Umfrage: Ist die “Herdprämie” eine gute Idee?

+ Antworten
Seite 1 von 18 12311 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 178
  1. #1
    Administrator Avatar von BRIGITTE Community-Team
    Registriert seit
    23.04.2003
    Beiträge
    6.804

    “Herdprämie” - eine gute Idee?

    Liebe Userinnen und User,

    Im Detail noch heiß diskutiert, aber scheinbar schon beschlossene Sache: Voraussichtlich wird die Regierung ab nächstem Jahr eine “Herdprämie” an Mütter zahlen, die ihr Kind nicht in einer Kita betreuen lassen. Ist das eine sinnvolle Maßnahme um mehr Kindern kostbare Zeit mit der Mutter zu ermöglichen? Oder ist das ein rückständiges Signal von Politikern, die Frauen lieber am Herd als im Job sehen? Was denken Sie?

    Gruß

    Das Bfriends-Team
    Das BRIGITTE Community-Team ist Ihr Ansprechpartner bei Fragen, Wünschen oder Problemen rund um die Community. Schreiben Sie uns gerne eine PN oder eine E-Mail.

  2. #2

    Registriert seit
    13.02.2009
    Beiträge
    1.940

    AW: “Herdprämie” - eine gute Idee?

    Zu erst einmal finde ich den Begriff "Herdprämie" keine gute Idee. Er ist polemisch und unsachlich, auf reine Stimmungsmache aus. Genausowenig sinnvoll und am Thema vorbei wie "Dönermorde" oder "Retortenbaby".

    Warum sollte man Ganztagsmütter eine Zeit lang nicht finanziell unterstützen? Schließlich zahlt der Staat auch Kindergeld.

    Unverschämt finde ich die Behauptung der politischen Gegner, Eltern würden dieses Geld sinnlos verjubeln, ja dann kann man auch das Kindergeld mit gleichem Argument streichen.
    Gruß Nipperdey

    Der Sommer folgt. Es wachsen Tag und Hitze,
    und von den Auen dränget uns die Glut;
    doch dort am Wasserfall, am Felsensitze
    erquickt ein Trunk, erfrischt ein Wort das Blut.


    (Johann Wolfgang von Goethe)

  3. #3
    Avatar von amade_a
    Registriert seit
    07.11.2010
    Beiträge
    4.895

    AW: “Herdprämie” - eine gute Idee?

    Zitat Zitat von Nipperdey Beitrag anzeigen
    Zu erst einmal finde ich den Begriff "Herdprämie" keine gute Idee. Er ist polemisch und unsachlich, auf reine Stimmungsmache aus. Genausowenig sinnvoll und am Thema vorbei wie "Dönermorde" oder "Retortenbaby".
    In diesem Punkt stimme ich meiner Vorschreiberin zu. "Herdprämie" weckt Assoziationen von "Heimchen am Herde" ein neutraler Begriff wäre hier angebracht.

    Ich bin gegen eine solche Prämie. Heute wird (Gott sei Dank) viel Wert auf eine gute Ausbildung von Mädchen gelegt. Warum sollten Frauen beruflich den Anschluss verpassen, weil sie um der Kinderbetreuung willen zu Hause sitzen?
    Wann immer ich zwei Übeln gegenüberstehe, wende ich mich dem zu, das ich noch nicht ausprobiert habe


    Mae West

  4. #4

    Registriert seit
    13.02.2009
    Beiträge
    1.940

    AW: “Herdprämie” - eine gute Idee?

    Es geht ja nicht darum, Frauen von der Berufstätigkeit generell fern zu halten, sondern diejenigen Frauen zu unterstützen, die sich für eine kurze Zeit ganztags um ihr Kind kümmern wollen.

    Als 1980 mein erstes Kind geboren wurde, bekam ich nach dem Mutterschutz für 4 Monate 750 DM bezahlt. Dies war nicht mit der Verpflichtung verbunden, den Beruf aufzugeben.
    Gruß Nipperdey

    Der Sommer folgt. Es wachsen Tag und Hitze,
    und von den Auen dränget uns die Glut;
    doch dort am Wasserfall, am Felsensitze
    erquickt ein Trunk, erfrischt ein Wort das Blut.


    (Johann Wolfgang von Goethe)

  5. #5
    Avatar von petitnicolas
    Registriert seit
    11.12.2008
    Beiträge
    2.610

    AW: “Herdprämie” - eine gute Idee?

    Mir ist erst einmal das ganze Konzept unverständlich. Gedacht ist es doch als Honorierung dafür, dass Leistungen, die der Staat (bzw. die Kommune) in Form von Krippenplätzen zur Verfügung stellt, nicht genutzt werden.
    Ja, was ist denn das?
    Die Kommune stellt dochz.B. auch Bibliotheken zur Verfügung. Ich nutze sie nicht, weil ich meine Bücher lieber selber kaufe. Darf ich jetzt einen Ausgleich fordern? Dieser "jeder kriegt was"-Ansatz klappt doch hinten und vorne nicht.

    Für die Familienförderung gibt es doch x andere, bessere Ansätze als ein solches "wer zu Hause bleibt kriegt Geld". UNd das Argument, dass es genau in der Gruppe, die kurzfristig denkt, die falschen Anreize setzt ist aus meiner Sicht nicht von der Hand zu weisen.

  6. #6

    Registriert seit
    13.02.2009
    Beiträge
    1.940

    AW: “Herdprämie” - eine gute Idee?

    Mich stört besonders die Behauptung, mit der Prämie würden "falsche Anreize gesetzt."
    Dabei wird davon ausgegangen, dass Frauen, die eine Zeit daheim bleiben wollen, dem Prekariat angehören, das Geld verjubeln und ihren Kindern mittags Kartoffelchips vorsetzen würden. Diese Vorstellung ist genauso falsch, wie die Behauptung, kinderreiche Familien würden gut vom Kindergeld leben.

    Es erstaunt mich, dass die Frauen diesen pauschalen Vorwurf nicht als Diskriminierung ihrer Arbeit als Mutter erkennen. Für mich ist das eine Form von Sexismus.
    Gruß Nipperdey

    Der Sommer folgt. Es wachsen Tag und Hitze,
    und von den Auen dränget uns die Glut;
    doch dort am Wasserfall, am Felsensitze
    erquickt ein Trunk, erfrischt ein Wort das Blut.


    (Johann Wolfgang von Goethe)

  7. #7
    Avatar von petitnicolas
    Registriert seit
    11.12.2008
    Beiträge
    2.610

    AW: “Herdprämie” - eine gute Idee?

    Wenn eine gut ausgebildete Frau zu Hause bleiben will, tut sie das - 100 Euro hin oder her. Beeinflußt das wirklich eine Entscheidung? Und wenn ich es richtig finde, zu Hause zu bleiben mache ich das, ob mir der Staat in Form von 100 Euro noch auf die Schulter tätschelt oder nicht.
    Bei schlecht ausgebildeten Frauen mit entsprechend schlechtem Verdienst kann durch einen solchen Betrag a) der Anreiz gesetzt werden aus dem Beruf auszusteigen (kommt sie je wieder hinein?) und b) das Kind nicht in die Kita zu bringen, um das Geld zu "sparen". Und gerade dort wären womöglich die Anreize in der Kita ein echter Gewinn.

    Ich würde das Geld (wenn es denn überhaupt da wär) lieber in Elternhelferprogrammen sehen. Dann können die Mütter zu Hause bleiben wie sie wollen (und das auch finanzieren wie sie wollen) und bekämen Unterstützung in ihrem Mutter (VAter?)-Sein.

  8. #8

    Registriert seit
    13.02.2009
    Beiträge
    1.940

    AW: “Herdprämie” - eine gute Idee?

    Zitat Zitat von petitnicolas Beitrag anzeigen
    Wenn eine gut ausgebildete Frau zu Hause bleiben will, tut sie das - 100 Euro hin oder her. Beeinflußt das wirklich eine Entscheidung? Und wenn ich es richtig finde, zu Hause zu bleiben mache ich das, ob mir der Staat in Form von 100 Euro noch auf die Schulter tätschelt oder nicht.
    Bei schlecht ausgebildeten Frauen mit entsprechend schlechtem Verdienst kann durch einen solchen Betrag a) der Anreiz gesetzt werden aus dem Beruf auszusteigen (kommt sie je wieder hinein?) und b) das Kind nicht in die Kita zu bringen, um das Geld zu "sparen". Und gerade dort wären womöglich die Anreize in der Kita ein echter Gewinn.

    Ich würde das Geld (wenn es denn überhaupt da wär) lieber in Elternhelferprogrammen sehen. Dann können die Mütter zu Hause bleiben wie sie wollen (und das auch finanzieren wie sie wollen) und bekämen Unterstützung in ihrem Mutter (VAter?)-Sein.
    Was ist ein "Elternhelferprogramm"?

    Sicherlich sind gut ausgebildete und gutverdienende Eltern nicht auf 100 € angewiesen und wird die Prämie ihre Entscheidung für oder gegen ein Kind nicht beeinflussen.

    Aber beeinflusst es schlecht ausgebildete Eltern? (Als Grundlage nehme ich den Hauptschulabschluss mit entsprechender Berufsausbildung.) Das wird vermutet, einen Beweis gibt es dafür nicht.
    Gerade bei den kleinen Einkommen, wird auf die Berufstätigkeit nicht verzichtet, denn die 100 € wiegen den Wegfall des Frauenverdienstet nicht auf. Man behilft sich mit einer reduzierten Arbeitszeit und den Großeltern.
    Gruß Nipperdey

    Der Sommer folgt. Es wachsen Tag und Hitze,
    und von den Auen dränget uns die Glut;
    doch dort am Wasserfall, am Felsensitze
    erquickt ein Trunk, erfrischt ein Wort das Blut.


    (Johann Wolfgang von Goethe)

  9. #9
    Avatar von petitnicolas
    Registriert seit
    11.12.2008
    Beiträge
    2.610

    AW: “Herdprämie” - eine gute Idee?

    Eben, warum dann also die 100 Euro?

    Wer zuhause bleiben möchte soll das tun. Aber das "nicht-nutzen" eines Angebots zu honorieren - das finde ich widersinnig.

    "Elternhelfer-Programme" gibt es ganz unterschiedliche - die Idee ist, dass Eltern im "Eltern sein" unterstützt werden, Programme aktiv, im Zweifel sogar per Hausbesuch angeboten werden. Ich habe keinen Überblick über die komplette Programmvielfalt, nur ein paar Beispiele im Kopf:
    für migrantische Kinder gibt es Hausbesuche mit Anleitung zu Sprachtrainings - eine Anleitung für die Eltern, was sie selbst mit ihren Kindern machen können.
    Gespräche, Ideen, wie die Kinder gefördert werden können.
    Es gibt eine Stadt in Deutschland, da kommt nach der Geburt eines jeden Kindes eine Hebamme (?) ins Haus und macht auf Programme für Eltern aufmerksam. Wenn sich zeigt, dass die Familie Unterstützung möchte / braucht, wird daraus dann eine längerfristige Betreuung.

    Eine Urform der Elternunterstützung war mal PEKIP, das Prager Eltern Kind Programm, das Eltern in schwierigen Verhältnissen helfen sollte, einen guten Kontakt zu ihrem Kind aufzubauen und das Kind anzuregen. Heute schütten die Mittelstandsmamis ihren Kleinen zwischen zwei Latte Macciato den Reis auf den Bauch ...

    Alle diese Programm leiden darunter, dass immer nur ein "Anschub" oder "Pilotprojekt" finanziert wird, die Sachen gehen nie in die Fläche, obwohl der Erfolg eigentlich von niemandem bestritten wird.

    Kurz: da fände ich Geld sinnvoll ausgegeben, nicht bei einem "Elterngeld", - was eigentlich - fördert oder honoriert.
    "Zuhause bleiben" an sich finde ich nicht unterstützenswert. "Gute Eltern sein" schon.

  10. #10
    Avatar von elli07
    Registriert seit
    08.11.2007
    Beiträge
    8.253

    AW: “Herdprämie” - eine gute Idee?

    Wir sind verschuldet bis zur Halskrause, von demher ist es wurscht, ob es nun das Betreuungsgeld gibt oder nicht.

    Wenn schon, dann plädiere ich -wie petitnicolas- für "Elternhilfe" in unterschiedlichster Form, je nach Bedarf.

    Angesichts der wachsenden Zahl "problematischer" Kinder im weitesten Sinn, angefangen von mangelnder Sprachbildung (nicht nur bei Kindern mit Migrationshintergrund) oder auch ADHS zum Beispiel. Sind jetzt nur zwei Schlagworte, aber ich denke mal nicht, dass davon ausschließlich Kinder berufstätiger Mütter(!) betroffen sind.

    Was mich an der Diskussion am meisten stört ist, dass offenbar wieder nur Frauen sich angesprochen fühlen müssen/dürfen/sollen. Ich fände es an der Zeit, die Männer mal gezielt einzubinden in die Kindererziehung und -betreuung. Dann hätten es viele junge Frauen mit anspruchsvollem Beruf endlich leichter, verantwortungsvolle Positionen zu beziehen. Jetzt heisst es (klar, hinter vorgehaltener Hand, denn offen darf das nicht gesagt werden): "die kriegt bald ein Kind, dann haben wir in Kurse/Weiterbildung investiert und dann ist die Frau weg". Ich kann das aus Unternehmersicht sogar irgendwo verstehen.

    Wenn Männer und Frauen sich die Erziehungsarbeit teilen, ist das Risiko einer vorübergehenden Abwesenheit/Teilzeitarbeit bei Männern und Frauen gleich und damit kein Karrierehindernis mehr.

    Die starke "Feminisierung" der Kindheit geht mir schon seit Jahrzehnten auf die Nerven. Da müsste sich mal etwas ändern.

    Und noch etwas: außer Haus zu arbeiten ist garnicht furchtbar, wie das so gerne dargestellt wird à la "die armen Mütter sollen möglichst schnell wieder arbeiten".... Arbeit außerhalb der Familie bringt bei einer entsprechenden Ausbildung durchaus Bestätigung und Freude. Was letztendlich auch Kindern zugute kommt.

    Wir werden in den nächsten Jahrzehnten Arbeit eh anders organisieren und ein anderes Verhältnis zur Arbeit und dem Thema "Einkommen" annehmen müssen. Aber das ist eine andere Baustelle.

    Mich würde mal interessieren, was junge Frauen und Männer(!), die so um die 30 Jahre alt sind, zum Thema "Betreuungsgeld" sagen und wie sie sich vorstellen, Familie zu leben...

    Gruß, Elli
    §1:
    Wer etwas zu wissen glaubt, oder etwas zu wissen sich anschickt, oder Dritten gegenüber mittelbar oder unmittelbar erworbenes Wissen als sein eigen geltend macht, weiß nicht genug.
    (H.K)

    Auf der höchsten Stufe der Freundschaft offenbaren wir dem Freunde nicht unsere Fehler, sondern die seinen (F. de La Rouchefoucauld, 1613-1680)

    Fürchte dich nicht vor einem großen Schritt. Mit zwei kleinen lässt sich keine Schlucht überwinden (David Lloyd George)
    Geändert von elli07 (16.04.2012 um 16:49 Uhr)

+ Antworten
Seite 1 von 18 12311 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •