Liebe Mitleser,
seit langem lese ich im Brigitte-Forum, seit einiger Zeit habe ich darüber nachgedacht, mich hier anzumelden. Heute habe ich den Schritt gewagt, weil ich Euren Rat brauche.
Ich bin Mitte Dreißig und seit sechs Jahren mit meinem Lebensgefährten zusammen. Wir haben keine Kinder. Ich bin vor drei Jahren aus Deutschland weg- und zu meinem Partner gezogen, wir leben im Ausland (EU). Seine Familie wohnt etwa 20km von uns entfernt - meine Familie weit weg.
Im vergangenen Jahr hatten wir eine Zwangspause mit zeitweiser Trennung, weil es in unserer Beziehung einige Probleme gab, die mein Lebensgefährte nicht richtig wahrhaben wollte. Dank einer begonnenen Therapie sind wir wieder zusammen, grundsätzlich würde ich sagen, daß unsere Beziehung stabil ist. Grundsätzlich. Eines der (noch immer nicht bewältigten) Probleme ist das Verhältnis zwischen mir und seinen Eltern. Meine Familie und seine trennen Welten.
Ich komme aus einem sehr offenen Elternhaus, in dem Konflikte angesprochen werden. Auch ich habe mit meinen Eltern schon Krisen durch, besonders in meiner Jugend, trotz der räumlichen Distanz gibt es zwischen uns aber eine große Nähe, ich weiß, daß sie für mich da sind, wenn es brennt (und umgekehrt).
In seiner Familie werden Probleme grundsätzlich unter den Teppich gekehrt. Ich erlebe meine Schwiegereltern als übergriffig und unaufrichtig. Des Familienfriedens willen soll aber gerade zu Feiertagen Harmonie herrschen. Mir tut der Kontakt mit der Familie meines Mannes nicht gut. Schon vor den Treffen mit Verwandten (bis auf wenige Ausnahmen) bekomme ich Magenschmerzen. Ich bin nach all den Jahren noch immer fremd und suspekt, und da wir im Heimatland meines Mannes leben, wird erwartet, daß ich mich sowohl der Mentalität als auch den Traditionen anpasse, was natürlich nur bedingt möglich ist. Besonders der Kontakt zwischen meinen Schwiegereltern und mir ist angstbesetzt. Sie befürchten, ich würde ihnen ihren ältesten Sohn wegnehmen und ihn ihnen entfremden. Da die Beziehung zwischen ihm und seinen Eltern grundsätzlich keine leichte ist, suchen sie inzwischen die Schuld ausschließlich bei mir, weil ich ihn angeblich manipuliere.
Seit unserer Trennung im vergangenen Jahr (seit dem Frühjahr wieder zusammen) habe ich keinen Kontakt mehr zu seiner Familie. Ich möchte nicht bei Familienfesten dabei sein und auch sonst den Kontakt so reduziert wie möglich halten, weil er ein enormes Konfliktpotential für die Beziehung zwischen meinem Partner und mir darstellt.
Ich unterstütze meinen Mann, wenn es darum geht, Geschenke zu besorgen, erinnere ihn an Geburtstage und frage auch nach, wie es seiner Familie geht. Ich wünsche mir, daß er guten Kontakt zu seiner Familie hat, möchte aber selbst so wenig wie möglich mit der Verwandtschaft zu tun haben. Ich weiß, daß das egoistisch klingt, ist aber für mich im Moment der einzige Weg, nicht den Verstand zu verlieren. Auch wenn mein Mann mich grundsätzlich unterstützt, ist es für ihn schwierig, meine Entscheidung zu akzeptieren.
Ich habe mitunter Angst, überzogen zu reagieren, aber es gibt/ gab viele Ereignisse, die ich jahrelang geschluckt habe, und die einzeln betrachtet wie eine Lappalie wirken, aber die Menge macht es. Wer backt eine Geburtstagstorte? Darf die Schwiegermutter ungefragt in unserer Abwesenheit das Haus komplett durchputzen? Weshalb wird grundsätzlich nur er angerufen, wenn es um Terminabsprachen geht? Meine Nummer haben sie, ich habe aber noch nie einen einzigen Anruf von ihnen erhalten. Dürfen sich Verwandte permanent in die Kinderfrage einmischen, obwohl sie wissen, daß man nicht schwanger werden darf? Soll man ständige Witzeleien gegen die eigene deutsche Herkunft ertragen? (Ich habe viel Humor, das nur am Rande).
Ich bin an einem Punkt, an dem ich nicht mehr geben kann als ein nett verpacktes Geschenk mit ein paar Zeilen und ein Lächeln, wenn mein Lebensgefährte zu seinen Eltern fährt - ich kann mich aber zur Zeit nicht mit an den Tisch setzen, wenn es große Familienessen gibt. Die räumliche Nähe führt natürlich zu einer Erwartungshaltung seiner Familie, und so bekommt das Ganze eine Eigendynamik - sie erwarten viel und werden noch übergriffiger, ich ziehe mich immer mehr zurück. Für meinen Mann würde ich mir natürlich wünschen, daß das Verhältnis entspannter wäre, aber in seiner Familie lautet die Devise "Verletzungen schlucken, lächeln und so tun, als wenn nichts wäre und dabei hinter dem Rücken reden" - und das entspricht nicht meinem Naturell.
Wem von Euch geht es ähnlich wie mir? Welche Lösungen habt Ihr gefunden? Wie geht Euer Partner damit um?
Wer von Euch ist in einer ähnlichen Position wie mein Lebensgefährte? Wie handhabt Ihr das?
Vielen Dank für Eure Antworten.
Ella











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