grundvoraussetzung.
    Ich war jetzt nur grob am Überfliegen.

    Was möchtest Du selbst? Was ist Dein Wunsch in Bezug auf eine Beziehung jetzt und in den nächsten Jahren? Möchtest Du mit einem Mann zusammenziehen oder würde es auch weiterhin und überhaupt nur mit getrennten Wohnungen gehen?

    Könnte es sein, dass er Nähe und Distanz steuern wird? Würdest Du damit klarkommen? Und was meinst Du, kannst Du ihn nach dem jetzt von ihm gewünschten Abstand einfach mal klipp und klar fragen, wie er sich Beziehung wünscht mit Dir? Kann ja auch sein, dass er sagt, dass ihm ein Treffen pro Monat oder sogar weniger reicht. Fragen würde ich dann schon mal und ihm jetzt mal etwas zu sich kommen lassen.

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